Expressionistische Künstlergruppe: 100 Jahre "Die Brücke"
Bilderserien
Die Sittenwächter in Dresden kannten vor 100 Jahren keine Gnade.Bild 1 von 24 Als die Künstlergruppe "Brücke" mit Plakaten für ihre im September 1906 beginnende Erstlingsschau werben wollte, griffen die Hüter der Moral ein.Bild 2 von 24 "Da der Eindruck des behaarten Geschlechtsteils der weiblichen Gestalt hervorgerufen werde", lehnten sie den Entwurf ab, erinnerte sich der Maler Fritz Bleyl an den Sündenfall.Bild 3 von 24 Laut Gesetz waren öffentliche Darstellungen untersagt, die das Scham- und Sittlichkeitsgefühl der Bevölkerung verletzen konnten. Nach heutigen Maßstäben wirkt Bleyls gelbe Lithographie einer stilisierten Frau so harmlos wie ein Kuss in einer Vorabendserie.Bild 4 von 24 Als Bleyl mit seinen Mitstreitern Erich Heckel, ...Bild 5 von 24 ... Ernst Ludwig Kirchner ...Bild 6 von 24 ... und Karl Schmidt-Rottluff am 7. Juni 1905 in Dresden die "Brücke" gründete, begann mit dem Expressionismus ein neues Zeitalter der Malerei.Bild 7 von 24 "Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt", hieß es im Manifest der Gruppe. (Hier ein Bild von Otto Mueller, "Zwei Mädchen im Grünen".)Bild 8 von 24 Leuchtende Farben und eine reduzierte Formensprache gerieten zum Markenzeichen. (Hier die "Berliner Straßenszene" von Ernst Ludwig Kirchner)Bild 9 von 24 "Das Schiefrunde wurde zum Charakteristikum ihrer Bilder. Sie veränderten die Zentralperspektive, zerstörten die Ordnung und kämpften gegen eine zu große Festigkeit", sagt der Direktor der Galerie Neue Meister in Dresden, Ulrich Bischoff. ("Wolkenschatten" von Erich Heckel)Bild 10 von 24 Nachdem Werke einzelner "Brücke"-Maler schon zuvor in Expositionen aufgetaucht waren, begann am 24. September 1906 der eigentliche Ausstellungsbetrieb. ("Parkweg" von Karl Schmidt-Rottluff)Bild 11 von 24 Schauplatz war die Lampenfabrik von Karl-Max Seifert im Dresdner Stadtteil Löbtau, einem bevorzugten Arbeitsort der Künstler. (Max Pechstein, "Auf dem Pferdemarkt von Moritzburg")Bild 12 von 24 Als Zeichner und Assistent im Architekturbüro von Wilhelm Kreis hatte Heckel den Fabrikanten Seifert kennen gelernt. Kreis war mit dem Neubau von Schauräumen für die Fabrik beauftragt und setzte Heckel als Bauleiter ein. (Erich Heckel, "Mädchen mit Puppe")Bild 13 von 24 Die Zeitungen berichteten meist mit kleinen Nachrichten und Berichten. "Wenn man die mehr oder weniger robuste Anwendung der Farbenprinzipien des Pointillismus, der ungebrochenen Farben des Sonnenspektrums, für modern hält, ... (Max Pechstein, "Brücke über die Seine")Bild 14 von 24 ... so sind diese Ölgemälde mit ein paar Ausnahmen im höchsten Grade 'modern'", schrieb der "Dresdner Anzeiger" am 6. Oktober 1906 eher reserviert. (Emil Nolde, "Herbstsee VII")Bild 15 von 24 "Bilder, die in einem wilden Farbenrausch entstanden zu sein scheinen, Improvisationen in ungewissen Formen, mit naiven oder tiefdeutigen Bezeichnungen" waren für die Kritik eine Herausforderung. (Ernst Ludwig Kirchner, "Zwei nackte Mädchen am Ofen")Bild 16 von 24 Tatsächlich hatten sich die Maler vom späten Impressionismus (Pointillismus) inspirieren lassen. (George Seurat, "La Parade" [Ausschnitt], 1889)Bild 17 von 24 Inzwischen waren zum Gründer-Quartett weitere Maler hinzugestoßen. Auch Cuno Amiet, ...Bild 18 von 24 ... Emil Nolde ...Bild 19 von 24 ... und Max Pechstein stellten bis in den Oktober hinein in der ersten "Brücke"-Schau aus. ("Der schlafende Pechstein" von Erich Heckel)Bild 20 von 24 Eine zweite folgte am selben Ort von Dezember bis Januar 1907. Das "Dresdner Salonblatt" vermerkte unter der Rubrik "Dresdner Allerlei" auch den Maler Wassily Kandinsky als Gast-Aussteller. ("Improvisation 34" aus dem Jahr 1913)Bild 21 von 24 Im Beitrag daneben wird über bevorstehende Ballfestlichkeiten in der sächsischen Residenz berichtet. Die "Brücke" war ein reichliches Jahr nach ihrer Gründung im gesellschaftlichen Leben der Stadt angekommen. Auch die erste von sieben Jahresmappen erschien. (Karl Schmidt-Rottluff, "Frauenkopf mit Maske")Bild 22 von 24 Bis 1911 blieb die "Brücke" in Dresden, danach errichtete sie ihre Pfeiler in Berlin. (Bohumil Kubišta, "Blick auf die Zementfabrik in Branik")Bild 23 von 24 Im Mai 1913 folgte die Auflösung der Gruppe. Die Seifertsche Lampenfabrik hielt länger durch. Von ihr blieb jener Bau erhalten, der damals die ersten "Brücke"-Bilder aufnahm.Bild 24 von 24
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