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Das Ende eines Mythos: Absturz der Concorde

 
Das Ende eines Mythos: Absturz der Concorde

Die Concorde ist noch keine Minute in der Luft, da steht sie schon in Flammen.

"Flug 4590", funkt der entsetzte Lotse am Pariser Flughafen Charles de Gaulle die Besatzung des Überschallflugzeugs an: "Sie haben starke Flammen hinter sich."

Vierzig Sekunden später, am 25. Juli 2000 um 16 Uhr, 44 Minuten und fünf Sekunden, meldet der Lotse über Funk: "Die Concorde ist in der Nähe von Le Bourget abgestürzt."

Insgesamt kommen 113 Menschen bei der Katastrophe ums Leben, unter ihnen vier Menschen, die sich in einem Hotel in der Nähe des Flughafens aufhielten.

An Bord der Air-France-Maschine waren auch 97 Deutsche. Sie wollten von Paris nach New York und von dort zu einer Kreuzfahrt in die Karibik weiterreisen.

Dutzende Feuerwehrautos und Rettungswagen rasen zum Absturzort - vor dem brennenden Trümmerhaufen in der Ortschaft Gonesse stehen die Notärzte dann aber still.

Kein Wrackteil ist in der Trümmermasse auszumachen, kein Mauerstück, kein Sitz, kein Gurt.

Die Rettungskräfte stehen vor einer gleichförmigen, brennenden Masse aus Beton und Metall.

Bis heute streitet Air France mit der US-Fluggesellschaft Continental darum, wer die Schuld an der Katastrophe trägt.

Nach Ansicht von Air France löste eine schlecht gewartete Continental-Maschine den Unfall aus, die bei ihrem Start unmittelbar zuvor ein etwa vierzig Zentimeter langes Metallstück auf der Rollbahn verloren hatte.

Die Lamelle habe einen Reifen der Concorde zerschlitzt und damit zum Absturz geführt, behauptet die französische Airline. Sie verlangt 15 Millionen Euro Schadenersatz von Continental.

Das US-Unternehmen behauptet dagegen, dass die Concorde schon gebrannt habe, bevor sie das Metall-Teil überrollte. Nach Angaben der Verteidigung gibt es 16 Zeugen dafür, unter anderem Feuerwehrleute und Piloten anderer Maschinen.

Mit einem Startgewicht von 185 Tonnen - davon allein 95 Tonnen Treibstoff - sei das Überschallflugzeug überladen gewesen und hätte gar nicht starten dürfen, sagte Frankreichs Staranwalt Olivier Metzner in dem Prozess, in dem sich die beiden Fluggesellschaften von Februar bis Mai 2010 gegenüberstanden.

Zudem sei die Anfälligkeit der Concorde-Reifen bekannt gewesen, schon vor dem tödlichen Unfall seien regelmäßig "Zwischenfälle" dieser Art aufgetreten, stellte auch die Vorsitzende Richterin im Verfahren fest.

Für die Hinterbliebenen der deutschen Absturzopfer hat das Urteil, das am 6. Dezember fallen soll, zumindest finanziell keine Bedeutung mehr. Die Versicherungen von Air France hatten die Angehörigen im Jahr nach der Katastrophe entschädigt, ...

... die Rede war von einer Gesamtsumme von mehr als hundert Millionen Euro für rund 650 Hinterbliebene. Dem Prozess in Pontoise blieben die Familien fern - knapp zehn Jahre nach dem Absturz wollte wohl niemand alte Wunden aufreißen.

Die Katastrophe von Paris läutete das Ende für die Concorde ein, die 27 Jahre lang zwischen Europa und New York hin- und hergeflogen war.

Mit einer Geschwindigkeit von 2200 Stundenkilometern - doppelter Schallgeschwindigkeit - hatte das preisgekrönte Designerflugzeug von Paris beziehungsweise London nach New York gut drei bis dreieinhalb Stunden gebraucht.

Stars wie Boris Becker, Paul McCartney oder Claudia Schiffer nutzten den Überschallflieger.

Margaret Thatcher fühlte sich an Bord genauso wohl wie die britische Königin oder Papst Johannes Paul II.

Zwar wurde der Linienbetrieb Ende 2001 wieder aufgenommen.

Doch die Concorde hatte ihren guten Ruf verloren.

Zudem verbrauchte der in den 1960er Jahren entwickelte "fliegende Bleistift" enorm viel Treibstoff.

Air France musterte seine Maschinen im Frühjahr 2003 aus, British Airways stellte den Betrieb im Herbst desselben Jahres ein.

Heute stehen die meisten alten Überschallflieger auf französischen und britischen Flughäfen herum, ...

... eines auch im baden-württembergischen Sinsheim - Symbol eines Fortschrittsglaubens aus einer anderen Zeit. (Text: hvo/AFP/dpa)

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