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Alltag in Weißrusslands Armee: Das harte Los der Rekruten

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Gemeinsam mit Verwandten und Freundin wird die Entlassung aus der Armee gefeiert. (jga) (Foto: Alexander Mihalkovich)

Gemeinsam mit Verwandten und Freundin wird die Entlassung aus der Armee gefeiert. (jga)

Die Armee Weißrusslands betrachtet sich als einen Nachfolger der Roten Armee. Und tatsächlich: Traditionen, Ausrüstung, Rituale und das Verhältnis zwischen Offizieren und Rekruten stammen aus einer Zeit, die eigentlich längst vergangen ist.

Doch für junge Weißrussen lebt diese Zeit fort. Jeder Mann zwischen 18 und 27 Jahren muss für mehrere Monate zum Militär. Die Wehrpflicht dauert 18 Monate, für Rekruten mit höherem Schulabschluss 12 Monate.

Alexander Mihalkovich hat Fotos veröffentlicht, die den Alltag in der weißrusischen Armee dokumentieren. Er selbst hat dort nach eigenen Angaben in den Jahren 2010 und 2011 gedient – und währenddessen fotografiert.

"Die Zeit in der Armee erinnert an ein Arbeitslager für Kinder oder sogar Gefängnis", schreibt der Fotograf. Soldaten, selbst die von Spezialeinheiten, würden die meiste Zeit damit verbringen, das Militärgelände zu reinigen, Gebäude zu reparieren und Gerät wieder funktionsfähig zu machen. Altgediente Soldaten unterdrücken die Rekruten.

Junge Soldaten könnten all die Demütigungen und die harte Arbeit nur aus dreierlei Gründen ertragen: Neben dem Akzeptieren einer archaischen Traditionen seien es jugendlicher Enthusiasmus oder das Wissen, in Zukunft selbst neue Rekruten unterdrücken zu können.

Viele Menschen fragen sich, ob dieser Dienst wirklich notwendig ist und ob junge Männer davon profitieren oder ihre Zeit verschwenden, wie Mihalkovich schreibt.

Die Mehrheit der patriarchalischen Gesellschaft sei allerdings der Meinung, die Armee würde Jungen härter machen und aus ihnen richtige Männer formen.

Die von Alexander Mihalkovich gemachten Fotos geben einen Einblick in das harte Leben der Rekruten, auch wenn sie vieles nur erahnen lassen.

Verwandte feiern, bevor ein junger Mann seinen Dienst antritt. Solche Feste, bei denen viel Essen auf den Tisch kommt, seien typisch in Weißrussland, schreibt Miholkovich.

Verwandte blicken durch ein Fenster, bevor der Zug die Rekruten zur Kaserne bringt. "Sie haben eine lange Reise in alten, kalten Waggons vor sich."

Einige Rekruten unterhalten sich im Zug...

... während andere sich mit dem von ihrer Familie mitgegebenen Essen beschäftigen.

Ein militärisches Ritual, das aus der Sowjetzeit vererbt wurde: Entlassene Soldaten rasieren die Köpfe von Rekruten.

Nach einem Monat leisten die jungen Soldaten einen Eid auf Weißrussland ab. Für die Zermonie reisen Verwandte aus dem ganzen Land an.

Soldaten kehren nach einem Trainig im Wald auf den Stützpunkt zurück - das ist ein Marsch von 40 Kilometern.

Ein Soldat bewacht die Betten seiner Einheit, die während einer Feueralarm-Übung aus einem Gebäude geschafft wurden.

"Eine allabendliche Prozedur", schreibt Mihalkovich. Die Uniformen werden ausgebessert, während im Fernsehen staatliche Propaganda-Nachrichten laufen. "Wenn der Offizier die Unterkunft verlässt, wechseln sie von den langweiligen Nachrichten zu einem neuen Action-Film."

Frierende Soldaten kehren zu ihrer Einheit zurück, nachdem sie stundenlang den Schießplatz vom Schnee befreit haben.

Soldaten waschen sich - ohne Dusche und mit kaltem Wasser. Die Außentemperatur liege bei - 25 Grad Celsius, schreibt Mihalkovich.

Dieser Soldat bewacht Waffen - seit 22 Stunden und ohne Schlaf. "Manche Soldaten haben diese Schicht jeden zweiten Tag."

Soldaten legen eine Pause vom alltäglichen Schneeräumen ein.

Dieser Rekrut schläft ein, kaum dass er auf dem Stuhl sitzt.

Ein Soldat isst etwas, nachdem er eine 24-Stunden-Schicht in der Küche hinter sich gebracht hat. Dort wird nach jeder Mahlzeit zu dritt das Geschirr von 1200 Mann gespült.

Ein Soldat trägt einen Wassereimer, um die Unterkunft zu reinigen.

Ein Rekrut gräbt ein Loch für die Latrine der Offiziere.

Hier spielt ein Soldat während einer Pause mit einem Hund, andere ruhen sich aus.

Doch irgendwann ist die Dienstzeit beendet.

Ein Soldat wartet auf das Zugticket, um nach Hause zurückzukehren.

Soldaten einer Spezialeinheit begehen nach ihrer Entlassung ein Ritual.

Es besteht aus 55 Liegestützen.

Soldaten der Spezialeinheiten sind an ihren blauen Baretten zu erkennen.

In einem Zug auf dem Weg nach Hause.

"Die ehemaligen Soldaten können endlich entspannen und sich von allen Restriktionen lösen, die sie die 547 Tage beherrscht haben", erläutert Mihalkovich.

Diese jungen Männer werden von ihren Freundinnen am Zug abgeholt. "Viele ehemalige Soldaten heiraten nach dem Wehrdienst", schreibt Milhalkovich. "Eine Frau, die 547 Tage wartet, wird eine gute Ehefrau sein."

Gemeinsam mit Verwandten und Freundin wird die Entlassung aus der Armee gefeiert. (jga)

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