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Panorama

August 2007: Keine Spur von Madeleine McCann

 
Ständig neue Nachrichten zu Madeleine, doch das kleine Mädchen aus Leicestershire in England bleibt verschwunden. Die Polizei hat inzwischen die Hoffnung begraben, dass Madeleine noch lebt.

Ständig neue Nachrichten zu Madeleine, doch das kleine Mädchen aus Leicestershire in England bleibt verschwunden. Die Polizei hat inzwischen die Hoffnung begraben, dass Madeleine noch lebt.

Zuvor wechseln sich Hoffnungsschimmer und Enttäuschungen, heiße Spuren und Rückschläge bei den Ermittlungen ab. Die Suche sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Wo ist "Maddie"? Wurde sie entführt, lebt sie oder ist sie schon lange tot?

Eines der letzten Urlaubsfotos zeigt die damals Dreijährige am 3. Mai mit ihrem Vater Gerry McCann und ihrer jüngeren Schwester am Pool, nur wenige Stunden vor ihrem Verschwinden.

Am Abend ist Madeleine nicht mehr aufzufinden. Sie verschwindet aus dem Familienapartment im "Ocean Club", einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz an der Algarve.

Ihre Eltern hatten in der Nähe zu Abend gegessen. Sie geben an, im Halbstundentakt nach ihren drei Kindern gesehen zu haben. Irgendwann fehlt Madeleine. Die Dreijährige wird vermisst gemeldet.

Die Ermittlungen vor Ort laufen an. Zu schleppend, wie britische Medien später kritisieren. Auch Feuerwehr und Grenzschutz werden alarmiert, um zu verhindern, dass das Kind außer Landes gebracht wird.

Hunderte Polizisten und Freiwillige durchkämmen die Umgebung des Ferienorts nach einer heißen Spur, doch vergeblich. Vier Tage nach dem Verschwinden des Kindes wird die Suche auf einen Umkreis von zehn Kilometern um den Ferienort ausgedehnt.

Der örtliche Polizeichef Olegário Sousa informiert die Presse über die Ermittlungen. Die Polizei zieht in Erwägung, dass Maddie von Menschenhändlern oder Kinderschändern entführt worden sein könnte.

Parallel zu den Ermittlungen läuft eine groß angelegte Medienkampagne an, flankiert durch Plakate und Handzettel.

Maddies Gesicht wird weit über die Grenzen Portugals und ihres Herkunftslandes England hinaus bekannt gemacht.

Bereits am Tag nach Madeleines Verschwinden bitten ihre Eltern Kate und Gerry McCann öffentlich um Hilfe bei der Suche nach ihrer ältesten Tochter.

Das Ärzteehepaar bleibt mit den zweijährigen Zwillingen Amelie und Sean vorerst im Badeort Praia da Luz.

Auch Madeleines Großmutter reist an.

In der Algarve ist die Anteilnahme groß.

In einem Gottesdienst wird für Madeleine gebetet.

Maddies Eltern werden von allen Seiten unterstützt.

Ein schwacher Trost.

Madeleine bleibt verschwunden.

Inzwischen sind britische Polizeibeamte vor Ort eingetroffen. Laut portugiesischen Medien verfolgen die Ermittler eine Woche nach Maddies Verschwinden eine Spur: Zwei Männer und eine Frau sind von einer Videokamera in der Nähe des Tatorts aufgezeichnet worden.

Anderen Meldungen zufolge tappt die Polizei völlig im Dunkeln. In den kommenden Monaten werden über tausend Hinweise bei der Polizei eingehen.

Die McCanns geben die Hoffnung nicht auf. In einer Pressekonferenz setzen sie für Hinweise, die zur Rettung ihrer Tochter führen, eine Belohnung von einer Million Pfund aus. Das Geld stellt ein reicher Brite zur Verfügung.

Andere Spender schließen sich an.

Die Belohnungssumme steigt auf 3,7 Millionen Euro.

Am 12. Mai feiern die Eltern und die Anteil nehmende Öffentlichkeit Maddies vierten Geburtstag.

Mitte Mai kommt Bewegung in die Untersuchungen. Die Polizei beschlagnahmt Gegenstände aus dem Haus der Mutter eines Briten in der Nähe des Tatorts.

Der Verdächtige Robert M. wird verhört, aber nicht festgenommen.

In den vorangegangenen Wochen hatte er bei der Suche nach dem Kind geholfen und war durch widersprüchliche Äußerungen ins Visier geraten.

Robert M. fühlt sich als Sündenbock. Der 33-Jährige gilt lange Zeit als Hauptverdächtiger.

Am 15. Mai stattet die Polizei auch seinem Haus im englischen Norfolk einen Besuch ab.

Am 16. Mai werden in Praia da Luz weitere Wohnungen durchsucht.

Auch die Wohnung des 22-jährigen Sergej M. wird in Augenschein genommen und unter anderem ein Computer konfisziert. Der Russe wird als Zeuge verhört.

Am 21. Mai gerät Marokko in den Fokus der Ermittlungen. Eine norwegische Touristin ist sich "zu 99,9 Prozent sicher", die Vermisste Tage zuvor an einer Tankstelle bei Marrakesch gesehen zu haben. Das Kind im Pyjama habe nach seiner Mama gefragt.

Am 11. Juni starten die McCanns die zivile Suche nach ihrer Tochter in Nordafrika.

Am 30. Juni hatten sie bereits Beistand im Vatikan gesucht.

Der Papst gibt ihnen eine Audienz.

Am 6. Juni kommen sie nach Berlin.

Auch hier bitten die Eltern um Hilfe bei der Suche nach ihrer Tochter.

An Hinweisen mangelt es nicht. Bereits Mitte Mai hatte die Polizei in Portugal über die Flut der eingehenden Informationen geklagt.

Eine Freundin der Familie will beobachtet haben, wie ein Mann das Kind aus dem Apartment getragen hat. Die Suche nach einem unbekannten Verdächtigen beginnt. Am 1. Juni werden DNA-Spuren eines Unbekannten im Apartment gefunden.

Immer wieder kommt es zu unerwarteten Wendungen im Fall "Maddie". Mitte Juni gerät der Ermittler Gonçalo Amaral unter Verdacht, die Untersuchungen nicht ordnungsgemäß zu leiten.

Am 13. Juni geht bei der niederländischen Zeitung De Telegraaf ein anonymer Brief ein, in dem Angaben über den Fundort von Madeleines Leiche gemacht werden. Journalisten und Polizisten durchkämmen das Gelände.

Nach zwei Tagen wird die Suche ohne Erfolg abgebrochen.

Eine neue Spur führt nach Malta - und verläuft sich.

Am 22. Juni wird das Kind 50 Tage vermisst. Die Eltern, die sich noch immer am Ort des Geschehens aufhalten, lassen aus diesem Anlass Luftballons aufsteigen.

Die Aktion läuft unter dem Namen "50 Ballons für Maddie".

Die Aktion findet ein Echo in Dänemark. Hier soll ein einzelner roter Ballon unter gelben die Vermisste symbolisieren.

Auch die Fußballfans im Londoner Wembley-Stadion werden über Großleinwand mobilisiert, die Augen nach dem Mädchen offenzuhalten und bei der Suche zu helfen.

Real-Madrid-Fans bekennen sich mit einem Transparent "Todos con Madeleine" (Frei übersetzt: Wir fühlen mit Madeleine) zu der Vermissten.

Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling koppelt die Vermarktung ihres letzten Potter-Bandes mit einer Plakatkampagne, mit der sie die Suche nach der Vermissten unterstützen und Maddies Gesicht über den Buchverkauf bekannt machen will.

Auf der Internetseite www.findmadeleine.com heißt es, jeder Stein solle umgedreht werden, um Maddie zu finden. In den "Madeleine's Fund" sind inzwischen über 1,5 Millionen Euro eingegangen.

Geld macht erfinderisch. Ende Juni wird eine portugiesische Betrügerin von der Polizei überführt. Gemeinsam mit einem Italiener hatte sie versucht, sich mit angeblichen Hinweisen eine Belohnung zu erschleichen.

Anfang Juli wird ein weiterer Betrugsfall bekannt. Aus diesem Gebäude in Eindhoven hatte ein Betrüger E-Mails an die McCanns geschickt und angegeben, er wisse, wo sich Madeleine befände.

Mitte Juli werden die Untersuchungen auf einen Pädophilen-Ring gelenkt. Der Journalist Antonio Toscano ist sich ganz sicher, dass Madeleine am Leben und von Kinderschändern entführt worden ist.

Kurz darauf bestätigt eine Hellseherin, dass Madelein noch am Leben sei. Sie habe schon in 300 Fällen erfolgreich mit der Polizei zusammengearbeitet.

Auch die Eltern zeigen sich gegenüber der Presse fest davon überzeugt, dass ihre Tochter noch lebt. Sie geben die Suche nicht auf.

Doch im August wechselt die Stimmung. Plötzlich sehen sich die McCanns dem Verdacht ausgesetzt, etwas mit dem Verschwinden ihres Kindes zu tun zu haben.

Medien berichten von widersprüchlichen Aussagen der Eltern über die Tatnacht. Die Polizei bestreitet jedoch, einen Verdacht gegen die McCanns zu hegen.

Stattdessen folgen die Ermittler einer Spur in Belgien. Eine Zeugin will Maddie in Begleitung zweier Erwachsener auf einer Café-Terrasse in der ostbelgischen Stadt Tongeren erkannt haben.

Als sich in der Schweiz der mutmaßliche Kinderschänder Hans Urs von Aesch erschießt, wird gemutmaßt, er könne nicht nur etwas mit der verschwundenen Ylenia zu tun haben, sondern auch mit Madeleine.

Am 6. August gibt die Polizei bekannt, mit Hilfe von Leichenspürhunden im Ferienapartment der McCanns auf Blutspuren gestoßen zu sein. Die Spekulationen über die Verwicklung der Eltern oder Bekannter der Familie in den Fall werden lauter.

Den Tränen nahe erklärt Kate McCann in einem Interview: "Die Polizei hat uns immer wieder versichert, dass sie nach einem lebenden Kind sucht."

Dann wird am 16. August bekannt, dass das Blut im Apartment in Praia da Luz nicht von Madeleine stammt. Trotzdem glaubt die Polizei nicht mehr daran, das Mädchen lebend wiederzufinden.

Nie zuvor habe es am Ort eines Verbrechens so viele Hinweise gegeben, geben die Ermittler bekannt. Der Brite Robert M. bleibt vorerst der einzige Verdächtige in dem verworrenen Fall.

Am 11. August sind es 100 Tage, seit Madeleine unter mysteriösen Umständen aus ihrem Bett verschwand.

Die McCanns denken inzwischen darüber nach, Portugal zu verlassen und wieder in ihre Heimat, nach Leicestershire, zurückzukehren.

"Mir fällt die Vorstellung schwer, dass wir als Familie mit fünf Mitgliedern hierher kamen und nur noch zu viert abreisen", sagte Kate McCann 105 Tage nach dem Verschwinden ihrer Ältesten.

Am 6. September wird Madeleines Mutter zu einer erneuten Befragung ins Polizeipräsidium zitiert. Britische Ermittler haben im Leihwagen der McCanns DNA-Spuren von Madeleine nachgewiesen. Allerdings wurde das Auto erst drei Wochen nach ihrem Verschwinden angemietet.

Kate McCann wird elf Stunden verhört. Erst am frühen Morgen des nächsten Tages verlässt sie die Wache.

Ihr Anwalt Carlos Pinto de Abreu hält zunächst an der Auskunft fest, seine Mandantin werde als Zeugin befragt. Doch noch am 7. September erklären die Ermittler die Eltern zu Verdächtigen. Nach portugiesischem Recht können sie nun die Aussage verweigern.

Am 7. September werden die Vernehmungen beider Eltern fortgesetzt. Medien berichten, die Polizei verdächtige die Eltern, ihre Tochter unabsichtlich mit Beruhigungsmitteln getötet zu haben. Doch ohne Leiche fehlt der wichtigste Beweis.

Am 9. September kehren die McCanns in ihr Haus in Rothley in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire zurück. Verwandte und Freunde halten die Vorwürfe für "irrsinnig".

Britische Medien werfen den portugiesischen Ermittlern vor, mit den Verdächtigungen ihr Versagen vertuschen zu wollen. Entgegen erster Gerüchte sind die McCanns nicht heimlich geflüchtet. Die Ermittler in Portugal haben sie ohne Kaution gehen lassen.

Der Fall Madeleine wird an die Staatsanwaltschaft übergeben. Eine Anklage wegen Totschlags wird nicht erhoben. Den McCanns wird lediglich vorgeworfen, die Leiche ihrer Tochter beiseite geschafft zu haben. Das Verbergen einer Leiche ist ein minderschweres Delikt.

Die McCanns meiden die Öffentlichkeit, der Verdacht lässt sich nicht abschütteln. Den kleinen Zwillingen gehe es gut, sagen Freunde und Verwandte. Madeleine bleibt verschwunden. (Alle Bilder AP, dpa)

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