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Knut weckt in den Menschen uralte Instinkte. Nein, hier ist nicht die Rede ...
... von kindlicher Liebe zu kuscheligen Eisbären, sondern von ...
... Gier.
Gier nach Geld, ...
... nach viel Geld, ...
... nach noch mehr Geld.
Vor Knut macht niemand halt.
Skrupellos wird der kleine Eisbär vermarktet.
Stofftiere, ...
... noch mehr Stofftiere, ...
... wirklich viele Stofftiere werden verkauft.
T-Shirts auch.
Selbst die amerikanische Zeitschrift "Vanity Fair" setzt Knut auf ihren Titel - zusammen mit Leonardo DiCaprio, beide fotografiert von Annie Leibovitz (der Bär im Berliner Zoo, der Schauspieler auf einem isländischen Gletscher).
Natürlich wird auch ein Kind in die Vermarktungsmaschinerie geworfen. Die neun Jahre alte Kitty aus Berlin-Köpenick nimmt das Lied "Knut der kleine Eisbär" auf. Wem jetzt nicht schlecht wird, der hat kein Herz.
Doch, wir müssen es gestehen, auch wir sind nicht frei von Schuld.
Die Zoos in anderen Städten versuchen, sich ein Stück vom Knut-Kuchen abzuschneiden. Der Hamburger Tierpark Hagenbeck präsentiert ein erst wenige Stunden altes Elefantenbaby, ...
... der Zoo von Duisburg kann immerhin auf einen kleinen Rötelpelikan verweisen.
Aber was ist das schon gegen Knut?
Nichts. Da steht der Heidelberger Zoo schon besser da: Der nennt nicht nur ein Damara-Zebra-Fohlen, sondern auch einen kleinen Poitou-Esel sein Eigen.
Weiter geht's nach Magdeburg. Dort wird der verblüfften Öffentlichkeit ein Erdmännchenbaby präsentiert. Es heißt Pietsch und schämt sich ganz offensichtlich, so schamlos ausgebeutet zu werden.
Pietsch hat übrigens noch einen Kumpel, Elmo, der hier nicht unterschlagen werden soll. Beide wurden - wie Knut, wie süß! - von ihrer Mutter verstoßen.
Da tut das Bild einer mehr oder weniger intakten Familie wohl. Es ist der Dessauer Zoo, der hier sehr stolz ein drei Wochen altes Katta-Baby zeigt (mit Mutter Trixi und Tante Flumi).
Auch der Zoo Neuwied springt auf den Zug auf und weist darauf hin, dass er ebenfalls ganz schön viele süße Tierchen hat. Zum Beispiel ein Hirschziegenantilopenbaby, ...
... ein süüüüüüßes Kängurubaby ...
... und ein ganz entzückendes Berberlöwenbaby. Wirklich sehr süß, diese kleinen Trittbrettfahrer. Aber Kasse gemacht wird anderswo, ...
... nämlich hier.
In Frankfurt am Main gibt es derweil das Giraffenbaby Nuru, ...
... in Erfurt das Nashornbaby Tuli.
Nur der Münsteraner Allwetterzoo verzichtet selbstlos auf seine Trauerschwänin Petra. Die wurde zum Frühlingsbeginn pressewirksam auf den Aasee gebracht.
Die Krönung allerdings gelingt dem Hannoveraner Zoo. Der versucht kurz vor Ostern, mit ein paar lächerlichen Küken ...
... und einem ordinären Plastik-Orca zu punkten.
Einen ganz besonderen Trick hat sich der Gelsenkirchener Zoo überlegt. Möglicherweise hatte man dort gerade keine Jungtiere im Angebot, möglicherweise ist man in Gelsenkirchen allerdings auch bloß schlauer als in Neuwied, Frankfurt und Hannover.
Wie dem auch sei: Die "Zoom-Erlebniswelt" hat sich bei den Berliner Kollegen schon mal um Knut beworben. Die Gelsenkirchener wollen Knut im Gehege ihrer zwei Jahre alten Eisbärin Lara unterbringen.
"Es wäre ein hoffnungsvolles Zuchtpaar", sagt der zoologische Leiter des Gelsenkirchener Zoos, Frank Ahrens. Eine nette PR-Idee, ...
... aber der Berliner Zoo will die kleine Geldmaschine vorerst nicht rausrücken: "Knut wächst hier auf und bleibt erstmal in Berlin", sagt der Bärenexperte im Berliner Zoo, Heiner Klös.
Der Knut-Hype ist nicht auf Deutschland beschränkt. Der Korkeasaari-Zoo von Helsinki hat ein gestrandetes Seehundbaby zu Ehren des Berliner Eisbären auf den Namen "Knut" getauft.
Der Start des etwa drei Wochen alten Seehundes ins Leben sei wohl "mindestens genauso hart" gewesen wie der des kleinen Berliners, assistiert die finnische Zeitung "Hufvudstadsbladet".
Im Gegensatz zum deutschen Knut bleibt dem Seehundbaby aber das hospitalisierende Zoo-Leben erspart. Knut II. soll wieder ausgewildert werden.
Natürlich soll Knut auch das Klima retten. Nicht nur Umweltminister Gabriel und die "Bild"-Zeitung, ...
... auch Greenpeace entdeckt Knut als Klima-Botschafter.
Ein Ende der Knuteritis ist nicht in Sicht. Sicherheitsleute müssen die Menschenmassen vor dem Bärengehege bändigen. Und wem haben wir das zu verdanken?
Regina Halmich.
Hätte sie nicht den Kampf gegen Stefan Raab gewonnen, hätte dieser dem Knut-Fieber ein Ende gesetzt.
"Wenn ich mit Regina Halmich fertig bin, fahre ich nach Berlin und verprügele Knut den Eisbär", hatte Raab beim Wiegen vor der Begegnung gesagt. Daraus wurde bekanntlich nichts. Raab bezog gewissermaßen die Dresche, ...
... die er Knut zugedacht hatte.
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