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"Wir haben 15 Autos abgefackelt. Wie viele sind's bei Euch?" Wie in einem Städtewettbewerb wetteifern Kids aus französischen Sozialsiedlungen miteinander, wer in der Nacht die meisten Brandsätze geworfen hat.
In Frankreich herrscht weiterhin Ausnahmezustand.
Die Nacht zum Samstag war die 16. in Folge mit schweren Ausschreitungen - allen Notstandsmaßnahmen zum Trotz.
Randale wird beinahe zum "Trendsport".
Die verhasste nationale Bereitschaftspolizei CRS, in Kampfausrüstung in den Pariser Vororten angerückt, antwortet mit Gummigeschossen und Tränengas.
Die Jugendlichen liefern sich mit der Polizei Straßenschlachten - Polizisten und Feuerwehrleute werden mit Steinen beworfen und angeschossen.
Die Krawalle, die in Clichy-sous-Bois ihren Ausgang genommen hatten, weiteten sich inzwischen längst auf andere Viertel wie Aulnay-sous-Bois, Villiers-le-Bel, Chelles, Nanterre oder Mantes-la-Jolie aus. In der Nacht zum Sonntag war erstmals auch das Zentrum von Paris betroffen.
Mittlerweile entladen sich die Spannungen auch in zahlreichen kleineren Städten wie Toulose, Nizza, Straßburg, Rennes und Rouen.
Losgetreten wurden die Gewaltwelle durch den Tod zweier Jugendlicher. Sie sollen auf der Flucht vor der Polizei ums Leben gekommen sein.
"Wir machen hier jede Nacht Bagdad", sagt ein Vermummter in Sevran bei Paris.
In Le Bourget wird ein Warenlager niedergebrannt.
In Aulnay-sous-Bois liegt ein Teppich-Großhandel in Schutt und Asche.
Busse brennen aus,
Anwohner müssen evakuiert werden.
In den "sensiblen" Vierteln wird die Polizeipräsenz als Schikane empfunden.
"Die Polizei nimmt keinerlei Rücksicht auf unsere Kinder, wohl weil hier in der Gegend alle schwarz sind oder Araber", entrüstet sich eine Haushälterin in Clichy-sous-Bois. "Das ist doch Rassismus. Wir verurteilen die Gewalt, verstehen aber, dass es sie gibt."
Viele in Clichy-sous-Bois haben Innenminister Sarkozy (r.) im Visier. Er will nationale Polizei bei ihnen stationieren.
Sarkozy bezeichnete die randalierenden Jugendlichen wiederholt als "Abschaum".
Er liebt markige Worte: "Wir sind dafür, dieses Krebsgeschwür (urbaner Gewalt) auszumerzen, wir werden uns dieses Gesindels entledigen."
"Die jungen Leute haben es in diesen schwierigen Vierteln hundert Mal mehr mit einem Polizisten als mit einem Lehrer zu tun", erklärt Soziologin Esterle-Hedibel.
Hohe Arbeitslosigkeit und kaum Bildung, dazu sozial und ethnisch bedingte Diskriminierung und Ghettobildung - "da reicht ein Funken, und das ganze Pulverfass geht in die Luft", so die Soziologin.
Bewohner von Aulnay-sous-Bois schlossen sich bereits zu einem Schweigemarsch zusammen.
Sie protestierten gegen die Ausschreitungen und lobten den Mut der Feuerwehr.
In Frankreich sieht man angespannt der nächsten Nacht entgegen.
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