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Virginia April 2007: Nach dem Amok ist vor dem Amok

 
Fahnen auf Halbmast,...

Fahnen auf Halbmast,...

...traurige,...

...ratlose und...

...verzweifelte Menschen.

Blumen und Abschiedsbriefe werden abgelegt,...

...Kerzen angezündet,...

...Antworten gesucht.

Ein Amokläufer hat an der Technischen Hochschule von Virginia 33 Menschen ermordet.

Zuerst schießt er in einem Studentenheim um sich,...

...etwas später in einem Fakultätsgebäude. Zum Schluss richtet er sich selbst.

"Das ist eine...

...Tragödie von monumentalen Ausmaßen", sagt der...

...Direktor der Hochschule.

Die Nation sei erschüttert und in Trauer versetzt, sagt Präsident George W. Bush.

Wieder mal, möchte man fast hinzufügen. Ein Bild aus dem Jahr 1999.

Dylan Klebold, 17 Jahre alt, und...

...Eric Harris, 18 Jahre alt, verwandeln sich...

...in kaltblütige...

...Massenmörder und...

...richten an der Columbine High-School in Littleton 13 Menschen hin, verletzen 24 weitere.

Auch sie töten sich am Ende selbst. Sie waren zwei Mitglieder der "Trenchcoat-Mafia". Leitgedanke: Nicht zur Masse gehören, zur amerikanischen Mainstream-Gesellschaft, zu den durchtrainierten Baseball-Jungs.

In Deutschland weckt das jüngste Massaker Erinnerungen an den Amoklauf in Erfurt.

Am 26. April 2002 hatte der damals 19-jährige Robert Steinhäuser an seiner ehemaligen Schule 14 Lehrer und zwei Schüler erschossen.

Noch immer leiden viele der Schüler unter posttraumatischen Störungen, können...

...die Bilder nicht vergessen.

Auch in Emsdetten gelingt das nicht.

Im November schießt ein 18-Jähriger an der Geschwister-Scholl-Schule um sich. Sein Internet Name: ResistantX. Fünf Menschen werden verletzt.

Amokläufe an Schulen sind kein Phänomen der letzten zehn Jahre. Vor allem nicht in den USA. In Texas tötet der...

...Architekturstudent Charles Whitman im August 1966 an der Universität von Texas 17 Menschen und verletzt 66 weitere. Sein Tatmotiv: dem Vater Schande machen.

Die Täter hinterlassen Rätsel, die meisten Fragen können nicht geklärt werden.

Hier hasserfülltes Gekritzel der Littleton-Täter.

Wirr, brutal und voller Menschenverachtung. Experten sagen, hinter den Taten verbergen sich unbewältigte psychische Konflikte; Angst, Eifersucht, Scham oder Demütigung seien oft lange aufgestaut gewesen. Es entwickelten sich Rachegedanken.

In Abschiedsbriefen wird das manchmal deutlich. "Wenn man weiß, dass man in seinem Leben nicht mehr glücklich werden kann, und sich von Tag zu Tag die Gründe dafür häufen, dann bleibt einem nichts anderes übrig als aus diesem Leben zu verschwinden."

"Und dafür habe ich mich entschieden", hinterließ der Täter von Emsdetten auf seiner Homepage. Dazu: Hasstiraden auf die Schule, auf das System, die Gesellschaft.

Andere Experten denken kürzer: Nach jeder Tat wiederholen sich stereotyp die Ideen, woran es gelegen haben könnte. So genannte "Killerspiele" geraten dann schnell ins Visier.

Doch solche Erklärungen erscheinen sehr einfach, verdrängen jeglichen Grund, der in der Gesellschaft selbst liegen könnte.

Ein Blick nach Amerika, auf eine der zahlreichen Waffenmessen. Eine Mutter mit ihren Kindern und einer Pistole. Normal? Ja, normal in den USA.

Freiheit - mit der Waffe verteidigen. Eine Leitidee.

Notfalls auch im eigenen Garten.

Jährlich werden in den USA 350.000 Verbrechen mit Schusswaffen begangen, mehr als 11.000 Menschen werden getötet. Mordrate pro 100.000 Einwohner: 3,8 Prozent. Weit über dem Durchschnitt vergleichbarer Länder.

Insgesamt gibt es mehr als 200 Millionen Pistolen und Gewehre in US-Privatbesitz, das Arsenal wächst jährlich um weitere acht Millionen.

Die Waffengesetze, nach Littleton "verschärft": Nur 1,6 Prozent aller Kaufgesuche wurden im Jahr 2005 abgelehnt.

In Virginia, dem Ort des jüngsten Massakers, dürfen Waffen offen getragen werden. Es gilt das "Recht des Volkes, Waffen zu tragen".

Bill Clinton ist nach Littleton ganz offensichtlich damit gescheitert, die Waffengesetze hinreichend zu verschärfen.

George W. Bush versucht es gar nicht erst. Und wie...

...Vizepräsident Dick Cheney weiß er auch warum.

Amerikanische Waffenträger sind organisiert in der NRA, der National Rifle Association. Ihr ehemaliger Vorsitzender: Schauspieler Charlton Heston. Der politische Einfluss ist groß, die Mitgliederzahl liegt bei 4,2 Millionen.

Das sind 4,2 Millionen Wähler. Und: Die Waffenindustrie ist ein wirtschaftlicher Stützpfeiler, half den USA aus der großen Wirtschaftskrise.

Wieder wird es Protest geben,...

...wieder wird die Anti-Waffen-Lobby Sturm laufen.

Und wieder muss befürchtet werden, dass nach dem Amoklauf vor dem Amoklauf ist. (Alle Bilder: dpa, AP / Text: Jochen Müter)

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