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Deutschlandbesuch im September 2006: Papst Benedikt XVI.

 
Bayern im Papst-Fieber: Benedikt XVI. besuchte im September 2006 seine Heimat.

Bayern im Papst-Fieber: Benedikt XVI. besuchte im September 2006 seine Heimat.

München, Altötting, Marktl am Inn, Regensburg und Freising waren die Stationen des 79-jährigen Oberhaupts der katholischen Kirche.

Der Mann aus Rom mutete sich dabei einiges zu. 17 Termine in fünf Tagen, allein sechs Messen und Gottesdienste, Treffen mit Gläubigen, Ansprachen an der Universität Regensburg und vor Priestern in Freising.

Bei seinem Besuch in Bayern gönnte sich Joseph Ratzinger keine Ruhe.

Wie schon nach seiner Wahl zum Papst am 19. April 2005 beherrschte Benedikt XVI. die Schlagzeilen der deutschen und internationalen Presse. Das lenkt den Blick zurück zu Benedikts Wurzeln.

Joseph Ratzinger (links) wurde am 16. April 1927 an einem Karsamstag in Marktl am Inn geboren. Sein Vater Josef (1877-1959) war Gendarmeriemeister und seine Mutter Maria Köchin. Mit auf dem Bild von 1938 sein Bruder Georg und seine Schwester Maria.

Noch am Morgen seines Geburtstages wurde der kleine Joseph mit dem geweihten Osterwasser getauft. "Dass mein Leben so von Anfang an ins Ostergeheimnis eingetaucht war, hat mich immer mit Dankbarkeit erfüllt", schrieb Ratzinger in seinen Erinnerungen. Dieses Familienfoto stammt aus dem Jahre 1951.

Joseph Ratzingers Geburtshaus in Marktl am Inn. Eltern und Geschwister berichteten ihm von tiefem Schnee und klirrender Kälte an seinem Geburtstag.

Das Umfeld, in dem Ratzinger aufwuchs, war tief religiös. Er sprach mit großer Hochachtung von seinen Eltern. "Auf Mutter ruhte die Last der Hausarbeit", schrieb er. Maria Ratzinger starb 1963. Sie wurde 79 Jahre alt.

Foto von Ratzingers älterer Schwester aus einer Todesanzeige.

Joseph Ratzinger mit seinem Bruder Georg im Gurktal vor der Strassburg auf einem undatierten Archivbild. Georg Ratzinger wurde später Domkapellmeister am Regensburger Dom und "Chef" der Regensburger Domspatzen.

1939 trat Joseph Ratzinger ins erzbischöfliche Knabenseminar St. Michael in Traunstein ein. Dort fiel der Einser-Schüler durch besonderen Ehrgeiz auf. Wie alle Seminaristen wurde er 14-jährig zwangweise in die Hitler-Jugend aufgenommen.

1943 wurde Ratzinger als Flakhelfer in München eingesetzt. "Ich musste jetzt ein sehr eigenartiges Internat auf mich nehmen", schrieb er in seinen Erinnerungen.

Das englische Boulevardblatt "Sun" schlachtete diese Fakten nach Ratzingers Wahl zum Papst aus.

Ratzinger überlebte den Krieg und studierte von 1946 bis 1951 Katholische Theologie und Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising. Joseph Ratzinger (rechts) und sein Bruder Georg ...

... wurden zusammen mit 42 anderen jungen Männern am 29. Juni 1951 in Freising zu Priestern geweiht, die Primizfeier fand am 8. Juli statt..

Mit gerade einmal 30 Jahren begann Joseph Ratzinger in Freising, Dogmatik zu lehren. Dann erhielt er einen Ruf nach Bonn, wo er von 1959 bis 1963 Ordinarius für Fundamentaltheologie war. Ratzinger galt als fortschrittlicher Theologe.

Seine Liebe gehört der Wissenschaft; er war Professor mit Leib und Seele. Nach einer Station in Münster folgte die Lehrtätigkeit in Tübingen. Dort geriet Ratzinger 1968 in die Studentenunruhen. 1969 zog er sich nach Bayern zurück und arbeitete an der Universität Regensburg.

In seinem Werk "Einführung in das Christentum" kritisierte der mittlerweile 41-Jährige im Jahre 1968, dass die katholische Kirche zu zentralistisch und zu stark von Rom kontrolliert sei.

Ein wichtiger Fakt in Ratzingers Biographie ist die Reise zum II. Vatikanischen Konzil im Jahre 1962.

Dieses war von Papst Johannes XXIII. einberufen worden, um Reformen in der katholischen Kirche einleiten zu können.

Ratzinger war Berater des Kölner Kardinals Joseph Frings. Am Ende der ersten Sitzungsperiode wurde er sogar zum offiziellen Konzilstheologen ernannt.

Nach Ende des Konzils 1965 - hier mit Papst Paul VI. - war Ratzinger in Kirchenkreisen bekannt.

Am 25. März 1977 ernannte ihn Paul VI. zum Erzbischof von München und Freising.

Am 28. Mai 1977 empfing Ratzinger die Bischofsweihe. Als Bischofs-Motto wählte er "Mitarbeiter der Wahrheit".

Den Abschied von der Hochschule nannte Ratzinger später eine schwierige Entscheidung: "Mit der Bischofsweihe beginnt auf dem Weg meines Lebens die Gegenwart."

Im Konsistorium vom 27. Juni 1977 kreierte Papst Paul VI. Erzbischof Joseph Ratzinger zum Kardinalpriester mit der Titelkirche "Santa Maria Consolatrice al Tiburtino".

1978 nahm der Münchner Erzbischof an zwei Papstwahlen teil. Am 26. August begann Johannes Paul I. sein sehr kurzes Pontifikat. Er starb bereits am 28. September.

Am 17. Oktober 1978 wurde der Pole Karol Wojtyla zum Papst gewählt. Er gab sich den Namen Johannes Paul II.

Unter dem neuen Kirchenoberhaupt wuchs der Einfluss von Joseph Kardinal Ratzinger.

1980 war er Referent in der 5. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode zum Thema "Die Sendung der christlichen Familie in der Welt von heute".

Danach folgte der Ruf aus Rom. Johannes Paul II. ernannte Kardinal Ratzinger am 25. November 1981 zum Präfekten der Glaubenskongregation und zum Präsidenten der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission.

Am 15. Februar 1982 verzichtete Ratzinger auf die Leitung der Erzdiözese München und Freising und ging für immer nach Rom.

Am 28. Februar 1982 wurde der Kardinal feierlich nach Rom verabschiedet. Unvergessen ist die launige Rede, ...

... die der damalige bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß aus diesem Anlass hielt.

Unterdessen festigte sich in Deutschland das Bild von Ratzinger als konservativem "Panzerkardinal".

Er wandte sich gegen die vor allem in Lateinamerika tätigen Befreiungstheologen. Zu ihnen gehörte der Bischof von San Cristobal de las Casas im mexikanischen Bundesstaat Chiapas, Samuel Ruiz Garcia.

Später erzwang er den Ausstieg der deutschen katholischen Kirche aus der Schwangeren-Konfliktberatung. Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und künstliche Formen der Empfängnisverhütung lehnt Ratzinger ab.

Er scheute dabei keine theologische Auseinandersetzung mit einigen deutschen Bischöfen (auf dem Foto mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Karl Kardinal Lehmann).

Ratzinger befand sich dabei in völliger Übereinstimmung mit Papst Johannes Paul II.

Und der Kardinal schrieb viele Bücher. In "Salz der Erde" nimmt er umfassend Stellung zu den dringendsten Problemen der Kirche und der Gläubigen in der heutigen Zeit.

Eine Welt, in der die "Gottesfrage ausgeklammert" ist, eine Welt ohne Glauben ...

... und ohne religiöse Dimension - das ist die Schreckensvision, die den Kirchenmann aus Bayern umtreibt.

Ratzingers Erinnerungen erscheinen 1997. Hier erzählt er freimütig aus seinem Leben. Ratzingers Publikationsliste umfasst mehr als 600 Titel.

Eigentlich wollte Joseph Ratzinger weiter Kardinal bleiben, ...

... Vorträge zu wichtigen theologischen Fragen halten ...

... und publizieren. Doch es sollte anders kommen.

Am 2. April 2005 starb Papst Johannes Paul II. nach langer, schwerer Krankheit. Das Pontifikat des 84-Jährigen umfasst einen Zeitraum von mehr als 26 Jahren.

Papst Johannes Paul II. hatte Joseph Ratzinger Jahre zuvor in den Rang eines Kardinal-Bischofs erhoben.

Hunderte Millionen Menschen fragten sich: Wer wird der Nachfolger dieses konservativen, aber dennoch sehr populären Papstes?

Immer wieder wurde Joseph Ratzinger genannt. Doch der Bayer war mittlerweile 78 Jahre alt, denkbar schlechte Voraussetzungen für ein langes Pontifikat.

Ratzinger leitete die Trauerfeierlichkeiten für Johannes Paul II.

Er segnete den Sarg des verstorbenen Papstes mit Weihrauch.

Hunderttausende verfolgten auf dem Petersplatz in Rom die Trauerzeremonie.

Am 18. April trat das Kardinalskollegium zur Wahl eines neuen Papstes zusammen. Hier die Kardinäle während der Messe vor der Wahl in der Sankt-Peter-Basilika.

Blick in die Sixtinische Kapelle. Dort fand die Wahl des neuen Kirchenoberhaupts statt.

Am 19. April 2005 war es soweit; weißer Rauch stieg auf. Der Nachfolger von Johannes Paul II. war gefunden worden. Nur vier Wahlgänge waren notwendig.

"Habemus Papam": Die Gläubigen jubelten auf dem Petersplatz.

Joseph Ratzinger betritt schüchtern den Balkon. Der Kelch ist nicht an ihm vorübergegangen. Er ist der neue Papst.

Er nennt sich Benedikt XVI. Nach mehr als 500 Jahren gibt es wieder einen deutschen Papst.

Am 24. April 2005 wird das neue Oberhaupt der katholischen Kirche auf dem Petersplatz in sein Amt eingeführt.

Benedikt wird bis zu seinem Lebensende auf dem Stuhl Petri sitzen. Die neue Aufgabe wird den zerbrechlich wirkenden Mann voll fordern.

Besonders stolz zeigen sich an diesem Tag der deutsche Bundeskanzler und der bayerische Ministerpräsident.

Auch Ratzingers Bruder Georg war nach Rom gekommen. Er hatte in einem Interview die Sorge geäußert, dass der neue Papst die großen Mühen des Amtes gesundheitlich nicht durchstehen könnte

Revolutionäre Neuerungen gehen vom Papst aus Bayern in den ersten 14 Monaten seiner Amtszeit nicht aus. Er sucht den Dialog und trifft sich unter anderem mit dem Kirchenkritiker Hans Küng.

Seine erste Reise führt ihn im August 2005 zum Weltjugendtag nach Köln. Eigentlich wollte er sich - anders als sein Vorgänger - mit dem Reisen zurückhalten.

Doch mittlerweile kann der schüchterne Mann ...

... das Bad in der Menge auch genießen.

Großer Jubel vor dem Kölner Dom. Benedikt kam in diesen Tagen ...

... bei den jungen Gläubigen sehr gut an.

Legendär sind die Bilder von der Schifffahrt des Papstes auf dem Rhein.

Zehntausende Menschen säumten das Ufer und jubelten dem Pontifex zu.

Gerade in Deutschland will Benedikt seine Botschaft an die Menschen bringen - gerade weil Deutschland in Glaubensfragen doch ein "schwieriges Land" ist.

Auch Begegnungen mit Spitzenpolitikern gehören zum Programm des Papstes. Hier ein Treffen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und dessen Frau Doris.

Auch Schröders Nachfolgerin Angela Merkel und ihr Mann Joachim Sauer genossen sichtlich die Gesellschaft des Papstes.

"Glauben ist schwierig geworden", sagte Benedikt in einem Fernsehinterview. Es gebe eine "Kälte gegenüber Gott".

Trotzdem ist Benedikt sicher: Das Christentum "ist aber nicht für die Mottenkiste bestimmt".

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