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Meisterwerke der islamischen Kunst : Schätze des Aga Khan Museums

 
Meisterwerke der islamischen Kunst : Schätze des Aga Khan Museums

Debatten über islamistischen Terrorismus oder eine befürchtete Islamisierung Europas verdecken oft die Auseinandersetzung mit Vielfalt und Geschichte des Islam. Dabei blickt er auf eine mehr als 1400-jährige Kulturgeschichte zurück.

Zudem ist der Islam, und damit auch seine Kunst und Kultur, von unterschiedlichsten Einflüssen, aber auch sehr verschiedenen Entwicklungen geprägt, die im Westen nur wenig bekannt sind. (Gayumars Hof, Ausschnitt, ca. 1522-1525)

Diese reiche und vielfältige Kultur in einer Ausstellung zu fassen, gelingt äußerst selten. (Handschrift des 5. Buches des "Kanon der Medizin" des Avicenna (Ibn Sina), 1052)

Vom 17. März bis zum 6. Juni präsentiert der Berliner Martin-Gropius-Bau nun den Kern einer der größten und wertvollsten Sammlungen islamischer Kunst: die Schätze des Aga Khan Museums, das sich im Bau befindet und 2013 in Toronto eröffnet werden soll. (Kastanienblatt mit kalligraphischer Komposition, Osmanisches Reich, 19. Jahrhundert)

Karim Aga Khan ist der vierte Träger des Titels, der seinen Vorfahren ursprünglich vom persischen Schah verliehen und später von den britischen Besatzern bestätigt wurde. Seitdem wird er weitervererbt.

Der Aga Khan ist der Imam, also das geistige Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft der Nizari-Ismailiten.

Er gilt seinen weltweit etwa 20 Millionen Anhängern als direkter Nachfahre des Propheten Mohammed und nimmt als dessen Nachfolger den Rang eines Kalifen ein.

Der derzeitige Aga Khan nahm nicht nur an den Olympischen Winterspielen 1964 teil, sondern widmet sich heute aufgrund seiner Stellung und seines Vermögens auch zahlreichen wohltätigen Aktivitäten, zum Beispiel in Afghanistan.

Dazu zählt sicher auch seine Kulturstiftung, aus deren Sammlung der Gropius-Bau etwa 200 Werke präsentiert. Zu den Ausstellungsstücken gehören äußerst wertvolle Koranblätter, wie dieses Doppelblatt aus dem "Blauen Koran" aus dem 9. und 10. Jahrhundert.

Auch Seiten des persischen Heldenepos "Shahnama", dem "Buch der Könige" des Dichters Firdawsi werden präsentiert. (Die Geschichte von Haftwad und dem Wurm, Iran, ca. 1540)

Doch auch im Kunsthandwerk entwickelte die islamische Welt eine große Fertigkeit und Kreativität. (Teller mit Löwe, Türkei, zweite Hälfte 16. Jahrhunderts)

In den Wissenschaften waren die islamischen Astronomen, Mediziner und andere Forscher ihren europäischen Kollegen sogar lange Zeit voraus. (Silbertauschiertes Messing-Astrolabium, Spanien, 14. Jahrhundert)

Die Ausstellung gestattet so einen weiten Blick in die Blüte von islamischer Kunst, Handwerk und Wissenschaft, vom 8. bis zum 18. Jahrhundert. Deutlich werden vor allem die vielfältigen kulturellen Einflüsse: arabische Elemente mischen sich mit persischen, kurdischen, mongolischen, afrikanischen, chinesischen, indischen, europäischen und vielen weiteren. (Drachenkelch mit Edelsteinschale, Mogulindisch, 16. – 17. Jahrhundert)

Thematisch teilt sich die Ausstellung einerseits in den Bereich "Das Wort Gottes", in dem Koranillustrationen und Objekte von Pilgerfahrten präsentiert werden. (Hadith-Handschrift, Kopist: Ahmad an-Nairizi, Iran, 1717/8)

Andererseits werden in "Die Route der Reisenden" die verschiedenen Gebiete islamischer Herrschaft gezeigt. (Mongolisches Gewand, Iran oder Zentralasien, 13. - 14. Jahrhundert)

Ein weiterer Ausstellungsteil ist dem Dichter Firdawsi (940/41-1020) gewidmet, der mit dem persischen "Buch der Könige" eines der berühmtesten Werke persischer Literatur vorlegte. (Ausschnitt aus Die Geschichte von Haftwad und dem Wurm, Iran, ca. 1540)

Die Vielfalt der Stile, ihre gegenseitige Durchdringung und Verschmelzung bilden die hauptsächliche Faszination islamischer Kunst. Anhand ihrer Geschichte kann man die islamischen Eroberungen nachvollziehen, aber auch ganz unterschiedliche Entwicklungslinien kennenlernen. (Smaragdgrüne Flasche mit Löwenbändiger, Iran, frühes 17. Jahrhundert)

Karim Aga Khan geht es bei der Präsentation seiner Sammlung deshalb auch darum, eine Wissenslücke zu schließen, "die sich gegenwärtig in vielen westlichen Demokratien in besonders bedenklicher Weise durch eine weit verbreitete Grundhaltung gegenüber muslimischen Gesellschaften und Ländern zeigt".

Die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau sieht er deshalb als "eine Ergänzung, eine zusätzliche Entdeckung für die Berliner Republik". Sie soll "die Aufmerksamkeit auf die Fülle, Mannigfaltigkeit, geographische Vielfalt und die künstlerischen Errungenschaften der islamischen Kultur lenken". (Räuchergefäß in Form einer Taube, Islamischer Mittelmeerraum, 11.-12. Jahrhundert)

Denn statt eines "Clash of Civilisations" gebe es einen "Kampf der Unwissenheit auf beiden Seiten", so der vierte Aga Khan. (Text: Markus Lippold, Bilder: Aga Khan Trust for Culture, Geneva, Switzerland / AP / dpa)

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