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Panorama

Erdriss nach Bohrung: Schlamm-Katastrophe auf Java

 
Eine heiße und stinkende Schlamm- und Schlickmasse hat nahe der indonesischen Stadt Surabaya auf der Insel Java bereits mehrere Dörfer verschluckt und Tausende Menschen in die Flucht getrieben.

Eine heiße und stinkende Schlamm- und Schlickmasse hat nahe der indonesischen Stadt Surabaya auf der Insel Java bereits mehrere Dörfer verschluckt und Tausende Menschen in die Flucht getrieben.

Als Verursacher gilt die Firma Lapindo Brantas. Sie ist Bestandteil des Konzerns PT Energi Mega Persada, der zum Teil der Familie des indonesischen Sozialministers Aburizal Bakrie gehört.

Die Firma hatte im Mai in der Nähe der Ortschaft Sidoarjo nach Gas gebohrt. Dabei entstand vermutlich in mehreren tausend Metern Tiefe ein Erdriss.

Bakrie hat endlich Verantwortung für das Desaster übernommen. Die Regierung in Jakarta erklärte das Gebiet erst im August zur Katastrophenzone.

Luftbilder zeigen das verheerende Ausmaß der Umweltkatastrophe.

Viele Gegenden sind nur noch mit Booten zu erreichen. Tausende von Häusern, Felder und Straßen sind unter dem Schlamm begraben worden.

Viele Menschen konnten sich erst in letzter Sekunde retten.

Sie verloren ihr Hab und Gut. Umfassende staatliche Hilfe ist nicht zu erwarten.

Dieser Mann sammelt am Fluss Porong tote Fische auf. Der Schlamm dringt - durch vulkanische Kräfte gespeist - an die Erdoberfläche.

"Die Jagd nach Öl- und Gasreserven wird immer risikoreicher", sagt Greenpeace-Geologin Gabriela von Goerne.

"Was in Indonesien geschehen ist, kommt dem Versuch gleich, mit einer Nadel in einen Luftballon zu stechen und zu hoffen, dass der nicht platzt."

Diese Menschen hatten Glück im Unglück.

Hier evakuieren Rettungskräfte einen Jungen aus einem verschütteten Haus.

Andere Menschen hatten nicht so viel Glück.

Es werden noch mehr Opfer der Gasexplosion vermutet.

Ihre Bergung erweist sich als schwierig, weil noch immer heißer Schlamm aus dem ehemaligen Bohrloch fließt.

Aktuelle Greenpeace-Analysen des Schlamms haben ergeben, dass die Masse zwar nicht giftig ist, aber die Mengen das Überleben in der Region gefährden.

Der Kampf gegen die Schlammmassen ist fast aussichtslos. Es wurden Dämme und Deiche gebaut. Doch hält jede Barriere der Schlammwalze nur für kurze Zeit stand.

Zudem drohen die Dämme durch den einsetzenden Monsunregen aufzuweichen und zu brechen.

Wie lange noch heißer Schlamm aus dem ehemaligen Bohrloch fließen wird, ist völlig unklar. Nach Schätzungen von Geologen kann der Ausstoß vier bis 14 Jahre lang anhalten.

Dementsprechend haben die Menschen in dieser Region keine Zukunft mehr.

"Nichts wie weg" ist für viele die Devise. "Wenn es hier nicht sicher ist, ziehen wir weiter, ich weiß bloß nicht, wohin", sagte ein Bauer.

Lapindo Brantas hat den Betroffenen eine monatliche Zahlung von lächerlichen 300.000 Rupiah (25,05 Euro) in Aussicht gestellt.

Rückstellungen von 6,9 Milliarden Rupiah für landwirtschaftliche Ausfälle in den kommenden Jahren wurden gebildet.

Die Menschen sind wütend. Diese Hilfe ist völlig unzureichend.

Zahlreiche Kleinfirmen haben im Porong-Distrikt schon dicht gemacht, weil ihre Produktionsstätten im Schlamm versanken.

In der unwirklichen Mondlandschaft ist kein Lebenszeichen mehr zu entdecken.

Hier und da ragen noch Baumäste aus der Schlammwüste. Ab und zu entdeckt man ein Dach, das bis zum First versunken ist.

In dem Katastrophengebiet herrscht Schwefelgestank. Viele Menschen klagen über Ausschlag und Kopfschmerzen.

Noch ist unklar, ob der Schlammstrom überhaupt gestoppt werden kann.

Noch hat kein Geologe das Phänomen erklären oder einen Plan vorlegen können, um den Riss in der Erde zu stopfen.

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