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Sextypen: Tabulos wie noch nie

 
Sextypen: Tabulos wie noch nie

Wie lieben wir im Jahr 2010?

Matthias Horx ist Trendforscher und hat sich mit genau dieser Frage beschäftigt. Das Honorar für seinen Fleiß stellte ihm freundlicherweise ein bekannter Erotikkonzern zur Verfügung.

Wie Horx das Sexleben der Deutschen studierte, ist uns leider nicht bekannt - dafür überraschte er uns aber mit uuuuunglaublichen Ergebnissen.

So fand er zum Beispiel heraus, dass es heute nicht mehr so viele Tabus gibt wie noch in den 40er und 50er Jahren. Aber hallo, schon diese Erkenntnis ist das Geld wert, dass er für seine mühevolle wissenschaftliche Arbeit garantiert hat einstecken dürfen.

Und das ist ja noch lang nicht alles. Der bekannte Forscher hat in seiner Studie noch viel mehr ans Licht gebracht.

Horx fand heraus, dass die heutige Gesellschaft vor allem spaß- und erlebnisorientiert ist und Sex und Erotik ganz selbstverständliche Teile unseres Lebens geworden sind. Und man höre und staune: Für eine erfüllte Partnerschaft sei guter Sex ein Muss.

Sagen Sie jetzt bloß nicht, dass wussten Sie schon. Und wenn doch, seien Sie versichert: diese spektakulären Erkenntnisse waren nur ein kleines "Vorspiel".

Jetzt kommt's: Horx hat in seiner Forschungsarbeit sieben Sextypen ausgemacht und sie mit wundervollen Namen versehen.

Da wären die überinformierten Einsteiger. Das sind Teenager im Alter zwischen 14 und 20 Jahren. Diese Überinformierten wissen heute wesentlich früher und detaillierter über Sex Bescheid als jede Generation zuvor.

Die modernen Massenmedien, allen voran das Internet, haben maßgeblich zu diesem theoretischen Wissensvorsprung beigetragen.

Doch beim "ersten Mal" sind sie aufgrund ihrer praktischen Unerfahrenheit noch ebenso unsicher wie ihre Altersgenossen in den 60er und 70er Jahren, die Rat bei Dr. Sommer suchten.

Sie prahlen auf dem Schulhof von heißen "One Night Stands", fragen aber am Jugendtelefon oder im Chat, ob sie ihrer Traumfrau lieber eine SMS oder einen Brief schreiben sollen.

Heute wachsen die Jugendlichen zwischen Kondomwerbung und sexy Werbemotiven an der Bushaltestelle auf; in Musikvideos tanzen halbnackte Bikini-Girls um Hip-Hop-Ikonen herum.

In dieser medialen Welt hat Sex für Jugendliche nichts Verruchtes, Verbotenes mehr.

Dabei befinden sie sich erst am Anfang ihrer sexuellen Entwicklung. Laut einer Studie zur Jugendsexualität haben ein Viertel aller 17-jährigen Mädchen und ein Drittel der gleichaltrigen Jungen ihr "erstes Mal" noch vor sich.

Von der Zielgruppe (14- bis 20-Jährige) sind laut Horx 3,4 Millionen "überinformierte Einsteiger"!

Die Young Experimental Couples sind junge, sexuell neugierige und aktive Paare im Alter zwischen 20 und Anfang 30, gleichermaßen Hetero- wie Homosexuelle.

Vertrauen und Treue sind ihnen ebenso wichtig wie der Wunsch, gemeinsam Neues auszuprobieren.

Sex bedeutet für sie in erster Linie Spaß.

Sex wird zur Strategie und dient der bewussten Aufwertung des Liebeslebens und der Beziehungsqualität. Dabei legt die Innovationslust der Young Experimental Couples bei ihrem Liebesspiel immer stärker den Mantel des Diskreten ab.

Dafür verlassen sie sogar hin und wieder ihr bisheriges sexuelles Terrain, um sich gezielt neue Anregungen von außen zu holen: Die Table-Dance-Show kann ebenso zu den Exkursionszielen zählen wie eine Menage-a-trois oder der Besuch eines Swingerclubs.

Das Ausprobieren und Experimentieren, das Sammeln neuer Erfahrungen ist entscheidend für diese Erlebnisse. Erst dann wird ausgelotet, ob sie einem gefallen ...

... und ins eigene Liebesrepertoire aufgenommen werden.

So erklärt sich auch der Trend, dass immer mehr junge Paare nicht mehr nur die Betrachter-Perspektive einnehmen, sondern selbst aktiv werden möchten.

Nicht nur die Lust, sich selbst zu inszenieren, macht die jungen Paare an:

Mit der Möglichkeit, das eigene Liebesspiel übers Internet mit Gleichgesinnten zu teilen und neue Anregungen und Tips auszutauschen, gewinnt das Liebesleben eine neue Dimension. (Screenshot www.privatporno.com)

Vor allem sind es die selbstbewussten Frauen, die unter den "Young Experimental Couples" tonangebend sind.

Sie haben keine Hemmungen, ganz klar zu artikulieren, wenn sie beim Sex etwas Neues ausprobieren möchten.

Laut Horx sind bereits jetzt ein Drittel der Zielgruppe (20- bis 35-Jährige in fester Partnerschaft) diesem Sextyp zuzuschreiben. Trendprognose: sehr stark wachsend!

Die Cool Cats sind junge, selbstbewusste, emanzipierte und gebildete Frauen unter 35 Jahren. Sie nehmen sich heraus, was Männer sich schon immer herausgenommen haben: Sexuelle Initiative!

Starres "Dating" - Junge fragt Mädchen - gleicht für sie einem Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert.

Stattdessen schlüpfen sie selbst in die Eroberungsrolle und ...

... angeln sich die Männer, die ihnen gefallen.

Sie umgeben sich bewusst mit einer verführerischen Ausstrahlung: heiße Dessous und erotische Accessoires gehören zum selbstverständlichen Waffenarsenal.

Cool Cats sind die Erotik-Strateginnen schlechthin. Es macht ihnen Spaß, Männer zu reizen und mit ihnen zu spielen.

Frauen von morgen wollen Sex um ihrer selbst willen, nicht mehr irgendeinem Partner zuliebe, und sie fordern die Befriedigung ihrer Bedürfnisse ein. Cool Cats holen sich, was sie wollen und ...

... das gerade auch im Bett.

Pleasure Parents sind Eltern im Alter zwischen 30 und 45 Jahren. Ganz bewusst nehmen sie sich "Auszeiten" vom Alltag der Kindererziehung und Berufstätigkeit, ...

... um das zu genießen, was für sie zum knappen Luxusgut geworden ist: guter, lustvoller Sex. (Filmszene aus "Romance")

Nicht zu verwechseln mit Kuschelsex, bei dem immer nur Zärtlichkeit und Nähe gefordert ist.

Bei den Pleasure Parents findet erotischer Spaß auf hohem Niveau statt - mit geschmackvollen Lovetoys, ...

... fantasievollen Rollenspielen und verborgenen Fetischen.

"Das Ziel muss sein, Eltern neue Freiräume für erotische Erlebnisse zu schaffen", resümiert Matthias Horx, "denn guter Sex bedeutet auch gute Eltern."

Zu den High Performern zählen ebenso hetero- wie bi- und homosexuelle Paare und Singles im Alter von etwa 30 bis Ende 50.

Sex und Sexappeal ist für sie Ausdruck ihres Lifestyles und hat eine wichtige Funktion für ihr Selbstbild sowie die Außendarstellung: Perfektes Aussehen, Jugendlichkeit, Sportlichkeit, Fitness gehören zu ihrem Persönlichkeitsprofil. (Filmszene aus "Goodbye Lover")

Ein "buntes" Sexleben ist ein wichtiger Bestandteil ihres Freizeit- und Konsumverhaltens.

Auf der Suche nach mehr und besserem Sex sind sie in Sexshops, Table-Dance-Bars, erotischen Kunstausstellungen und Swinger-Clubs anzutreffen, aber auch auf den einschlägigen Internet-Seiten.

In der "Global World of Sex" finden die High Performer schnellen, unkomplizierten Zugriff auf eine weit gefächerte Spielwiese, um unverbindlichen, zwanglosen Sex ohne Liebe und tiefer gehende Gefühle zu erleben - Spaß pur.

Sex ist für High Performer das Hobby, das sie ständig intensivieren und verbessern wollen. Sie kennen keine Grenzen - wenn doch, ist der Reiz, sie zu übertreten, umso größer.

Laut Horx gehören High Performer zur fortschrittlichsten Zielgruppe. Er hat keinen Zweifel, dass sie auch in Zukunft den klassischen Erotik-Markt antreiben werden wie kaum ein anderer Sex-Stil.

Die Lover Ladies sind ein neuer Typ von Frauen im Alter ab 40 Jahren. Sie sind meist gut situierte Karrierefrauen, einkommensstark, finanziell unabhängig und gesellschaftlich etabliert.

Ob geschieden, verwitwet, getrennt lebend oder Single - sie genießen ihre Freiheiten, die sie auch in punkto Erotik (er)leben wollen. Dabei setzen sie auf Extravaganz, Niveau und Stilbewusstsein.

Lover Ladies sind sich ihrer erotischen Ausstrahlung bewusst. Nicht selten bevorzugen sie jüngere Liebhaber, wofür es viele prominente Beispiele gibt:

Demi Moore und ihr 16 Jahre jüngerer Ehemann Ashton Kutcher oder ...

... Nena und ihr 12 Jahre jüngerer Freund Philipp Palm.

Toleranz, Verständnis für ihre Bedürfnisse und Anforderungen sowie Gleichberechtigung - gerade auch in Liebesdingen - sind den Lover Ladies wichtige Kriterien für eine harmonische Beziehung.

Sie haben ihre Erfahrungen gesammelt, wissen was sie wollen und nehmen sich, was sie brauchen: Sie haben Lust an der Lust.

Sie sehen sich am liebsten "on top" - auch in intimen Beziehungen und beim Sex.

Die Sex Gourmets sind die Connaisseure des Sex - Frauen und Männer im Alter ab 50 Jahren, die ihre erotischen Beziehungen sehr bewusst genießen.

Denn das sexuelle Repertoire und Interesse lässt im Alter keineswegs nach - im Gegenteil: Die sexuelle Erfahrenheit und Reife verleiht eine gewisse Gelassenheit.

Frauen und Männer über 50 sind mit ihrem Sexualleben nicht weniger zufrieden als jüngere Menschen.

Doch wandeln sich mit fortschreitendem Alter die Ansprüche. Unter richtig gutem Sex versteht man nicht die "schnelle Nummer".

Die Sex Gourmets möchten genießen. Für sie ist die Qualität intimer Beziehungen wichtig: die "Gourmetisierung" des erotischen Erlebens.

Sexuelle Bedürfnisse zu haben und sie auszuleben, ist nicht länger allein das Vorrecht der Jugend. (Filmszene aus "Die Reifeprüfung")

Die Sex Gourmets gehören zur ersten Generation älterer Menschen, die von sich sagen: Wir sind sexuell frei! Das ist die zweite, die "silberne" sexuelle Revolution.

So also die sieben Sextypen a la Horx. Haben Sie sich erkannt oder brüllen Sie am Ende: Was für ein Quatsch? Trendforscher müsste man sein! (alle Fotos dpa, AP, Material: Sexstyles 2010)

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