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"In einem Moment Party, im anderen hilflos am Boden" : Trauerfeier für die Loveparade-Opfer

 
"In einem Moment Party, im anderen hilflos am Boden" : Trauerfeier für die Loveparade-Opfer

21 Kerzen für 21 Opfer …

… und noch immer die Frage nach den Schuldigen: ...

... In einer bewegenden Trauerfeier haben Hinterbliebene, Rettungskräfte und Politiker für die Toten der Loveparade gebetet.

"Die Loveparade wurde zum Totentanz", …

… sagte der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider, bei der Gedenkfeier. "Mitten hinein in ein Fest überbordender Lebensfreude hat der Tod uns allen sein schreckliches Gesicht gezeigt."

Bundespräsident Christian Wulff, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert waren unter den Gästen in der Duisburger Salvatorkirche.

Der ökumenische Gottesdienst wurde auch in weiteren Kirchen der Stadt übertragen.

Um 10.45 Uhr läuteten zum Auftakt die Totenglocken in allen christlichen Kirchen der Ruhrgebietsstadt.

Die Öffentlichkeit konnte die Feier auch im Stadion des MSV Duisburg verfolgen.

Jedoch herrschte nur geringer Andrang an den Übertragungsorten.

Im Stadion waren etwa 2600 Menschen.

Vor einer Woche war es in Duisburg auf dem Technofestival Loveparade zu einer Massenpanik gekommen.

Es gab auch mehr als 500 Verletzte an diesem Tag.

"Wenn ich ehrlich bin, dann bin ich hier auf der Suche nach ein bisschen Absolution", sagt Harry, der "2010 Death Parade" auf sein T-Shirt geschrieben hat.

Der Raver aus Münster hatte auf der Techno-Party am alten Duisburger Güterbahnhof mitgefeiert - noch nachdem bei der Massenpanik im Zugangstunnel Menschen gestorben waren. "Wir haben da oben getanzt, wir wussten ja von nichts."

Während der Übertragung aus der Salvatorkirche nehmen sich auf den Rängen immer wieder Stadionsbesucher in den Arm, andere blicken in sich versunken auf die Übertragungsschirme.

Vor allem junge Arena-Besucher können die Tränen nicht zurückhalten.

Nur eine einzige Vertreterin der Politik ergriff bei der Trauerfeier das Wort. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft versprach Aufklärung: ...

... "Wie konnte dies geschehen? Wer trägt die Schuld? Wer ist verantwortlich? Diese Fragen müssen und werden eine Antwort finden." Angesichts der Todesumstände der Opfer sei es schwer, Worte zu finden. "Uns alle lässt das Geschehene nicht los. Es macht uns betroffen, hilflos und manche auch wütend."

Mehr als 500 Menschen versammelten sich in der Kirche.

Der umstrittene Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland nahm nicht teil, um die aufgebrachten Bürger nicht durch seine Anwesenheit zu provozieren.

Auch Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller kam nicht.

Kraft sagte den Hinterbliebenen unbürokratische Hilfe zu. "Aber wir wissen auch, wir können Ihren Schmerz nicht ermessen und nicht lindern."

Viele Zeugen der Katastrophe seien traumatisiert "angesichts der Bilder, die sie für immer in sich tragen", sagte sie.

"Ich kann nachempfinden, was Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde durchlitten haben, die stundenlang auf ein Lebenszeichen warten mussten." Auch ihr Sohn hatte am Katastrophentag die Loveparade besucht.

Kraft rang häufig um Fassung, am Ende wurde ihre Stimme brüchig.

Zu Beginn der Trauerfeier wurden eine Kerze und ein Kondolenzbuch von dem nahe gelegenen Unglücksort an einem Tunnel zum Altar gebracht.

Rettungskräfte, Notfallseelsorger und andere Einsatzkräfte zündeten die 21 Kerzen an.

Bundespräsident Wulff will den Einsatz der Loveparade-Helfer würdigen. "Ich werde die ehrenamtlichen Helfer, die Leben gerettet und Menschen geholfen haben, nach Berlin einladen und auszeichnen", kündigte er an.

Noch einmal spielte das Thema Wut eine Rolle in dem Gottesdienst: In den Fürbitten, verlesen von Helfern und Angehörigen, bittet ein Notfallseelsorger um "Klarheit und Wahrhaftigkeit, um die Ursachen des Unglücks aufzudecken".

Der rheinische Präses Schneider sprach von "Trauer und Verzweiflung, Hilflosigkeit und Wut", die das Denken der Menschen beherrschten. Er erwähnte in seiner Predigt auch "Erwachsene, die wie versteinert Verantwortung von sich weg schieben."

"Wir können unsere Verstorbenen nicht mehr körperlich spüren. Wir können nicht mehr gemeinsam mit ihnen lachen und weinen, streiten und uns versöhnen. Aber wir tragen sie in unseren Herzen und in unseren Gedanken."

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sprach von einem Leid, das lange währen wird. "So gegensätzlich ist unser Leben: In dem einen Moment ist Party angesagt und im anderen Moment liegen wir hilflos am Boden."

"Es bleibt schwer, mit dem zu leben, was geschehen ist. Und doch bleibt etwas und geht weiter, was auch der Name der 'Loveparade' zum Ausdruck bringt: …

… Love heißt Liebe."

Die Liebe sei stärker als der Tod und helfe durch die Schrecken dieser Tage.

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