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Evelyn Hamann ist tot.
Sie starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Kreise ihrer Familie.
Entgegen ersten Angaben sei Hamann schon länger schwer krank gewesen, so ihr Manager. Details zu der Erkrankung wollte er jedoch nicht nennen.
Sie war Loriots Sketch-Partnerin ...
... und als Sekretärin Adelheid Möbius eine der beliebtesten deutschen Seriendarstellerinnen. (Foto: Mit Heinz Baumann)
Die berühmteste Szene mit Loriot und Hamann war der "Nudel-Sketch" im Restaurant: Als Fräulein Hildegard starrte Hamann gebannt und mit todernster Miene auf das Stück Pasta, das hartnäckig im Gesicht ihres Gegenübers klebte.
Doch der achtete nicht auf ihre Hinweise und suchte stattdessen das intensive Gespräch mit ihr: ...
... "Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard".
Sie glänzte jedoch nicht nur im Fernsehen: In Loriots Kinofilmen "Ödipussi" und "Pappa ante portas" spielte sie die weiblichen Hauptrollen.
Als Renate Lohse verzweifelt sie an ihrem in den Vorruhestand geschickten Gatten, ...
... in "Ödipussi" will sie den bei Mama wohnenden Paul Winkelmann verführen, was seine Mama aber immer wieder zu verhindern weiß.
Unvergessen auch die Jodeldiplom-Szene als Frau Hoppenstedt: "Jede Frau sollte etwas Eigenes haben. Da hab' ich was in der Hand, wenn die Kinder aus dem Haus sind, oder mal was passiert."
Einer ihrer populärsten Auftritte war der Sketch als TV-Ansagerin, die die britische Krimiserie "Die zwei Cousinen" präsentieren möchte und dabei wegen der anspruchsvollen Artikulation des Textes und des "TH" fast einen Nervenzusammenbruch erleidet.
Kleinere Rollen, aber stetige Auftritte im Fernsehen hatte Hamann in den Serien "Die Schwarzwaldklinik" als Haushälterin Carsta Michaelis, ... (Foto: Mit Inge Meysel)
... und auch beim "Landarzt" war sie oft zu sehen.
Im Fernsehen sah man Hamann zuletzt in der populären ARD-Serie "Adelheid und ihre Mörder".
In der Titelrolle als Sekretärin Adelheid spürte sie die Mörder auf, die ihr Vorgesetzter, Hauptkomissar Strobel, nicht schnappen konnte.
Die Serie startete 1993. Sechs Staffeln wurden ausgestrahlt.
Evelyn Hamann lebte zuletzt zurückgezogen in Hamburg.
Über ihr Privatleben ist wenig bekannt, sie war ein Mal verheiratet.
Interviews gab sie kaum.
Auch vor ihrem 65. Geburtstag am 6. August mied sie den Kontakt zur Öffentlichkeit.
Altmeister Vicco von Bülow alias Loriot schwärmte noch vergangene Woche in Berlin von ihr: "Sie war tatsächlich fabelhaft".
Evelyn Hamann stammt aus einer Hamburger Musikerfamilie.
Vater Bernhard Hamann war Geiger, Konzertmeister des NDR- Sinfonieorchesters und Gründer des Hamann-Quartetts, die Mutter war Sängerin und Musikpädagogin, ...
... ihr Bruder Gerhard war Professor für Violoncello an der Musikhochschule Trossingen. (Auf dem Foto mit Klaus von Dohnanyi 1986)
Nach der Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Hamburg begann Hamann ihre Karriere auf der Bühne.
Sie übernahm kleinere Rollen am Hamburger Thalia Theater, ab 1968 wurde sie in Göttingen, Heidelberg und Bremen engagiert.
Hamann wurde für ihre Leistungen mehrfach ausgezeichnet.
Allein die Goldene Kamera der Illustrierten "Hörzu" erhielt sie drei Mal im Zehn-Jahres-Rhythmus: 1977, 1987 und 1997.
Außerdem ehrte sie RTL 1997 mit dem Goldenen Löwen. Im gleichen Jahr bekam Hamann den Bayerischen Fernsehpreis als beste Seriendarstellerin - in "Adelheid und ihre Mörder".
Und das Bundesverdienstkreuz erhielt sie auch.
Evelyn Hamann war wohl eine der lustigsten, uneitelsten Frauen im deutschen Fernsehen.
Und es gibt wenige lustige Frauen, vor allem im Fernsehen ...
Sie wird sehr vermisst werden, von ihren Kollegen und von den Zuschauern.
In Zeiten, in denen jede Dreißigjährige gebotoxt, operiert und mindestens bis zur Unkenntlicheit blondiert ist, war Evelyn Hamann eine wahre Wohltat.
Eine "normale" Frau. Erfrischend, eigen und natürlich.
Und eben witzig.
Sie ist viel zu früh gestorben. "Bitte sagen Sie doch was, Hildegard!" (Fotos: AP/ dpa)
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