Am 26. April 1986 zerstörte eine schwere Explosion den Reaktorblock IV des Kernkraftwerks Tschernobyl in der Ukraine. Bis heute ist es der weltweit größte Unfall in einer kerntechnischen Anlage.Bild 1 von 47 Der Unglückshergang ist immer noch nicht zweifelsfrei geklärt. Kam es durch Bedienungsfehler zu dem GAU? Oder waren Systemschwächen des Reaktors die Ursache? Eingeleitet wurde der "größte anzunehmende Unfall" durch eine fehlerhaft ausgeführte Notfallübung.Bild 2 von 47 Große Mengen radioaktiver Materie wurden durch die extreme Hitze in den Himmel geschleudert. Der Wind verteilte sie über ganz Europa.Bild 3 von 47 Die sowjetischen Behörden schickten tausende schlecht ausgerüsteter Männer zu Bergungs- und Aufräumarbeiten in die radioaktiven Trümmer des Reaktors.Bild 4 von 47 Mehrere Dutzend Liquidatoren sind wenig später an akuter Strahlenerkrankung gestorben, weitere an Leukämie.Bild 5 von 47 Erst zehn Tage nach dem Unfall war die Freisetzung von Kernbrennstoffen und Spaltprodukten gestoppt. Man hatte rund 5.000 Tonnen Sand, Lehm, Blei und Bor auf die Reaktoranlage geworfen.Bild 6 von 47 Einige Monate später begann man, die Ruine des Reaktorblocks einzubetonieren.Bild 7 von 47 Im November 1986 war der "Sarkophag" fertig gestellt.Bild 8 von 47 Er diente auch dazu, den anliegenden Block III weiterbetreiben zu können. Dieser wurde erst Ende 2000 abgeschaltet.Bild 9 von 47 Mittlerweile ist der Betonmantel rissig, undicht und akut einsturzgefährdet.Bild 10 von 47 Nun soll eine gigantische Kuppel aus Stahl Abhilfe schaffen. Sie wird etwa 100 Jahre halten und kostet bis zu einer Milliarde Euro.Bild 11 von 47 Unmittelbar nach der Reaktorexplosion wurden rund 200.000 Menschen aus dem Umkreis von Tschernobyl evakuiert.Bild 12 von 47 Den 47.000 Einwohnern von Prybjat sagten die Behörden, es handele sich um eine militärische Übung. Deshalb ließen sie Hab und Gut in ihren Wohnungen zurück.Bild 13 von 47 Auf dem zentralen Platz von Prybjat steht noch immer das Riesenrad, das für Feiern zum 1. Mai aufgestellt worden war.Bild 14 von 47 Zum 20. Jahrestag der Reaktorexplosion haben Graffiti-Künstler aus Weißrussland, Russland und Deutschland die verlassenen Häuser in Prybjat besprüht.Bild 15 von 47 So haben sie ein besonderes Mahnmal geschaffen.Bild 16 von 47 Prybjat wirkt gespenstisch.Bild 17 von 47 Daran, dass es einmal eine lebendige Arbeiterstadt war, erinnern nur noch der verfallende Vergnügungspark ...Bild 18 von 47 ... und seit neuestem einige Bilder an den Wänden.Bild 19 von 47 Auch Tschernobyl selbst ist überwiegend von Verfall gekennzeichnet, ...Bild 20 von 47 ... jedoch nicht menschenleer. Zurzeit hat die 12 Kilometer vom Atomkraftwerk entfernte Stadt 300 Einwohner. Diese ignorierten die Warnung der Behörden, nicht in das stark verseuchte Gebiet zurückzukehren.Bild 21 von 47 Die 8-jährige Maria Savenko ist das einzige Kind, das nach dem GAU in Tschernobyl geboren wurde und dort auch aufwächst.Bild 22 von 47 Den Ärzten zufolge ist sie "ziemlich gesund".Bild 23 von 47 Auch andernorts widersetzten sich Bewohner der Sperrzone den Anweisungen der Behörden. Die 82-jährige Anna Ratkevich aus Ilyintsy, 20 km vom Atommeiler entfernt, wollte ihre Heimat nicht verlassen.Bild 24 von 47 Zusammen mit ihrem Mann lebt sie weiterhin in ihrem Haus, ...Bild 25 von 47 ... wo sie großzügig selbst gebrannten Wodka serviert.Bild 26 von 47 Ihr Nachbar ist Fedor Striy, 52 Jahre alt.Bild 27 von 47 Und es gibt noch einige mehr, die trotz der hohen Strahlenbelastung in Ilyintsy bleiben. In den drei am stärksten von dem GAU betroffenen Ländern - in Weißrussland, Russland und der Ukraine - zeichnet sich die Tendenz ab, die Folgeschäden durch die Verstrahlung als eher gering einzustufen.Bild 28 von 47 Mit Orten, die durch den Reaktor-Unfall verseucht wurden, beschäftigt sich das Tschernobyl-Museum in Kiew.Bild 29 von 47 Den Kindern, die 1986 und 1987 in Tschernobyl geboren wurden und die größtenteils schwere gesundheitliche Probleme haben, widmet die Ausstellung einen eigenen Raum.Bild 30 von 47 Rund 15 Jahre nach den ersten Erholungsreisen von Tschernobyl-Kindern kämpfen deutsche Hilfsinitiativen mit zunehmenden Schikanen weißrussischer Behörden.Bild 31 von 47 Homeyer, der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft "Den Kindern von Tschernobyl" erläutert, die Aktion trage in Weißrussland zum Entstehen einer demokratischen Bürgergesellschaft bei. Das werde vom autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko (im Bild) argwöhnisch beobachtet.Bild 32 von 47 Mit Hilfe des Netzwerks haben bereits 160.000 Kinder aus strahlenbelasteten Gebieten ihre Ferien bei deutschen Gastgebern verbracht. In diesem Sommer werden weitere 5.000 bis 6.000 erwartet.Bild 33 von 47 Das Regime Lukaschenkos behindere zunehmend die humanitäre Arbeit der deutschen und weißrussischen Helfer, so Homeyer. "Schulleiter werden unter Druck gesetzt, damit sie ihre Klassen nicht ausreisen lassen." Listen der Kinder müssten drei Ministerien und der Präsidialverwaltung vorgelegt werden.Bild 34 von 47 Doch die meisten Helfer lassen sich nicht entmutigen. Über die gesundheitlichen Auswirkungen der Katastrophe von Tschernobyl besteht noch immer keine Klarheit.Bild 35 von 47 Unstrittig ist jedoch, dass es in der Region immer mehr Fälle von Schilddrüsenkrebs gibt.Bild 36 von 47 Nach Angaben der Umweltorganisation Greenpeace hat die Reaktor-Katastrophe weltweit viel dramatischere Folgen für die menschliche Gesundheit als bisher angenommen.Bild 37 von 47 "Neue Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften kommen für Weißrussland, Ukraine und Russland alleine auf 270.000 zusätzliche Krebserkrankungen, von denen voraussichtlich 93.000 tödlich enden werden", erklärte Greenpeace-Experte Thomas Breuer kürzlich.Bild 38 von 47 Diese Schätzungen seien realistisch - anders als die "verniedlichenden" Angaben der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO von voraussichtlich 4.000 Todesopfern. "Selbst die IEAO geht in ihren Schätzungen eigentlich von mehr Todesopfern aus. Was die Behörde betreibt, ist bewusste Verharmlosung", so Breuer.Bild 39 von 47 "Unsere Generation hat gesehen, wie diese Katastrophe begann, doch wird sie wohl kaum ihr Ende erleben", heißt es in einem Greenpeace-Bericht. "Die internationale Staatengemeinschaft sollte diesen Unfall zum Anlass nehmen, weltweit aus der Atomenergie auszusteigen."Bild 40 von 47 Die Grünen im Europaparlament fordern eine ehrliche Bilanz über die Opfer der Reaktorexplosion.Bild 41 von 47 Sie stützen sich auf eine britische Studie: "TORCH - The Other Report of Chernobyl". Der TORCH-Bericht geht davon aus, dass noch 30.000 bis 60.000 Menschen wegen des Unfalls an Krebs sterben müssten. Das wären 7,5 bis 15 Mal mehr als von der IAEO angegeben.Bild 42 von 47 Nach Angaben des TORCH-Reports gelangte radioaktives Cäsium-137 aus Tschernobyl auf 40 Prozent der Fläche Europas.Bild 43 von 47 Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von rund 30 Jahren. Einige Pilze und Wildbret sind deshalb in Gebieten, über denen es nach dem GAU geregnet hat, auch heute noch stark belastet.Bild 44 von 47 In Deutschland gilt für Lebensmittel ein Grenzwert von 600 Becquerel Cäsium-137 pro Kilogramm. Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt an, dass noch heute im Bayerischen Wald in Maronenröhrlingen und Semmelstoppelpilzen mitunter mehrere tausend Becquerel Cäsium pro Kilogramm gemessen werden.Bild 45 von 47 Die Entsorgung radioaktiver Abfälle aus dem Kernkraftwerk Tschernobyl ist noch nicht abgechlossen. 20 Jahre nach dem Unfall sind mit dieser Arbeit 3.860 Menschen betraut. Sie arbeiten weiterhin auf dem Gelände und entfernen unter anderem die rund 2.800 nuklearen Brennstäbe aus den still gelegten Reaktoren.Bild 46 von 47 Die Zahl der Tschernobyl-Opfer steigt weiter.Bild 47 von 47