"Ein Wort der Wahrheit überwindet die ganze Welt" : Alexander Solschenizyn
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Alexander Issajewitsch Solschenizyn ist tot. In der Nacht vom 3. August starb der Schriftsteller 89-jährig in Moskau, vermutlich an den Folgen eines Hirnschlags.Bild 1 von 49 | Foto: picture-alliance / dpa/dpawebDer russische Literaturnobelpreisträger zählt zu den herausragenden Figuren des 20. Jahrhunderts.Bild 2 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpaWie kein anderer setzte er die Macht des literarischen Wortes gegen die sowjetische Tyrannei.Bild 3 von 49 | Foto: REUTERS"Ein Wort der Wahrheit überwindet die ganze Welt", fasste der Autor des "Archipel Gulag" seine tief religiös geprägte Überzeugung 1974 in seiner verspäteten Nobelpreisrede zusammen.Bild 4 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpaErst im hohen Alter, in den letzten Monaten vor seinem Tod, zog er sich aus der Öffentlichkeit zurück, meldete sich nur noch gelegentlich in Zeitungsinterviews zu Wort.Bild 5 von 49 | Foto: REUTERSSolschenizyns Lebensweg führte ihn von Stalins Straflagern zum Weltruhm als Schriftsteller, ...Bild 6 von 49 | Foto: REUTERS... in ein 20-jähriges Exil und schließlich zurück in eine veränderte Heimat.Bild 7 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSDort wurde es zuletzt einsam um den Prediger eines "Heiligen Russlands".Bild 8 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSDoch Solschenizyn, der "Geschichte gemacht hat wie vielleicht kein anderer Schriftsteller und Künstler vor ihm", so der Autor Gerd Koenen, ...Bild 9 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpa... war zuletzt im Reinen mit der neuen politischen Führung und Entwicklung in Russland.Bild 10 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpaGeboren wurde der wohl bedeutendste russische Erzähler des 20. Jahrhunderts am 11. Dezember 1918 in Kislowodsk im Nordkaukasus.Bild 11 von 49 Solschenizyn studiert Mathematik und Physik in Rostow am Don.Bild 12 von 49 Als Hauptmann der Roten Armee (Foto aus dem Jahr 1944) ...Bild 13 von 49 ... zieht er in den Zweiten Weltkrieg.Bild 14 von 49 In den letzten Kriegsmonaten bringen ihn Briefe mit abfälligen Bemerkungen über den sowjetischen Diktator Josef Stalin ...Bild 15 von 49 ... für neun Jahre in die Mühlen von Straflager und Verbannung. Nach seiner Entlassung aus der Haft im Jahr 1953 ...Bild 16 von 49 ... arbeitet er, verbannt in einen kleinen Ort in Kasachstan, zunächst als Dorfschullehrer. 1957 wird er offiziell rehabilitiert. Er leidet an einer Krebserkrankung, die er jedoch überlebt. (Foto: 1974)Bild 17 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSSeine Frau Natalja hat sich inzwischen von ihm scheiden lassen.Bild 18 von 49 Doch das Paar nähert sich wieder einander an.Bild 19 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSSeine Erlebnisse verarbeitet Solschenizyn literarisch: Einfach, ohne Anklage, aber unwiderlegbar schildert er den Alltag eines Lagerhäftlings in seinem 1962 erschienenen schriftstellerischen Debüt.Bild 20 von 49 "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" macht den Autor weltbekannt.Bild 21 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSEs ist der Höhepunkt des literarischen "Tauwetters" unter Parteichef Nikita Chruschtschow, der 1962 die Publikation der Erzählung in Russland gestattet und Solschenizyn persönlich kennenlernt. Nach Cruschtschows Sturz ändert sich das kulturpolitische Klima wieder.Bild 22 von 49 1970 wird Solschenizyn mit dem Nobelpreis ausgezeichnet - "für die ethische Kraft, mit der er die unveräußerliche Tradition der russischen Literatur weitergeführt hat". Zur Preisverleihung nach Stockholm darf er nicht reisen.Bild 23 von 49 Erst im Dezember 1974 bedankt er sich in Schweden in Anwesenheit des Königs Carl Gustaf für die höchste Auszeichnung. Inzwischen hat er in seinem Heimatland nichts mehr zu verlieren.Bild 24 von 49 Denn 1973 ist dem russischen Geheimdienst KGB ein Teil des Manuskripts zu Solschenizyns neuem Buch in die Hände gefallen - sein künftiges Hauptwerk, an dem er heimlich arbeitet.Bild 25 von 49 Der "Archipel Gulag" muss in aller Eile im Westen veröffentlicht werden. In Moskau wird gegen den "Verräter" Propaganda gemacht.Bild 26 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSIn der monumentalen Dokumentation über Stalins Terror und das brutale Lagersystem gibt Solschenizyn den Opfern eine Stimme. (Foto: Das Solowezki-Kloster auf dem Archipel Solowki)Bild 27 von 49 | Foto: REUTERSDas Lager Solowki, Russlands erstes großes Häftlingslager, dient Solschenizyn als Vorlage für "Archipel Gulag". Die Solowezki-Inseln liegen 160 Kilometer südlich des Polarkreises im Weißen Meer, rund 530 Kilometer entfernt von Moskau.Bild 28 von 49 | Foto: REUTERSIn den dort erlittenen Leiden und Grausamkeiten erkennt der Autor eine tiefe Wahrheit: "Allmählich wurde mir offenbar, dass die Linie, die Gut und Böse trennt, nicht zwischen Staaten, nicht zwischen Klassen und Parteien verläuft, sondern quer durch jedes Menschenherz."Bild 29 von 49 Der "Archipel Gulag" erschüttert die Sowjetunion, im Westen wenden sich viele wohlmeinende Linke von Moskau ab. 1974 lässt die sowjetische Führung Solschenizyn verhaften ...Bild 30 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESS... und ausweisen. Mit einer Aeroflot-Maschine landet er am 13. Februar 1974 auf dem Frankfurter Flughafen.Bild 31 von 49 Ein "Symbol der Freiheit in der Welt" nennt Heinrich Böll den Freund und nimmt ihn in Köln auf.Bild 32 von 49 Der Weg des Exils führt ihn und seine Familie über die Schweiz und Norwegen in die USA. (Mit seiner Frau und den beiden Söhnen auf dem Züricher Flughafen)Bild 33 von 49 In der Stille des Bundesstaates Vermont widmet sich Solschenizyn seinem zweiten Hauptwerk.Bild 34 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSDas "Rote Rad" soll in 20 Bänden den Untergang Russlands in der Revolution erzählen, doch das strenge philosophische Korsett schnürt nach Meinung vieler Kritiker ein lebendiges Erzählen ab.Bild 35 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSNur die Bände "August 1914", "November 1916" und "März 1917" erscheinen. Auch mit Solschenizyns konservativen Warnungen vor einem Abfall von Religion und Moral kann der Westen wenig anfangen.Bild 36 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSDrei Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, zu dem er selber beigetragen hat, wird dem Autor 1994 die Rückkehr gestattet. (Der ehemalige Präsident Michael Gorbatschow gratuliert Solschenizyn am 11. Dezember 1998 zum 80. Geburtstag.)Bild 37 von 49 | Foto: picture-alliance / dpaMit dem Zug kehrt er heim. Auf der 55-tägigen Reise von Wladiwostok ...Bild 38 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpa... nach Moskau lernt er das veränderte Land kennen.Bild 39 von 49 In mehreren Schriften, zuletzt "Russland im Absturz" 1998, verurteilt er die fehlgeleiteten Reformen, die Verarmung, den Mangel an Demokratie. Auch Präsident Boris Jelzin erregt seine Kritik.Bild 40 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpaDoch sein eigenes Ideal eines Russlands, das auf dem orthodoxen Glauben und Gemeinsinn gründet, predigt er wie ein alttestamentarischer Prophet vergebens.Bild 41 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSMit seinem letzten Werk "Zweihundert Jahre gemeinsam", einer fragwürdigen Dokumentation über das Zusammenleben von Russen und Juden, diskreditiert sich Solschenizyn nach Meinung vieler Kritiker.Bild 42 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESSEr gibt "den Juden" eine Mitschuld an der russischen Revolution und der nachfolgenden kommunistischen Diktatur. Dies führt international zum Vorwurf des Antisemitismus.Bild 43 von 49 Positiv äußert er sich dagegen über den politischen Kurs Wladimir Putins. Seine Unterstützung gilt auch der umstrittenen Tschetschenienpolitik des russischen Staatschefs. (Der Präsident, der Autor und ihre Ehefrauen)Bild 44 von 49 | Foto: REUTERSIm Juni 2007 zeichnet Putin den greisen Schriftsteller mit dem Staatspreis aus. Nachdem er nationale Ehrungen zu Sowjetzeiten stets abgelehnt hatte, ...Bild 45 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpa... nimmt Solschenizyn den Preis diesmal entgegen.Bild 46 von 49 Der Schriftsteller hat bis zu seinem Tod unter anderem an einer Ausgabe seines Gesamtwerkes gearbeitet.Bild 47 von 49 | Foto: picture-alliance/ dpaEin Sprecher der Moskauer russisch-orthodoxen Kirche, Wsewolod Tschaplin, würdigt Solschenizyns Haltung: "Alexander Issajewitsch bleibt für heutige und künftige Generationen ein Musterbeispiel an innerer Freiheit und menschlicher Würde."Bild 48 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESS"Er war in der Lage, mit den Machthabern im eigenen Land, im Westen und mit dem Volk zu sprechen. Dabei hatte er nie Angst, auf Unwahrheiten einzugehen", lobt Tschaplin. "Er machte sich nie gemein mit irgendeiner Mode oder öffentlichen Meinung." (Bilder: rts, AP, dpa)Bild 49 von 49 | Foto: ASSOCIATED PRESS
"Ein Wort der Wahrheit überwindet die ganze Welt" Alexander Solschenizyn