25. Februar 1947: Als Preußen endgültig verschwand
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Den Berlinern war es damals vermutlich herzlich egal. Während sie nach Brot anstanden, erließen die Alliierten in der alten Reichshauptstadt ein Gesetz, mit dem der Staat Preußen offiziell aus der Geschichte verabschiedet wurde.Bild 1 von 51 | Foto: HENRY BURROUGHS/AP/dapdDas Ende war weitaus weniger prunkvoll als das alte Preußen: "Der Staat Preußen, seine Zentralregierung und alle nachgeordneten Behörden werden hiermit aufgelöst", hieß es schlicht in Artikel I des Kontrollratsgesetzes Nr. 46 vom 25. Februar 1947.Bild 2 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpaDoch Preußen war längst tot. Das wussten auch die Alliierten. "Der Staat Preußen (...) hat in Wirklichkeit zu bestehen aufgehört", schrieben sie in die Präambel des Gesetzes.Bild 3 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaPreußen war spätestens mit Gründung der deutschen Länder nach dem Krieg gestorben. Die ersten Länder entstanden in der Sowjetischen Besatzungszone, im Juli 1945. Eine Besonderheit waren dabei Brandenburg und Sachsen-Anhalt.Bild 4 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaBeide Länder waren zunächst keine "Länder", sondern "Provinzen". Erst nach der offiziellen Auflösung Preußens stiegen die Provinzen zum "Land Brandenburg" und zum "Land Sachsen-Anhalt" auf.Bild 5 von 51 In den westlichen Besatzungszonen wurde erst 1946 mit der Gründung von Ländern begonnen. Im Westen erstreckte sich Preußen vor allem in der britischen Zone. Die britische Militärregierung erließ am 23. August 1946 eine Verordnung, ...Bild 6 von 51 | Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb... mit der die Länder Niedersachsen (im Bild Hinrich Wilhelm Kopf, der erste Ministerpräsident Niedersachsens), Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gebildet wurden.Bild 7 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpaWar Preußen da nicht auch da schon längst tot? Durch die Abtrennung der deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie waren schon 1945 große Teile des alten Preußen verloren gegangen.Bild 8 von 51 | Foto: /AP/dapdWie dem auch sei: Das Kontrollratsgesetz vom 25. Februar 1947 war lediglich aus formalen Gründen notwendig. Es war jedoch auch eine Gelegenheit für die Alliierten, darzulegen, was sie von Preußen hielten.Bild 9 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaPreußen, so schrieben sie in ihr Gesetz, war "seit jeher Träger des Militarismus und der Reaktion in Deutschland".Bild 10 von 51 | Foto: picture-alliance / dpa/dpawebDas saß. In Deutschland hatte man ein völlig anderes Preußen-Bild. Preußen stand für das "glorreiche" Deutschland, für militärische Erfolge, politische Stabilität den fürsorglichen "Vater Staat".Bild 11 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb"Preußen war kein deutsches Land wie jedes andere, auf einer Stufe mit Baden, Württemberg, Bayern oder Sachsen", so der Historiker Christopher Clark. "Preußen war der Grund, warum Deutschland den Pfad des Friedens und der politischen Moderne verlassen hatte." (Das Bild zeigt Georg Friedrich von Preußen beim Schmökern.)Bild 12 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpa"Das Herz Deutschlands schlägt in Preußen", hatte Winston Churchill im September 1943 im britischen Unterhaus verkündet. "Hier liegt der Ursprung jener Krankheit, die stets neu ausbricht." Churchill lag mit seiner Analyse nicht völlig daneben. Für die Alliierten, aber auch für Demokraten und Liberale in Deutschland, war Preußen ein hervorragendes Feindbild.Bild 13 von 51 | Foto: AP/AP/dapd1947 war Preußen 246 Jahre alt. Das Königreich entstand aus dem alten Kurfürstentum Brandenburg. Am 18. Januar 1701 krönte Kurfürst Friedrich III. sich selbst zum "König in Preußen" (als solcher heißt er Friedrich I.).Bild 14 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpaAuf den Titel "König von Preußen" musste Friedrich verzichten; so nannten sich die polnischen Könige, die über das westliche Preußen herrschten.Bild 15 von 51 | Foto: Droysens Historischer Handatlas / WikimediaFriedrichs Nachfolger Friedrich Wilhelm I. ist allgemein als "Soldatenkönig" bekannt. Er legte mehr Wert auf Effizienz als auf Prunk. Er gilt als Begründer der preußischen Verwaltung.Bild 16 von 51 | Foto: WikimediaUnter dem "Soldatenkönig" wurde Preußen ein Militärstaat - das Heer wuchs auf eine Größe von 83.000 Mann. Damit war die preußische Armee fast so groß wie die von Österreich und Russland - Länder, die deutlich mehr Einwohner hatten.Bild 17 von 51 | Foto: picture alliance / dpaMit seiner Vorliebe für die "Langen Kerls" war Friedrich Wilhelm ein Militarist reinsten Wassers. Aber in Preußen ist selten etwas so eindeutig wie es scheint: Der König war nur an einem Krieg beteiligt (nämlich am Großen Nordischen).Bild 18 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaMehr noch als sein strenger Vater verkörpert Friedrich II. Preußen. Als Prinz war er ein Schöngeist, als König ein aufgeklärter, aber auch äußerst kriegerischer Herrscher.Bild 19 von 51 | Foto: dapdEine seiner ersten Amtshandlungen war 1740 der Einmarsch in Schlesien.Bild 20 von 51 | Foto: picture alliance / dpaErst 23 Jahre und drei Kriege später war Österreich geschlagen, die Eroberung gesichert. Friedrich war auch Initiator der ersten Teilung Polens, bei der 1772 die preußische Landverbindung zwischen Pommern und Ostpreußen hergestellt wurde.Bild 21 von 51 | Foto: Droysens Historischer Handatlas / WikimediaErst jetzt gehörte das ehemalige Herzogtum Preußen vollständig zu Brandenburg-Preußen, erst jetzt konnte Friedrich sich König "von" Preußen nennen.Bild 22 von 51 | Foto: picture alliance / dpaFriedrich war Aufklärer und Despot in einem. Häufig wird sein Satz zitiert, jeder solle "nach seiner Façon selig werden". Das galt jedoch nicht für jeden. Seine Soldaten etwa wollte Friedrich "durch härteste Gewalt an die Fahne" binden.Bild 23 von 51 | Foto: picture alliance / dpaDa Friedrich II. keine Kinder hinterließ, folgte ihm sein Neffe, Friedrich Wilhelm II. In seine Regierungszeit fallen die Feldzüge gegen das revolutionäre Frankreich sowie zwei weitere Teilungen Polens (das damit von der Landkarte verschwand). 1795 stieg Friedrich Wilhelm II. aus der Koalition gegen Frankreich aus. Im Frieden von Basel erklärte Preußen sich neutral.Bild 24 von 51 | Foto: WikimediaSein Sohn Friedrich Wilhelm III. galt als fast schon "bürgerlicher" König. Im Gegensatz zu seinem Vater hatte er keine Affären, sondern führte eine harmonische Ehe mit Königin Luise.Bild 25 von 51 | Foto: picture alliance / dpaVon ihrem Glanz fiel auch für Friedrich Wilhelm III. etwas ab. Er selbst war ansonsten wohl eher unscheinbar, als König ungeschickt: 1806 stellte er Napoleon ein Ultimatum, in dem er den Abzug aller französischen Truppen aus Süddeutschland forderte.Bild 26 von 51 | Foto: WikimediaNapoleon antwortete mit einer Kriegserklärung. Bei Jena und Auerstedt wurden die Preußen vernichtend geschlagen. Vergeblich bat Luise bei Napoleon um Milde. Preußen verlor seine Gebiete westlich der Elbe und den größten Teil seiner polnischen Länder.Bild 27 von 51 | Foto: picture alliance / dpaDoch die Niederlage gegen Napoleon brachte Preußen auch einen Modernisierungsschub: In den Stein-Hardenbergschen Reformen wurde unter anderem das Bildungswesen reformiert und die Leibeigenschaft der Bauern aufgehoben.Bild 28 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpaBeim Wiener Kongress 1815 erhielt Preußen sein altes Staatsgebiet zurück, dazu noch ein Stück Vorpommern, den nördlichen Teil Sachsens, Westfalen und die Rheinprovinz.Bild 29 von 51 | Foto: Wikimedia / Ziegelbrenner unter cc-by-saFriedrich Wilhelm III. starb 1840, Nachfolger wurde sein gleichnamiger Sohn. Friedrich Wilhelm IV. (Bild) lockerte die Verfolgung von Liberalen und Demokraten in Preußen.Bild 30 von 51 | Foto: WikimediaAuf die Märzrevolution von 1848 reagierte er wie die meisten Fürsten: Er bekämpfte sie erst, als der Sieg sicher war.Bild 31 von 51 | Foto: WikimediaAusgerechnet ihn wollte die Frankfurter Nationalversammlung zum deutschen Kaiser machen. Friedrich Wilhelm lehnte ab: Er könne keine Krone "aus der Gosse" akzeptieren. Die Revolution war am Ende.Bild 32 von 51 | Foto: WikimediaNach einer Reihe von Schlaganfällen übergab Friedrich Wilhelm IV. die Regierungsgeschäfte 1858 an seinen 1797 geborenen Bruder. Wilhelm (Bild) wurde der erste Kaiser des Deutschen Reiches.Bild 33 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaBegeistert war er davon nicht; Wilhelm war lieber Preuße als Deutscher. Die Reichseinigung war denn auch nicht sein Werk, sondern Folge der Politik seines Ministerpräsidenten Otto von Bismarck (Bild).Bild 34 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaDie Reichsgründung lief typisch preußisch ab: Nach dem Sieg über Frankreich 1871 wurde Wilhelm in Versailles, dem alten Sitz der französischen Könige, zum Kaiser proklamiert. Als Kaiser war er jedoch vor allem ein Symbol: ...Bild 35 von 51 | Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb... die Politik machte sein Kanzler Bismarck.Bild 36 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpaPreußen war der wichtigste Staat im Deutschen Reich: Der preußische König war zugleich deutscher Kaiser, der preußische Ministerpräsident war meist auch Reichskanzler.Bild 37 von 51 | Foto: Wikimedia / kgberger unter cc-by-saWilhelm I. starb 1888, sein Nachfolger wurde sein Sohn Friedrich (als Kaiser Friedrich III.), der mit einer Tochter der britischen Königin Victoria verheiratet war. Friedrich galt als Hoffnung der Liberalen in Deutschland, ...Bild 38 von 51 | Foto: Wikimedia... doch er starb nach 99 Tagen im Amt. Sein Sohn Wilhelm II. bestieg den Thron im Alter von 29 Jahren. Über Wilhelms Psyche ist viel geschrieben worden: Er hatte einen verkrüppelten Arm, eine unglückliche Kindheit und ein verkorkstes Verhältnis zur Mutter.Bild 39 von 51 | Foto: picture alliance / dpaDer junge Kaiser entließ Bismarck. Innenpolitisch setzte er auf einen Kurs der Versöhnung mit Katholiken und Arbeitern, die Bismarck als "Reichsfeinde" bekämpft hatte. Außenpolitisch beendete er Bismarcks Koalitionspolitik gegen Frankreich ...Bild 40 von 51 | Foto: picture-alliance / dpa... rüstete die Marine auf und forderte einen "Platz an der Sonne" für Deutschland (also Kolonien). Das Deutsche Reich geriet zunehmend in die Isolation, Wilhelm selbst verlor gegenüber dem Reichskanzler, der Heeres- und Marineleitung an Macht. (Wilhelm II. war übrigens Hobbymaler; am liebsten malte er Kriegsschiffe. Dieses Bild ist von 1884.)Bild 41 von 51 | Foto: picture-alliance / dpa/dpawebDas Ende des Ersten Weltkriegs beendete auch die Monarchie in Deutschland - und die Herrschaft der Hohenzollern. Am 9. November 1918 rief der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann die Republik aus.Bild 42 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaWilhelm ging ins Exil in die Niederlande und dankte ab.Bild 43 von 51 | Foto: picture-alliance / dpaPreußen wurde zum Freistaat. In der Weimarer Republik wurde Preußen fast durchgehend von Ministerpräsident Otto Braun regiert, einem Sozialdemokraten, der einer Koalition aus SPD, Zentrum, DDP und DVP vorstand.Bild 44 von 51 | Foto: WikimediaDie Regierung Braun wurde im "Preußenschlag" von 1932 von Reichskanzler Franz von Papen für abgesetzt erklärt und durch einen Reichskommissar ersetzt. Bei den vorangegangenen Wahlen in Preußen war die NSDAP mit 36,3 Prozent stärkste Fraktion geworden.Bild 45 von 51 | Foto: AP/AP/dapdFür die Nazis war Preußen nur von propagandistischer Bedeutung, der Freistaat spielte keine Rolle mehr. Am 21. März 1933 inszenierten sie den "Tag von Potsdam": ...Bild 46 von 51 | Foto: STR/AP/dapd... Der neu gewählte Reichstag trat in der Potsdamer Garnisonkirche zusammen, der Grabstätte der preußischen Könige. Als Bindeglied zwischen Hitler und dem alten Preußen diente Reichspräsident Hindenburg.Bild 47 von 51 | Foto: picture-alliance/ dpaEine Propagandapostkarte von 1933 zeigte die Köpfe von Friedrich II., Bismarck, Hindenburg und Hitler. "Was der König eroberte, der Fürst formte, der Feldmarschall verteidigte, rettete und einigte der Soldat."Bild 48 von 51 | Foto: /AP/dapdDieses von den Nazis instrumentalisierte Preußen war es, das die Alliierten 14 Jahre später auflösten.Bild 49 von 51 | Foto: Henry Griffin/AP/dapd"Die Wahrheit ist, dass Preußen ein europäischer Staat war, lange bevor es ein deutscher wurde", schreibt der Historiker Clark. "Deutschland war nicht die Erfüllung Preußens, sondern sein Verderben."Bild 50 von 51 | Foto: picture alliance / dpaNach der Wiedervereinigung gab es Vorschläge, Preußen wiederzubeleben, ein vereintes Bundesland aus Berlin und Brandenburg "Preußen" zu nennen. Durchsetzen konnten sich solche Pläne nicht. Preußen bleibt Geschichte. (Text: Hubertus Volmer)Bild 51 von 51 | Foto: picture-alliance / dpa