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Seit Tagen blickt die Welt gebannt nach Japan. Das verheerende Erdbeben, der anschließende Tsunami ...
... geriet der Konflikt in Libyen schon beinahe in Vergessenheit. Ein Konflikt vor den Toren Europas. Ein Konflikt, der unter anderen Umständen alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen hätte. Und ein Konflikt, ...
... dessen Eskalation in und außerhalb Libyens sich just in dem Moment abzeichnete, als das Unheil über Japan hereinbrach.
Als am 11. März die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union in Brüssel zusammenkommen, ...
... ist Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bereits vorgeprescht. Unterstützt von Großbritannien bringt er "gezielte Aktionen" in Libyen ins Gespräch - gemeint ist nichts anderes als ein militärisches Eingreifen in die erbitterten Kämpfe zwischen den Rebellen und den Truppen des Diktators Muammar al-Gaddafi in dem nordafrikanischen Land.
Sarkozys Vorstoß ist ebenso umstritten wie die mögliche Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen, deren Einhaltung durch Gaddafis Luftwaffe letztlich auch nur militärisch erzwungen werden kann. "Wir wollen nicht in einen dauerhaften Krieg in Nordafrika hineingezogen werden", bringt Bundesaußenminister Guido Westerwelle die zurückhaltende deutsche Haltung auf den Punkt.
Am Ende ringt sich der EU-Gipfel lediglich zu einem Minimalkompromiss durch: Er fordert Gaddafi "unverzüglich" zum Rücktritt auf und verschärft noch einmal die Finanzsanktionen gegen das libysche Regime.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso drückt es so aus: "Das Problem hat einen Namen: Gaddafi. Er muss gehen."
Auch in der Arabischen Liga, die sich nur einen Tag nach der EU zu Beratungen über den Libyen-Konflikt in Kairo trifft, wird die Frage einer Flugverbotszone kontrovers diskutiert. Für die EU ist klar: Die Zustimmung der Liga zu der Maßnahme ist in jedem Fall unabdingbar.
Vor dem Konferenzgebäude demonstrieren Gegner der Gaddafi-Diktatur. Doch die Vertreter Syrien, Algeriens, des Jemens und des Sudans - allesamt selbst autoritäre Regime - lassen sich ...
... von Protesten wie diesen nicht beeindrucken. Sie stemmen sich gegen ein Eingreifen in den libyschen Konflikt, ...
... unterliegen jedoch am Ende. "Die Arabische Liga hat den UN-Sicherheitsrat offiziell ersucht, eine Flugverbotszone gegen jegliche militärische Aktion gegen das libysche Volk zu verhängen", erklärt Liga-Generalsekretär Amr Mussa am Ende des Treffens.
Der Beschluss wird unter anderem von maßgeblichen Ländern wie Ägypten und Saudi-Arabien getragen. Zugleich befindet die Liga, die libysche Führung um Gaddafi habe durch die Angriffe auf das eigene Volk "ihre Legitimität verloren".
Die USA und mehrere europäische Staaten begrüßen die Erklärung. Deutschland aber bleibt zurückhaltend: "Eine Flugverbotzone ist eine militärische Intervention. Die Bundesregierung steht deshalb unverändert skeptisch gegenüber einem solchen Vorschlag", sagt Westerwelle. Doch der Ball ...
... liegt nun ohnehin im Feld des UN-Sicherheitsrats, der am 14. März Beratungen über das Gesuch der Arabischen Liga, die Flugverbotszone über Libyen einzurichten, aufnimmt. Während die Diplomaten tagen, ...
... gehen die Kämpfe in Libyen ebenso unvermindert weiter ...
... wie die Proteste gegen das Regime. Jedoch ...
... geraten die Auseinandersetzungen zusehends an einen Wendepunkt. Mit militärischer Unterstützung aus der Luft ...
... gelingt es Gaddafis Anhängern ...
... die Rebellen im Osten des Landes Stück für Stück zurückzuschlagen.
Der Qualm, der am 12. März über der Moschee von Ras Lanuf die Luft erfüllt, lässt die Hefigkeit der Kämpfe um den strategisch wichtigen Ölhafen am Mittelmeer erahnen.
Gaddafis Truppen gelingt es, die Stadt weitgehend unter Kontrolle zu bringen. Zeitgleich ...
... gerät das rund 100 Kilometer weiter östlich gelegene Brega unter Beschuss, ...
... so dass die Aufständischen auch hier schließlich kapitulieren müssen.
Am 14. März richten sich die Angriffe der regimetreuen Kämpfer gegen Adschdabija - die letzte größere Ortschaft, die die Truppen bei ihrem Marsch gen Osten noch von der Rebellenhochburg Bengasi trennt.
Bereits tags darauf verkündet Gaddafi in einer Fernsehansprache, dass auch Adschdabija erobert worden sei.
Die Anhänger des Diktators feiern - im Kampfgebiet ebenso ...
... wie in der Hauptstadt Tripolis. Allerdings stellt sich schon bald heraus, ...
... dass die Aufständischen in Adschdabija noch nicht geschlagen sind.
Dennoch: Gaddafis Einheiten schaffen den Vorstoß bis Bengasi. Am 17. März bombardieren sie den internationalen Flughafen der Stadt.
Hier, wo die Opposition gegen ihn besonders stark ist, will der libysche Machthaber offenbar mit aller Härte durchgreifen ...
... und kündigt ein Blutbad an, falls sich die Aufständischen in Bengasi nicht ergeben sollten. Wer noch eine Waffe in der Hand habe, wenn seine Truppen die Stadt einnähmen, werde "keine Gnade" erfahren, so Gaddafi.
Wie viele Opfer und Verletzte die Gewalt bislang bereits gefordert hat, weiß derzeit niemand so genau. Doch die Zahl dürfte in die Tausenden gehen, ...
... zumal auch aus dem Westen des Landes weiterhin Gefechte gemeldet werden. Gekämpft wird demnach noch immer ...
... in den rund um Tripolis gelegenen Orten Misurata, Suara und Sawija (im Bild).
Die Entwicklung in Libyen heizt in den Nachbarstaaten die Sorge vor wachsenden Flüchtlingsströmen an. Bisher handelt es sich bei denen, die etwa in Ägypten ...
... oder Tunesien in die Auffanglager strömen, vor allem um Ausländer und ihre Familien, die in Libyen gearbeitet hatten. Sollte der Aufstand jedoch niedergeschlagen werden, droht auch ein Massenexodus der einheimischen Bevölkerung.
Bislang sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR etwa 300.000 Menschen vor der Gewalt geflohen.
So erbarmungslos wie das libysche Regime gegen sein Volk vorgeht, so wirr, widersprüchlich und aggressiv sind weiterhin die Äußerungen seiner Führung (im Bild: Häuserfronten in Tripolis).
Seinem früheren "Freund" Sarkozy unterstellt Gaddafi nach dessen Gedankenspielen über einen internationalen Militäreinsatz in seinem Land eine "geistige Störung" (Archivbild von Dezember 2007). Die diplomatischen Beziehungen zu Frankreich lässt er aussetzen.
Der EU droht er, den Kampf gegen die illegale Einwanderung und den Terrorismus nicht weiter zu unterstützen, sondern seine Politik gegenüber dem Terrornetzwerk El Kaida "komplett zu ändern". Er werde der Welt "das Leben zur Hölle machen" und zu Vergeltungsschlägen im Mittelmeerraum ansetzen, falls sein Land von ausländischen Mächten angegriffen werde. Dabei hatten er ...
... und sein Sohn, Saif al-Islam al-Gaddafi, zuvor El Kaida für den Aufstand in Libyen noch verantwortlich gemacht. Letzterer bezeichnete die Rebellen selbst gar als "Terroristen", ...
... mit denen es keine Verhandlungen geben könne. Der Krieg gegen sie, so Saif al-Islam al-Gaddafi, werde "bis zum Ende" geführt.
Unter dem Eindruck der fortdauernden Gewalt in Libyen und der Drohgebärden der dortigen Machthaber geht das diplomatische Ringen um ein internationales Vorgehen in dem Konflikt weiter. Der G8-Gipfel am 15. März in Paris kann sich abermals nicht auf eine einheitliche Linie verständigen, ...
... unter anderem weil Deutschland auf seiner Ablehnung eines militärischen Einsatzes beharrt. Außenminister Westerwelle erläutert am 16. März vor dem Bundestag die Haltung der Regierung. Doch andernorts ...
... wächst der Druck, in die Geschehnisse in dem nordafrikanischen Land einzugreifen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bezeichnet das Vorgehen der libyschen Regierungstruppen gegen Zivilisten als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit".
Die USA, die bislang eine eher abwägende Haltung eingenommen hatten, vollziehen eine Kehrtwende. Ihre UN-Botschafterin Susan Rice geht dabei sogar über die Schaffung einer Flugverbotszone hinaus und bringt nun ebenfalls Luftschläge gegen Gaddafis Streitkräfte ins Spiel.
NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen drängt auf eine schnelle Entscheidung. "Wenn Gaddafi die Oberhand gewinnt, wird dies das Signal senden, dass Gewalt sich auszahlt", warnt er. "Die Zeit läuft ab."
So stehen die Zeichen bereits auf Sturm, als der UN-Sicherheitsrat am 17. März zu seiner entscheidenden Sitzung zusammentritt.
Besonders Frankreich, vertreten durch seinen Außenminister Alain Juppé, macht sich für einen Resolutionsentwurf stark, der nicht nur eine Flugverbotszone über Libyen vorsieht, sondern auch Luftschläge und andere "erforderliche Maßnahmen" zum Schutz von Zivilisten erlaubt.
Am Ende stimmen zehn Länder in dem Gremium für diesen Entwurf - Deutschland, Russland, China, Brasilien und Indien enthalten sich.
Während die Rebellen in Libyen das Ergebnis der Abstimmung feiern, ...
... macht sich bei anderen Sorge breit: "Wir sehen hier erhebliche Gefahren und Risiken", erklärt Westerwelle, ...
... und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt die deutschen Bedenken: Eine Luftoperation über Libyen sei "nicht hundertprozentig durchdacht".
Am 19. März beraten die Vereinten Nationen über das konkrete Mandat für den Einsatz. Die Zeit wird knapp.
Frankreich, Großbritannien und mehrere andere Staaten bereiten unterdessen den Ernstfall vor. Die UN-Resolution lässt außer dem Einsatz von Bodentruppen nahezu alle militärischen Optionen zu. Was fehlt, ist nur noch der Einsatzbefehl.
Die Aufständischen in Libyen fordern die internationale Gemeinschaft auf, schnell zu handeln: Gaddafi stehe kurz vor der Einnahme der Rebellenhochburg Bengasi.
Und die UN handeln.
Der Einsatzbefehl kommt: Die Alliierten machen sich auf den Weg nach Libyen.
"Odyssey Dawn", wie die USA den Einsatz nennen, beginnt.
Frankreich feuert nach eigenen Angaben die ersten Schüsse auf libysche Regierungstruppen ab.
Und auch die USA schießen Raketen auf Ziele in dem Land.
Im Schatten der Tragödie in Japan ist der Konflikt in Libyen eskaliert.
Vor den Toren Europas beginnt der Krieg gegen Gaddafi. (Im Bild:Libysche Flüchtlinge an der Grenze zu Tunesien).
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