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Politik

Vom Helden zur Witzfigur : Boris Jelzin

 
Vom Helden zur Witzfigur : Boris Jelzin

Er war eine der schillernden Figuren Russlands: ...

... Der ehemalige Präsident Boris Jelzin, ...

... der am 23. April 2007 als einer der unbeliebtesten Politiker seines Landes an Herzinsuffizienz starb.

Die Mehrzahl der Russen verbindet Jelzins Jahre an der Macht mit dem Zerfall der Sowjetunion ...

... mit Chaos, Armut, Raubkapitalismus ...

... und Krieg im eigenen Land.

Erst in seinen letzten Lebensjahren ....

... nahm der Zorn der Russen über seine Regierungsjahre langsam ab.

Jelzin wurde am 1. Februar 1931 in einer armen Bauernfamilie im Dorf Butka im Ural geboren. Die Familie lebte in einer Holzhütte mit nur einem Zimmer.

Um sich im Winter zu wärmen, legten die Kinder die Milchziege neben sich auf den Boden.

Jelzin schaffte als Manager einer Bauerfirma den Sprung aus der Armut ...

... und trat schon bald in die Kommunistische Partei ein.

Sein Weg führte ihn 1975 an die Spitze der Partei in Swerdlowsk, dem heutigen Jekaterinburg.

Der Chef der Kommunistschen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Michail Gorbatschow, holte ihn zu Beginn der Perestroika-Zeit nach Moskau ...

... und machte ihn dort zum Parteichef.

Schnell profilierte sich Jelzin in den Perestroika-Zeiten als Radikalreformer ...

... und brachte sich damit in Gegensatz zu Gorbatschow und konservativen Kräften in der KPdSU.

Ende 1987 musste Jelzin, der weitgehende Reformen forderte, sein Amt aufgeben.

Mit 89 Prozent der Wählerstimmen im Rücken zog er 1989 jedoch in den sowjetischen Kongress der Volksdeputierten ...

... und anschließend in den russischen Volksdeputiertenkongress ein, ...

... der ihn im Mai 1990 zu seinem Vorsitzenden machte.

Aus der Partei trat er bald aus.

Am 16. Juni 1991 wurde er erster direkt gewählter Präsident der russischen Sowjetrepublik.

Er setzte sich dabei gegen kommunistische und nationalistische Rivalen durch.

Wenig später, im August 1991, spielte er eine Schlüsselrolle ...

... bei der Niederschlagung eines Putschversuchs gegen Gorbatschow.

Durch seinen mutigen Widerstand ...

... brachte er den Putsch orthodoxer Kommunisten zum Scheitern.

Gorbatschows Macht schwand immer mehr, wenig später entmachtete Jelzin ihn gänzlich.

Gemeinsam mit den Republikchefs von Weißrussland und der Ukraine unterzeichnete er im Dezember 2001 ein Abkommen, ...

... das die Sowjetunion auflöst.

Gorbatschow, der Präsident ohne Land, trat zurück.

Im September 1993 löste Jelzin das Parlament auf, dem er vorwarf, Verfassungsreformen und Wahlen zu blockieren.

Abgeordnete verbarrikadierten sich im Parlamentsgebäude.

Am 4. Oktober griffen Anhänger des Parlaments eine Fernsehstation in Moskau an. Am folgenden Tag schickte Jelzin Panzer gegen die Abgeordneten und schlug damit den Aufstand nieder.

Wernig später stimmten Russlands Wähler einer Verfassung zu, die dem Präsidenten mehr Befugnisse gibt.

Boris Jelzins Amtszeit wird überschattet vom Tschetschenien-Krieg.

Am 11. Dezember 1994 schickte er Truppen in die Kaukasus-Republik, ...

... um einen Aufstand niederzuschlagen.

In 21 Monaten sterben zehntausende Menschen.

Trotz des Kriegs wurde Jelzin im Juli 1996 wiedergewählt - ...

... obwohl er während des Wahlkampfs mehrfach aus der Öffentlichkeit verschwand.

Später teilt das Präsidialamt mit, ...

... er habe mehrere Schlaganfälle erlitten.

Immer wieder war Jelzin krank, ...

... die politischen Aktivitäten kamen praktisch zum Erliegen.

Die Wirren der Jelzin-Jahre ....

... sind der russischen Bevölkerung vor allem als eine Phase der tiefen persönlichen ...

... und außenpolitischen Erniedrigung in Erinnerung geblieben.

Unvergessen ist bis heute eine Zwischenlandung des Präsidenten 1994 in Irland.

Jelzin sollte hier den damaligen Premier Albert Reynolds treffen.

Doch während die Ehrenformation wartete, ...

... schlief Jelzin im Flugzeug weiter.

Der rote Teppich wurde wieder eingerollt.

Seine Leibwächter hätten ihn nicht geweckt, sagte Jelzin später in Moskau.

Auch beim Abschied russischer Truppen in Deutschland verhielt sich Jelzin auffällig.

Spontan dirigierte er eine Musikkapelle und begann zu singen.

Die "Komsomolskaja Prawda" enthüllte den Hintergrund: ...

Offenbar fand der Präsident in der Nacht zuvor keinen Schlaf.

Daraufhin rief er den Verteidigungsminister Pawel Gratschow zu sich und trank mit ihm bis zum Morgen.

Dies erleichterte ihm offenbar den Rückzug der Truppen.

Diese öffentlichen Fehltritte, ...

... wie auch der Tschetschenien-Krieg ließen seine Popularität schwinden.

Vor allem aber mangelnde wirtschaftliche Erfolge kosteten ihn die Popularität der frühen Jahre.

Für Turbulenzen sorgte die Privatisierung der Wirtschaft , ....

... in deren Folge die Oligarchen zu Macht und Reichtum kamen.

Im letzten Amtsjahr kamen auch noch Vorwürfe der Bestechlichkeit und persönlichen Bereicherung hinzu.

Der Einfluss seiner Familie wurde immer zweifelhafter.

Am 31. Dezember 1999 trat Jelzin schließlich zurück.

Ministerpräsident Wladimir Putin wurde sein Nachfolger.

Bei der Präsentation Putins entschuldigte sich Jelzin zugleich öffentlich ...

... für die im Amt begangenen Fehler. (Alle Fotos: dpa und AP)

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