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Politik

Chronik: Der Terror der RAF

 
Die Rote Armee Fraktion - besser bekannt unter ihrem Kürzel RAF - hält 30 Jahre lang die Bundesrepublik in Atem. Am Anfang steht eine Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt/Main 1968 und am Ende die "Selbstauflösung" 1998.

Die Rote Armee Fraktion - besser bekannt unter ihrem Kürzel RAF - hält 30 Jahre lang die Bundesrepublik in Atem. Am Anfang steht eine Kaufhausbrandstiftung in Frankfurt/Main 1968 und am Ende die "Selbstauflösung" 1998.

34 Menschen werden von den RAF-Terroristen ermordet. Der Irrtum, durch Morde und Bombenanschläge die "potenziell revolutionären Teile des Volkes" zu einer "Revolution" zu mobilisieren, kostet auch über zwei Dutzend "bewaffnete Kämpfer" das Leben.

Mit der Geiselnahme von Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer am 5. September 1977 in Köln beginnt eine Entwicklung, die als "Deutscher Herbst" in die Geschichte eingeht: Mehr als sechs Wochen lang hält die Terrorwelle der "Rote Armee Fraktion" an.

Fast 30 Jahre danach sind die meisten der "Lebenslänglichen" aus den RAF-Reihen wieder in Freiheit. Nur noch Christian Klar, Eva Haule und Birgit Hogefeld sind noch in Haft.

Keiner aus den RAF-Reihen büßte für seine Taten länger als Klar (l) und Mohnhaupt.

Mohnhaupt gilt als Rädelsführerin der Schleyer-Entführung, auch an der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback war sie beteiligt, ...

... und bei der missglückten Entführung von Jürgen Ponto soll sie mindestens fünf der tödlichen Schüsse auf den Dresdner-Bank-Chef abgefeuert haben. (Im Bild: Arbeitgeberpräsident Schleyer)

Auch in Haft gibt sich Mohnhaupt lange Zeit unbelehrbar. 1993, als eine Reihe von RAF-Häftlingen die Abkehr vom "bewaffneten Kampf" erklären, lehnt sie Zugeständnisse an den verhassten Staat kategorisch ab.

Christian Klar gilt als der Mann im Windschatten von "Mohnhaupt" und als ein besonders gewalttätiger "Kämpfer" in den Reihen der Linksterroristen.

1985 wurde er zu fünf mal lebenslanger Haft verurteilt.

Wie er nach all den Jahren im Gefängnis denkt, davon konnte sich die Öffentlichkeit bei zwei Interviews ein Bild machen.

Zahlreiche Morde gehen auf sein Konto (Foto: Einfahrt zu Pontos Villa).

Er wolle den "Aufbruch", den auch die RAF dargestellt habe, weitertragen. "Ich fühle mich verantwortlich, da nichts zuzuschütten oder zu denunzieren", sagt er 2001 (Foto: die Ermordeten Ponto und Buback).

Schon Jahre zuvor hatte er deutlich gemacht, dass die RAF für ihn Geschichte ist: An eine Wiederbelebung des bewaffneten Kampfes denke er nicht.

Angefangen hatte alles mit Thorwald Proll, Horst Söhnlein, Andreas Baader und Gudrun Ensslin (v.l.). Am 2. April 1968 legen sie in zwei Frankfurter Kaufhäusern Feuer - u.a. aus Protest gegen Kapitalismus und den Vietnamkrieg. Noch entsteht nur Sachschaden.

Doch der erste Schritt ist gemacht vom anarchistischen Politprotest der Studentenbewegung zum politisch motivierten Einsatz von Gewalt. Weil Baader mit der Tat prahlt, kann die Polizei die Brandstifter schon am nächsten Tag verhaften.

Am 31. 10. 1968 werden die Angeklagten zu drei Jahren Haft verurteilt, im Juni 1969 bis zur Entscheidung über ihren Revisionsantrag aus der Haft entlassen. Als der Bundesgerichtshof fünf Monate später die Revision verwirft, fliehen Baader und Ensslin ins Ausland.

Später kehren sie zurück und schlüpfen als "Hans" und "Grete" bei der Journalistin Ulrike Meinhof (l) in Berlin unter.

Beim Versuch, Waffen zu beschaffen, wird Baader von einem Spitzel des Verfassungsschutzes am 3. April 1970 in eine Falle der Polizei gelockt. Seine von Gudrun Ensslin initiierte und von Ulrike Meinhof vorbereitete Befreiung am 14. Mai 1970 gilt als Geburtsstunde der RAF.

Die RAF-Aktivisten fliehen nach Jordanien und werden von der palästinensischen Fatah im Guerilla-Krieg ausgebildet. (Foto: Ausstellung "Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF" 2005 in Berlin).

Die spektakulärsten Fälle der RAF sind die Morde am Berliner Kammergerichtspräsidenten Günter von Drenkmann 1974, ...

... an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, ...

... Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto ...

... und Arbeitgeber-Präsident Hanns Martin Schleyer 1977.

Das RAF-Kommando Holger Meins überfällt im April 1975 die deutsche Botschaft in Stockholm und erschießt zwei Diplomaten (Foto: Militärattache Andreas von Mirbach).

Mit der Aktion sollen 26 Gesinnungsgenossen freigepresst werden. Der RAF-Aktivist Holger Meins stirbt 1974 an den Folgen eines kollektiven Hungerstreiks der inhaftierten RAF-Mitglieder.

Schleyer wird am 5. September 1977 gekidnappt. Einen Tag nach der Entführung fordert die RAF die Freilassung inhaftierter Terroristen in ein Land ihrer Wahl. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) lehnt ab (Foto: Regierungssprecher Klaus Bölling).

Am 13. Oktober 1977 kapern vier palästinensische Terroristen (Foto: die 21-jährige Palästinenserin Nadia Schehadeh Duaibis) ...

... die Lufthansa Maschine "Landshut", die auf dem Flug von Mallorca nach Deutschland ist.

Sie entführen die Maschine mit 91 Menschen an Bord nach Somalia ...

... und fordern die Freilassung der RAF-Inhaftierten sowie 15 Millionen US-Dollar (Foto: Pilot Jürgen Schumann wird von einem Entführer mit einer Pistole bedroht und später erschossen).

Im Falle einer Verweigerung drohen sie mit der Ermordung Schleyers und aller Flugzeuginsassen. Letzteres kann ein Bundesgrenzschutz-Kommando (GSG 9) verhindern (Foto), das am 18. Oktober die Geiseln in Mogadischu befreit.

Die Geiseln kehren nach Hause zurück.

Wenige Stunden später werden im Gefängnis Stuttgart-Stammheim die Leichen der drei RAF-Anführer Andreas Baader (Foto: seine Zelle), Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe gefunden. Sie hatten Selbstmord begangen. Meinhof hatte sich bereits 1975 umgebracht.

Am 19. Oktober 1977 wird Schleyer im Kofferraum eines Autos ermordet aufgefunden. (Im Bild: Bundeskanzler Schmidt zusammen mit der Witwe Waltrude Schleyer bei der Trauerfeier)

Ohne Baader, Ensslin und Meinhof scheint auch die RAF tot. Aber die zweite Generation ist längst nachgerückt, an deren Spitze Brigitte Mohnhaupt (Foto) steht. Die "Generalbevollmächtigte" Baaders wird erst nach fünf Jahren aufwändiger Fahndung 1982 gefasst.

Etliche Terroristen tauchen Anfang der achtziger Jahre in der DDR unter. Nach der Wende werden im Juni 1990 insgesamt zehn RAF-Aussteiger enttarnt (Foto: Susanne Albrecht, rechts) ...

... und in Berlin, Magdeburg, Senftenberg, Frankfurt (Oder), Schwedt und Neubrandenburg verhaftet (Foto: Inge Viet).

Fünf ehemalige Stasi-Offiziere werden wegen des Verdachts einer RAF-Unterstützung verhaftet.

1984 nehmen Baader-Meinhofs Enkel den "bewaffneten Kampf" auf. Die "dritte Generation" ermordet zehn Menschen: 1989 wird der Deutsche-Bank-Sprecher Alfred Herrhausen ...

... mit seinem Wagen in die Luft gesprengt.

1991 erschießen die Terroristen in Düsseldorf Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder.

1993 gerät die RWF noch einmal in die Schlagzeilen, als auf dem Bahnhof von Bad Kleinen in Mecklenburg-Vorpommern (Foto: RAF-Symphatisanten demonstrieren am 11. Juli 1993 gegen den Tod von Wolfgang Grams) ...

... die Terroristen Wolfgang Grams ...

... und Birgit Hogefeld gestellt werden.

Der Einsatz ist ein Fiasko (Foto: Spurensuche in Bad Kleinen). Etliche Fahndungspannen kommen ans Licht. Bundesinnenminister Rudolf Seiters (CDU) muss seinen Hut nehmen; Generalbundesanwalt Alexander von Stahl wird entlassen.

Grams (Foto) und der GSG 9-Kommissar Michal Newrzella kommen ums Leben.

Auch die RAF ist am Ende und erklärt im März 1998 ihre Auflösung: "Vor 28 Jahren am, 14. Mai 1970 entstand aus einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte."

Doch die Täter dieser "dritten Generation" sind immer noch weitgehend unbekannt. Nur zwei werden verurteilt. Das vorerst letzte Strafverfahren endet am 28. September 2004. (Fotos: dpa, AP)

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