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Hillary Rodham Clinton, 60 Jahre alt, Mutter, Ehefrau, Anwältin, Ex-First-Lady, möglicherweise die künftige Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika.
Doch bevor sie in das Rennen um die Präsidentschaft gehen kann, muss sie zunächst den internen Ausscheid der Demokraten gewinnen.
"Wahrscheinlich bin ich die berühmteste Person, die man nicht wirklich kennt", sagt Hillary über sich selbst. An diesem Umstand dürfte sie selbst nicht unschuldig sein.
2007 erscheinen zwei Biographien über sie, eine davon vom Watergate-Reporter Carl Bernstein. Er rühmt ihren Verstand, ihre Energie und ihr strategisches Geschick und kritisiert ihren Hang zu Tarnung, der leicht als Unaufrichtigkeit verstanden werden könne.
Vieles an Hillary Clinton kann man nicht verstehen, ohne einen Blick auf ihre Kindheit zu werfen.
Hillary selbst schildert ihre frühen Jahre in Park Ridge (Illinois), einem Vorort von Chicago, als Idylle.
Freunde ihrer Familie berichten hingegen von einem sarkastischen und tyrannischen Vater, der dem Mädchen alles Weibliche verbietet.
Sie darf keine Kleider kaufen, nicht zur Tanzschule gehen, Hillarys Wunsch nach Taschengeld fegt Hugh Ellsworth Rodham mit den Worten vom Tisch: "Kinder essen und schlafen schon umsonst, wir entlohnen sie nicht noch obendrein."
Auch ihre Mutter Dorothy, die für die Ehe mit dem Vater Studium und Beruf ausgeschlagen hatte, lehrte die junge Hillary eher die harte Tour. Legendär ist ihr Satz, Hillary müsse für sich selbst einstehen, im Haus Rodham sei "kein Platz für Feiglinge".
Später kann man Clinton vieles vorwerfen, ein Feigling ist sie nicht.
Die politische Hillary Clinton wird an verschiedenen Punkten immer wieder bekräftigen: "Ich bin eine Kämpferin."
Clinton besucht das Elite-College Wellesley, eines der so genannten Seven Sisters Colleges. Ihre Bachelorarbeit schreibt sie über den US-Bürgerrechtler Saul Alinsky.
1969 ist sie eine der ersten Frauen, die an der Elite-Universität Yale aufgenommen werden. Sie studiert Jura.
Ein Jahr später lernt sie hier ihren Kommilitonen und späteren Mann Bill Clinton kennen, den sie 1975 heiratet.
Zu einer Zeit, als dies in Amerika noch völlig unüblich ist, behält sie zunächst ihren eigenen Nachnamen bei, steigt erst später auf Rodham Clinton um.
1979 wird sie der erste weibliche Partner der Anwaltskanzlei Rose Law Firm in Little Rock (Arkansas).
Im Jahr darauf wird Tochter Chelsea geboren.
Hillary Clinton ist die klassische berufstätige Mutter, sie arbeitet als Anwältin und als Professorin an der Law School der Universität von Arkansas.
Ihre politischen Ambitionen werden früh deutlich, bereits 1969 hält sie eine beim Jahrgangsabschluss der Universität Wellesley vielbeachtete Rede.
"Unsere Aufgabe ist es nun, Politik als jene Kunst zu praktizieren, die Unmögliches möglich macht", sagt die 22-jährige Clinton und wird daraufhin vom Magazin Life als künftige Führungskraft vorgestellt.
1974 arbeitet sie als Rechtsberaterin für den Justizausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses.
Zusammen mit mehreren Kollegen stellt sie Beweise zusammen, um gegen Präsident Richard Nixon wegen der Watergate-Affäre ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten.
Als Bill Clinton 1978 zum Gouverneur von Arkansas gewählt wird, bringt er eine engagierte First Lady mit, die sich für eine neue Bildungspolitik einsetzt.
Im Präsidentschaftswahlkampf ihres Mannes 1992 wirbt das Paar offensiv mit der starken Frau an seiner Seite.
Der Slogan "Zwei zum Preis von einem" ist für viele Amerikaner eine Provokation, eine mitarbeitende, emanzipierte First Lady hat es bis dato so nicht gegeben.
Hillary Clinton startet mit klaren Vorstellungen für eine neue Gesundheitspolitik, doch sie verstrickt sich in den Wirren einer gigantischen Reform und sieht sich einer Vielzahl von Skandalvorwürfen ausgesetzt.
Es geht um windige Immobilien-Geschäfte in der Whitewater-Affäre, den Vorwurf des Amtsmissbrauchs in der Travelgate-Affäre und sogar um Mordvorwürfe nach dem mysteriösen Selbstmord ihres Vertrauten Vincent Foster.
Sie trotzt allen Ermittlungen und kann sich dennoch nicht völlig reinwaschen.
Und dann ist da noch die Affäre Lewinsky, jenes Techtel-Mechtel, das ihr Mann, den viele für einen notorischen Schürzenjäger halten, mit einer jungen Praktikantin hat.
Zunächst bestreitet Clinton das Verhältnis, später räumt er eine"unangebrachte Beziehung" mit der Praktikantin ein.
Hillary Clinton greift in dieser Situation auf ihre zutiefst religiöse Erziehung zurück und auf einen ehernen Satz ihrer Mutter, Scheidung ist keine Option.
Der Abstand zwischen den Eheleuten ist in dieser Zeit unübersehbar, ...
... Jahre später wird sie in ihrem eigenen Wahlkampf dazu sagen: " "Ich war böse, ich war wütend, ich war enttäuscht - all das ging mir durch den Kopf. Aber ich habe gelernt, dass man niemals im Affekt Entscheidungen treffen darf."
Kritiker werfen ihr vor, sie habe aus Berechnung an der Ehe festgehalten, die nur noch ein Arrangement sei. "Du musst ehrlich zu dir selbst sein. Keine Geschichte ähnelt der anderen. (...)
(...) Niemand kennt wirklich die Situation, in der ein anderer steckt, niemand kann über einen anderen urteilen. Du musst das tun, was für dich das Richtige ist und das ist nicht unbedingt das, was irgendjemand sonst glaubt."
Im Lauf der zwei Amtszeiten von Bill Clinton wird aus Hillary eine klassische First Lady mit Perlenkette, die Erziehungsbücher schreibt.
Doch schon zum Ende der Zeit im Weißen Haus beginnt Hillary Clinton erneut mit der Umsetzung ihrer eigenen politischen Ambitionen.
Vor dem Auszug aus dem Weißen Haus kaufen die Clintons ein neues Domizil in Chappaqua im Bundesstaat New York.
Sie organisiert ihre Bewerbung um den Senatorenposten für den Staat New York. Der demokratische Senator Daniel Patrick Moynihan will nicht erneut kandidieren.
Nachdem Rudolph Giuliani wegen einer Krebserkrankung als republikanischer Konkurrent ausfällt, kandidiert Clinton gegen Rick Lazio und gewinnt die Wahl klar mit 55 zu 43 Prozent.
Wieder ist sie die Erste, die erste Frau eines US-Präsidenten, die ein politisches Amt anstrebt - und gewinnt. Und sie ist eine der ersten weiblichen Senatoren, die ins Oberhaus des US-Kongresses einziehen.
Der Auszug aus dem Weißen Haus - die Wahlen hat der Republikaner George W. Bush gewonnen - steht bereits im Zeichen der neuen Aufgabenverteilung des Präsidentenpaares Clinton.
Er soll künftig sie unterstützen.
Im neuen Amt nimmt sie sich zurück und respektiert die langjährigen Hierarchien im Senat.
Sie sucht den Ausgleich, arbeitet mit jenen Republikanern zusammen, die ihren Mann zuvor bis aufs Blut bekämpft hatten.
Sie geht zu den Menschen im Staat New York, hört sich ihre Nöte an und macht sich in Washington für sie stark.
Hillary Clinton, die Musterpolitikerin, fleißig und kollegial, offen für Kompromisslösungen.
Davon profitiert auch ein junger Senator aus Illinois, Barack Obama, den sie nach seiner Wahl in den Senat 2004 in Washington unter ihre Fittiche nimmt.
Im November 2006 wird sie mit 67 Prozent der Stimmen als Senatorin bestätigt.
Am 20. Januar 2007 gibt sie bekannt, dass sie sich um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bewerben will. "I'm in and I'm in to win" kündigt sie auf ihrer Webseite an.
Für den Traum, die erste Frau im Weißen Haus zu sein, wirft sie nun all ihre Stärken in die Waagschale, ihre überlegene Intelligenz, ihren politischen Scharfsinn, ihre enorme Kampfbereitschaft.
Zunächst ist sie die Umfragenkönigin.
Sie ist im mächtigen Verteidigungsausschuss, besuchte mehrfach Irak und Afghanistan, verweist auf 35 Jahre politische Erfahrung.
Sie war in 82 Ländern, kannte Boris Jelzin, ?
? Benazir Bhutto, ?
? sie ist vertraut mit Nelson Mandela, sie kennt die Welt und die Großen der Welt.
Sie besitzt die Sicherheit und die Erfahrung, die vertanen Bush-Jahre wieder gut zu machen, das ist ihre Botschaft.
Doch dann steigt Barack Obama in den Ring, und plötzlich stehen Jugend gegen Establishment, Wandel gegen Erfahrung, Mann gegen Frau, Schwarz gegen Weiß.
In der allgemeinen Begeisterung für Obama sieht Clinton schlecht aus, die alten Schablonen greifen wieder.
Ist sie emotional, ist sie zu sehr Frau? Ist sie nicht emotional, ist sie die kalte und berechnende Politmaschine?
Tritt sie mit Bill auf, kommt sie wohl ohne ihn nicht ins Weiße Haus. Tritt sie ohne ihn auf, ist er wahrscheinlich schon wieder hinter anderen Frauen her.
Doch der Hauptangriffspunkt ihrer Kritiker ist Clintons Zustimmung zum Krieg im Irak.
Sie weigert sich bis heute, dieses Votum als Fehler zu bezeichnen und verweist vielmehr auf die Argumentation der Bush-Administration zur Begründung des Waffengangs. (Im Bild Außenminister Powell am 5. Februar 2003 vor dem UN-Sicherheitsrat)
Clintons Wahlkampf ist ein Projekt in Entwicklung, zu Beginn ist sie die Staatsmännische, später die Angriffslustige, ...
... zwischendurch die emotional Authentische und zuletzt die Nahbare.
Anfang 2007 gewinnt Obama 12 Staaten in Folge, einige entwerfen bereits Ausstiegsszenarien.
Nach dem Debakel in Maine entlässt sie ihre Wahlkampf-Managerin Patti Solis Doyle.
Die neue Frau hinter Hillary ist Margaret Williams, Ex-Mitarbeiterin im Weißen Haus, eine langjährige Vertraute, Weggefährtin, Freundin.
Clinton schaltet einen neuen TV-Spot, 30 Sekunden lang sind schlafende Kinder zu sehen. Aus dem Off sagt eine Stimme: "Es ist drei Uhr morgens und Ihre Kinder schlafen sicher. Aber im Weißen Haus klingelt ein Telefon. Etwas passiert in der Welt. (...)
(...) Ihre Stimme wird entscheiden, wer diesen Anruf annimmt."
Auch Clintons Unterstützer machen mobil. Nachdem sie privates Geld in ihren Wahlkampf gesteckt hat, fließen die Spenden wieder reichlicher. Allerdings nicht so reichlich wie bei Obama.
Madonna, ?
? John Bon Jovi ?
... und Eva Longoria treten für Clinton ein.
Jack Nicholson macht gar ein Unterstützervideo, mit Ausschnitten aus seinen bekanntesten Filmen ...
... und der Botschaft, Hillary Clinton sei die richtige Präsidentin.
Clintons Tochter Chelsea, sonst eher öffentlichkeitsscheu, versucht der Kampagne zu geben, was Obama im Überfluss zu haben scheint, den Hauch von Jugend.
Sie spricht inzwischen auch mit den Superdelegierten, denen wohl die Rolle zufallen wird, das innerdemokratische Rennen zu entscheiden.
Dennoch gilt die Clinton-Kampagne als eine der schlechtesten seit Jahren.
Ein neuer Wahltag, Clinton gewinnt Ohio, Texas und Rhode Island. Plötzlich sind auch ihre Wähler wieder da, Frauen, Arbeiter, Latinos und auch viele Unentschlossene.
Für sie alle sind Clintons Ziele verlockend, eine radikale Reform des Gesundheitswesens, eine höhere Besteuerung von Wohlhabenden sowie eine Verbesserung der Beziehungen zu Alliierten wie Deutschland.
Und nicht zuletzt ein gestaffelter Abzug der Truppen aus dem Irak.
Es ist das zweite Clinton-Comeback nach New Hampshire.
Die Kämpferin ist zurück. Sie will ins Weiße Haus und diesmal will sie das Sagen haben.
Ihrem Kontrahenten Obama versucht sie nun eine Tandem-Lösung schmackhaft zu machen, mit ihr an der Spitze selbstverständlich. Dann ginge es gemeinsam gegen den Republikaner McCain und ums Weiße Haus.
Sie wird in den Ring steigen, für jeden Staat, jede Stimme.
Sie wird versuchen, den Delegiertenstimmen aus Michigan und Florida doch noch Geltung zu verschaffen, obwohl diese Staaten wegen des vorgezogenen Wahltermins ausgeschlossen wurden.
Sie scheint sogar in Kauf zu nehmen, dass am Ende kein Demokrat die Wahl gewinnt.
Nach vier Jahren Präsident McCain wäre sie immer noch da.
Und sie wäre bereit zu kämpfen, denn ein Feigling ist sie wirklich nicht.
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