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Politik

Februar 2008: Obamania in den USA

 
Er ist die Überraschung der Vorwahlen in den USA: Barack Hussein Obama, Jr.

Er ist die Überraschung der Vorwahlen in den USA: Barack Hussein Obama, Jr.

Nicht nur, dass er seiner demokratischen Gegenkandidatin Hillary Clinton ernsthafte Konkurrenz macht, er scheint das Land in einen Rausch zu versetzen.

Von seinem politischen Zauber schwärmen die Kommentatoren; er sei mutig, voller Urteilskraft und politischer Intelligenz. Er habe die Fähigkeit, die Menschen zu inspirieren.

Zu Zehntausenden kommen die Menschen in Hallen und Stadien zusammen, um seine Botschaft zu hören: "Yes, we can."

Zudem ist Obama ein sehr eindrucksvoller Mann. Sein Biograf Christoph von Marschall bei n-tv.de: "Er sieht gut aus, hochgewachsen, schlank, sportlich, er hat ein anziehendes Lächeln, er kann gut Kontakt zu Menschen aufbauen, er ist ein guter Redner. ...

... Viele haben regelrecht einen Glanz in den Augen, wenn sie ihn erlebt haben, es hat fast etwas Religiöses."

Immer wieder wird er mit dem von 1961 bis 1963 amtierenden Präsidenten John F. Kennedy verglichen, als der "schwarze Kennedy" oder "JFK in Schwarz" wurde er zu Beginn seiner Kandidatur bezeichnet, ....

... doch selbst dieser Ritterschlag ist inzwischen nicht mehr genug. Er vereine "Jacks vorausweisende ironische Coolness" mit "Bobbys ernstem, inspirierenden Eifer", schrieb der "New Yorker".

Sogar der Kennedy-Clan scheint ihn inzwischen als einen der ihren anzuerkennen. Der inzwischen 75-jährige Ted Kennedy, der einzige Überlebende der Kennedy-Brüder, sagte Obama seine volle Unterstützung zu.

Er sehe in Obama einen "Hoffnungsträger und Visionär", genau das, was das Land brauche. Obama mache die Hoffnung für alle lebendig, "die noch an den amerikanischen Traum glauben".

JFKs Tochter Caroline verglich Obama mit ihrem Vater und nannte ihn "den Präsidenten, den wir brauchen".

Auch Ted Kennedys Sohn, der Kongressabgeordnete Patrick Kennedy und die Kennedy-Nichte Maria Shriver unterstützen Obama.

Shriver nannte ihn einen "Träumer und Führer". Die Superlative reichen Obamas Anhängern kaum aus, um auszudrücken, was sie in ihm sehen und letztlich auch von ihm erhoffen.

Aus dem "frischen Gesicht", dem "schimmernden Stern am demokratischen Himmel" ist ein "politischer Rockstar" geworden, der den Amerikanern den Glauben an sich selbst zurückgeben soll.

Und die Lebensgeschichte des Barack Obama liest sich in der Tat wie der wahr gewordene amerikanische Traum.

1961 kommt Obama in Honolulu zur Welt, seine Eltern hatten sich am East-West-Center der Universität Hawaii kennengelernt, wo sowohl sein aus Kenia stammender Vater als auch seine amerikanische Mutter studieren.

Obama ist stolz auf seine afrikanischen Wurzeln. Das Bild zeigt ihn mit seiner Großmutter Sarah Hussein Obama im kenianischen Nyongoma Kogelo. Er besucht sie, so oft er kann.

Afrika liegt Obama am Herzen. Hier bei einem Treffen mit dem früheren anglikanischen Erzbischof Desmond Tutu im südafrikanischen Kapstadt.

Wie Bill Clinton setzt sich Obama für die Bekämpfung der Immunschwäche-Krankheit Aids ein. Öffentlicher HIV-Test mit Gattin Michelle in Kenia, wo Aids immer noch ein Stigma ist.

Die Ehe der Eltern hält nicht lange.

Der Vater verlässt die Familie. Sie sehen sich nur noch einmal wieder, als Obama zehn Jahre alt ist. Obama, Sr., stirbt 1982 bei einem Autounfall in Kenia.

Nach der Scheidung 1963 geht die Mutter mit Barack nach Jakarta. Sie hatte inzwischen einen Indonesier geheiratet.

Vier Jahre lang geht Obama hier zur Schule - unter anderem auf eine islamische Schule, was im Wahlkampf in den USA für Aufregung sorgte.

Ab 1971 lebt Obama wieder auf Hawaii, ...

... wo er bei den Eltern seiner Mutter aufwächst.

Nach dem High-School-Abschluss 1979 (mit Auszeichnung) ...

... studiert Obama Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen. 1983 macht er seinen Abschluss.

Zunächst geht er den Weg eines aufstrebenden Karrieremachers und arbeitet für ein Wirtschaftsberatungsunternehmen, ...

... dann aber wechselt er zu einer gemeinnützigen Organisation in Chicago, die Einwohnern armer Viertel hilft.

Doch es zieht ihn zurück an die Uni.

1988 studiert er wieder, diesmal Jura an der Elite-Uni Harvard.

1990 wird er als erster Afroamerikaner zum Präsidenten der renommierten Fachzeitschrift "Harvard Law Review" gewählt - ein perfektes Sprungbrett für eine Karriere als Anwalt.

Doch Obama kehrt 1992 nach Chicago zurück, wo er bis heute lebt. Ab 1993 arbeitet er in einer auf Bürgerrechte spezialisierten Anwaltskanzlei.

Außerdem lehrt er bis zu seiner Wahl in den US-Senat 2004 Verfassungsrecht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der University of Chicago.

Anfang der 90er Jahre beginnt auch seine politische Aktivität; er organisiert eine politische Kampagne, um afroamerikanische Wähler zu registrieren und zu mobilisieren.

1996 wird er selbst in den Senat des Staates Illinois gewählt.

Im Jahr 2000 unternimmt er einen Versuch, ins US-Repräsentantenhaus gewählt zu werden, scheitert jedoch - rückblickend ein Glück, ...

... denn 2004 kann er so in Illinois für den US-Senat kandidieren.

All diese Schritte mögen nur politisch Eingeweihten aufgefallen sein, doch im Juli 2004 tritt Obama erstmals ins nationale Rampenlicht. Er steht gerade im Wahlkampf um den Senatorenposten ...

... und hält als vielversprechendes Talent auf dem Kongress der Demokraten vor der Präsidentschaftswahl die Grundsatzrede. Er erinnert daran, wie seine eigene Familie dem amerikanischen Traum gefolgt ist und er kritisiert den Krieg im Irak.

Mit seinem Aufruf, "Hoffnung zu wagen", reißt er das Parteivolk mit. Bereits jetzt ist sein Slogan die Einheit: "Es gibt kein liberales Amerika und kein konservatives Amerika. Es gibt nur die Vereinigten Staaten von Amerika."

Den Sprung aus dem Senat in Springfield - der Hauptstadt von Illinois - in den Senat in Washington gelingt ihm mit 70 Prozent der Stimmen. Er ist der einzige Afroamerikaner in der kleineren Kongresskammer und erst der fünfte schwarze US-Senator in der Geschichte der USA.

Bereits in den Jahren 2005 und 2006 initiiert Senator Obama zahlreiche Entwürfe und Beschlüsse.

In seinem ersten eigenen Gesetzentwurf geht es um mehr Geld für einkommensschwache Collegestudenten - das Gesetz kommt nicht zu Stande. Zudem legt er einen Plan für einen phasenweisen Abzug aus dem Irak vor.

Am 10. Februar 2007 verkündet er am selben Ort, an dem Abraham Lincoln seine berühmte "House Divided"-Rede gegen die Sklaverei gehalten hatte ("A house divided against itself cannot stand"), in Springfield, seine Präsidentschaftskandidatur.

Einen solchen Schritt hatte der Professor für Rechtswissenschaft lange mit Verweis auf seine begrenzte politische Erfahrung ausgeschlossen.

Der zweifache Vater fürchtete auch eine zu große Belastung für seine Familie.

Doch nun steht der Senator aus Illinois mehr als jeder andere Kandidat und jede andere Kandidatin für den ersehnten Wechsel in der Politik und für ein neues Amerika, dass die Agonie und Ablehnung der Bush-Jahre hinter sich lässt.

Politisch wird Obama wie seine Kontrahentin Clinton zur Mitte der Demokraten gezählt.

Allerdings übte er im Gegensatz zu ihr schärfere Kritik am Irakkrieg der Bush-Administration. Das kommt bei großen Teilen der demokratischen Anhänger gut an.

US-Medien beschreiben Obama als "liberal mit Brückenschlag zu den moderaten Konservativen". Er wägt politische Stellungnahmen sorgfältig ab.

Doch Obama hat auch Defizite, und er kennt sie. International ist er (noch) ein unbeschriebenes Blatt.

Als ein weiteres Handicap gilt seine Hautfarbe. Noch nie in der Geschichte der USA hat ein Afroamerikaner den Sprung ins Weiße Haus geschafft. Obama will nicht auf seine Hautfarbe reduziert werden - was wiederum bei vielen schwarzen Wählern lange auf Skepsis stößt.

Lange galten auch die Finanzen als Problem, doch Obama erweist sich als ernorm erfolgreicher Fundraiser.

Unzählige Kleinspenden und immer mehr prominente Großspender haben seine Wahlkampfkasse gut gefüllt. 32 Millionen Dollar flossen Obama allein im Januar zu.

Hollywoods Reiche und Wichtige lieben Obama, zu seinen Unterstützern zählen George Clooney, Cindy Crawford, Robert de Niro, Sydney Poitier, Stevie Wonder ...

... und nicht zuletzt Oprah Winfrey.

Der Musiker will.i.am hat aus der Rede, die Obama nach seiner Niederlage bei der Vorwahl in New Hampshire hielt, ein Video gemacht, das inzwischen zu einer Art Hymne der Obama-Anhänger geworden ist.

Auch seine Familie gilt inzwischen als wahlkampftauglich, Oma Obama liefert von Kenia aus charmante Beiträge über ihren Enkel; eine Schule ist dort nach ihm benannt.

Seine Frau Michelle, einst während eines Praktikums seine Vorgesetzte, ...

... schafft den Spagat zwischen einer modernen berufstätigen klugen Frau ...

... und der Frau an seiner Seite und Mutter seiner Kinder.

Die Töchter Malia und Sasha treten gelegentlich mit im Wahlkampf auf, ihre Zukunft und damit die Aussichten für eine ganze Generation sind auch immer wieder Thema in Obamas Reden.

Doch in all den Jubel mischen sich auch kritische Töne. Was den einen visionär erscheint, finden die anderen nur naiv.

Die politischen Scharmützel im Washingtoner Politikbetrieb werden nicht plötzlich enden, nur weil ein Obama sagt, lasst uns damit aufhören.

Kritiker greifen auch Obamas scheinbar größte Stärke an, seine Authentizität.

Vielleicht sind all seine Reden und Gedanken nicht so echt, wie viele hoffen.

Vielleicht ist es nur eine von spin doctors ersonnene Taktik im direkten Duell mit der Kontrahentin Hillary Clinton, die vielen für das Schlechteste am politischen Establishment steht.

Und auch der biografische Faktor könnte sich als Nachteil erweisen. Ja, Barack Obama hat es geschafft und allen, die es auch geschafft haben, ist er ein Bruder.

Was aber ist mit den weniger Wohlhabenden und weniger Gebildeten?

Schon jetzt zeigt sich, Obamas Wähler sind eher männlich, jünger, wohlhabend und intellektuell.

Die Einkommensschwachen, die Mittelklasse, Ältere und Latinos wählen überwiegend Clinton. Und so ist Obama bisher vor allem ein Versprechen, ein Traum. "Maybe, we can". (Text: Solveig Bach)

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