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Politik

Ein Massenmörder als Popikone: Osama bin Laden Superstar

 
Ein Massenmörder als Popikone: Osama bin Laden Superstar

Die Nachricht ging um die Welt wie ein Lauffeuer: Osama Bin Laden ist tot.

Mit ihm stirbt nicht nur der Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 ...

... und der vom Westen meistgesuchte Terrorist der Welt, ...

... sondern eine Figur, die in den letzten Jahren ihres Lebens geradezu mythologische Züge angenommen hatte.

Bin Ladens jahrelanges Untertauchen und die erfolglose Jagd der USA nach ihm lieferten massig Stoff zur Legendenbildung (im Bild: das Gelände im pakistanischen Abbottabad, auf dem Bin Laden schließlich aufgespürt und getötet wurde). So gingen manche Verschwörungstheoretiker gar davon aus, ...

... dass der Al-Kaida-Führer nie wirklich existiert habe, schon vor Jahren gestorben sei oder von der US-Armee absichtlich geschont werde, um die Terrorangst der eigenen Bevölkerung aufrechtzuerhalten und das militärische Vorgehen in Ländern wie Afghanistan weiter zu rechtfertigen.

Video- oder Audiobotschaften des Terror-Chefs waren nach dieser Vorstellungswelt sowieso nur von den Geheimdiensten lancierte Fälschungen, ...

... ebenso wie die Attentate vom 11. September demnach in Wahrheit natürlich ein Komplott der US-Regierung waren. Die ganz Hartnäckigen unter denen, die immer und überall eine Verschwörung wittern, ...

... werden vermutlich auch den Meldungen über die Tötung Bin Ladens misstrauen und schon bald Erklärungen liefern, warum und weshalb doch auch das alles nur gefälscht sein könne. So wie sich im Westen manch krude Theorien um die Person Bin Ladens rankten und ranken, ...

... so wurde und wird der Al-Kaida-Führer in Teilen der islamischen Welt glorifiziert ...

... und überhöht, ...

... gottgleich und übermenschlich.

Nicht wenige Asien-Urlauber aus dem Westen dürften schon darüber gestaunt haben, mit welcher Selbstverständlichkeit hier an manchem Straßenstand das Konterfei des Massenmörders feilgeboten wird.

Nicht etwa als Fahndungsplakat, ...

... sondern zur "Verschönerung" der eigenen vier Wände gibt es Bin Laden auf Postern, ...

... es gibt ihn auf T-Shirts, ...

... auf CDs ...

... und selbstredend auch in Magazinen ...

... und Büchern. Doch nicht immer geht es dabei darum, Bin Laden ernsthaft als antiimperialistischen Gotteskrieger zu preisen. Stattdessen hat der "King of Terror" ...

... wie der "King of Rock'n'Roll" ...

... geradezu den Status einer Popikone erlangt.

Von Bin Laden zu David Beckham scheint es da kein allzu weiter Weg zu sein.

So kann, wer will, sich von dem Al-Kaida-Führer im Schatten des World Trade Centers Feuer geben lassen ...

... oder sein Handy mit ihm auf die eine ...

... oder andere Art und Weise pimpen.

In gewisser Hinsicht kann man selbst zu Bin Laden werden, ...

... man kann zugucken, wie er an einem vorbeifährt ...

... oder ihn für immer auf der eigenen Haut tragen.

Auch vor den Kinderzimmern macht der Terrorist nicht halt. Es gibt ihn in den unterschiedlichsten Ausführungen ...

... als "Action-Figur", ...

... als Computer-, ...

... Gesellschafts- ...

... oder Schachspiel. Oftmals trifft er dabei spielerisch auf seine Widersacher aus der Realität, ...

... allen voran natürlich George W. Bush ...

... und das US-Militär. Rette sich, ...

... wer kann! Ein vergleichbar laxer Umgang mit anderen Massenmördern oder Terrorfürsten aus der Geschichte ist nur schwer vorstellbar, ...

... dennoch hat sich auch außerhalb der islamisch geprägten Welt eine oftmals ironisch geprägte Sicht auf Bin Laden durchgesetzt, sei es beim Karneval in Düsseldorf, ...

... im Musikvideo von Eminem ...

... oder beim Fußball in Nordirland.

Auch Diego Maradona fand nichts dabei, aus Spaß an der Freude ...

... im Bin-Laden-Dress mal etwas anderes als Tore zu jagen. Insgesamt hat sich so rund um den Globus ein zwiespältiges Bild von dem Terroristen festgesetzt, ...

... zwischen Verachtung ...

... sowie Lächerlichkeit auf der einen ...

... und Glorifizierung auf der anderen Seite. Ein Bild, das so wohl nur vor dem Hintergrund der rund ein Jahrzehnt dauernden Ungewissheit über Osama Bin Ladens Schicksal entstehen konnte.

Die Tötung des Al-Kaida-Führers dürfte auch zu seiner Entmystifizierung beitragen und die Ikone des Terrorfürsten verblassen lassen, ...

... hoffentlich.

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