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Deutschland hat 2007 erstmals seit fast zwei Jahrzehnten einen ausgeglichenen Haushalt erzielt.
Endlich decken die laufenden Einnahmen aus Steuern und anderen Einnahmequellen wieder die Ausgaben. Doch zu früh gefreut.
Der Schuldenberg wächst trotzdem weiter. Die historische Marke von 1.500.000.000.000 Euro (1,5 Billionen Euro) hat die Schuldenuhr des Bundes der Steuerzahler in Berlin bereits am 5. Mai 2006 gegen 04.35 Uhr überschritten.
Und die Finanzlöcher wachsen weiter. Ende 2007 verbuchten die Länder Gesamtschulden von 490 Milliarden Euro, etwa zehn Milliarden mehr als im Vorjahr. Beim Bund kletterten die Schulden auf 922 Milliarden Euro.
Nur wenige Länder haben begonnen, ihre Altlasten abzubauen.
Hut ab! Bayern erfreut sich schon seit 2006 eines ausgeglichenen Haushalts und hat mit dem Abzahlen der 22,7 Mrd. Euro Altschulden begonnen. 984,5 Mio. Euro fließen 2008 allein in die Zinstilgung.
Dabei beträgt die Pro-Kopf-Verschuldung in Bayern nur 1821 Euro. Dafür muss München den ärmeren Bundesländern unter die Arme greifen.
2,55 Mio. Euro gibt München 2008 für den Länderfinanzausgleich - nur Hessen zahlt mehr. Da spielt es sich gleich leichtfüßiger - und Bremen darf vor Neid erblassen.
Auf Bremens Bürgern lasten durchschnittlich 21.751 Euro Schulden pro Kopf. Die Altschulden des Stadtstaats liegen bei 14,4 Mrd. Euro, 2007 lag der Schuldendienst für Zinsen bei 605,7 Mio. Euro.
Bremen erhält 416 Mio. Euro Länderfinanzausgleich. Dennoch ist an der Weser kein ausgeglichener Haushalt in Sicht. Das Land klagt in Karlsruhe und fordert finanzielle Unterstützung vom Bund.
Auch weiter südwestlich fordert man bundesdeutsche Solidarität. 8795 Euro lasten durchschnittlich auf den Schultern der Saarländer, 2007 erreichten die Altschulden 9,1 Mrd. Euro.
Der Schuldendienst lag bei 1,39 Mrd. Euro. Die 130 Mio. Euro aus dem Länderfinanzausgleich können die tiefhängenden Wolken über Saarbrücken nicht vertreiben.
Eine unerfreuliche Finanzlage herrscht auch in Kiel: Die 22,03 Mrd. Euro Altschulden lassen sich nicht einfach verscheuchen, auch nicht mit 146,6 Mio. Euro aus dem Länderfinanzausgleich. Schleswig-Holstein hofft für 2010 auf einen ausgeglichenen Haushalt.
Besser steht es um die Hauptstadt: Dank einer Zuwendung von 2,7 Mrd. Euro aus dem Umverteilungstopf der Länder und einem harten Sparkurs, hat das mit rund 60 Mrd. Euro hoch verschuldete Berlin 2007 erstmals einen Haushaltsüberschuss erzielt und Schulden getilgt.
Ein steiniger Weg: Die Pro-Kopf-Verschuldung in der Hauptstadt liegt bei 17.700 Euro, allein die Zinszahlungen verschlangen im vergangenen Jahr 2,47 Mrd. Euro.
Auch Mecklenburg-Vorpommern hat seit 2006 einen ausgeglichenen Haushalt. Noch liegt die Pro-Kopf-Verschuldung bei 6316 Euro.
Doch das Land an der Ostsee rückt seinen Altschulden zu Leibe. Die lagen 2007 bei 10,65 Mrd. Euro und kosteten das Land 460 Mio. Euro an Zinstilgungen.
Der Nebel lichtet sich. Aus dem Länderfinanzausgleich erhält Mecklenburg-Vorpommern 458 Mio. Euro.
Auch die Anstrengungen der Landesregierung in Dresden treiben Blüten. 2006 hat Sachsen einen ausgeglichenen Haushalt vorgelegt und wie Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Hamburg und Bayern begonnen, seine rund 12 Mrd. Euro Altschulden zu tilgen.
Auf die Bevölkerung umgerechnet lagen die Schulden 2007 bei 2849 Euro pro Kopf, Zinszahlungen fraßen 521 Mio. Euro. Der goldene Reiter, August der Starke, wird die Zügel noch einige Zeit anziehen müssen.
Dabei geht es den umliegenden Bundesländern deutlich schlechter. Die Pro-Kopf-Verschuldung in Thüringen lag 2007 bei 6870 Euro, die Zinslast für 15,8 Mrd. Euro Altschulden veranschlagte Erfurt mit 740 Mio. Euro.
Brandenburg hat 18,004 Mrd. Euro Altlasten angehäuft, das sind 7083 Euro pro Brandenburger. Die Schulden fraßen im letzten Jahr 794,8 Mio. Euro für Zinsen.
Bis 2010 soll der Haushalt ausgeglichen sein. Immerhin erhält Brandenburg 670,8 Mio. Euro aus dem Länder-Umverteilungstopf.
Auch in Magdeburg sorgt seit 2007 ein ausgeglichener Haushalt für Auftrieb. Das Land erhielt 644 Mio. Euro Finanzausgleich.
Sachsen-Anhalts Schulden beliefen sich 2007 auf 19,8 Mrd. Euro. Für Zinszahlungen wurden 908 Mio. Euro aufgewendet. Die Pro-Kopf-Verschuldung lag bei 8165 Euro.
Wann Rheinland-Pfalz einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen wird, steht noch nicht fest. 1,1 Mrd. Euro zahlte das Land allein 2007 zur Tilgung der Zinsen für einen 25,7 Mrd. Euro schweren Schuldenberg. Beck erhält 381 Mio. Euro aus dem Topf des Länderfinanzausgleichs.
Auch Nordrhein-Westfalen macht weiter Schulden und weiß nicht, wie lange noch. 117,1 Mrd. Euro Altschulden entsprechen einer Pro-Kopf-Verschuldung von 6502 Euro. Im letzten Jahr zahlte Düsseldorf Zinstilgungen in Höhe von 4,86 Mrd. Euro.
Gleichzeitig flossen aus Düsseldorf jedoch auch 100,7 Mio. Euro in den Länderfinanzausgleich. Während Niedersachsen 299 Mio. Euro erhielt.
Die Pro-Kopf-Verschuldung in Ministerpräsident Wulffs Einflussgebiet liegt bei 6191 Euro. Niedersachsen hat 49,5 Mrd. Euro Altschulden und will bis 2010 einen ausgeglichenen Haushalt präsentieren.
Hamburg zahlt dagegen in den Ausgleichstopf, nämlich 400 Millionen Euro im letzten Jahr. Die Altschulden des Stadtstaates belaufen sich auf 21,8 Mrd. Euro, der Haushalt ist seit 2007 ausgeglichen.
Umgerechnet auf den Durchschnitt der Bevölkerung sind das 12.422 Euro pro Hamburger. Doch die Aussichten sind rosiger: Auch Hamburg hat mit der Schuldentilgung begonnen.
Baden-Württemberg kämpft trotz der brummenden Industrie in Sindelfingen gegen 41,71 Mrd. Euro Altschulden, das sind 3881 Euro pro Baden-Württemberger. 2007 zahlte das Land allein Zinsen in Höhe von 1,93 Mrd. Euro.
In Erwartung eines ausgeglichenen Landeshaushalts 2008 lässt sich Ministerpräsident Günther Oettinger jedoch nicht die Feierlaune verderben.
Außerdem steuert Stuttgart noch 2,14 Mrd. Euro zum Länderfinanzausgleich bei. Baden-Württemberg ist damit das drittgrößte Geberland, nach Bayern ...
... und Hessen. Aus Wiesbaden flossen im letzten Jahr 3,165 Mrd. Euro in die Ausgleichskasse. Dabei ist die Haushaltslage weniger glänzend.
Hessens 30 Mrd. Euro Altschulden entsprechen einer Pro-Kopf-Verschuldung von fast 5000 Euro.
1,3 Mrd. Euro zahlte das Land, in dem Deutschlands Finanzmetropole Frankfurt am Main liegt, allein 2007, um Zinsen zu tilgen. Ein ausgeglichener Haushalt wird erst für 2011 erwartet.
Nicht zuletzt verspricht auch der Bundesfinanzminister Peer Steinbrück einen ausgeglichenen Haushalt für 2011. Allein 38,7 Mrd. Euro musste die Bundesregierung 2007 für die Zinstilgung aufwenden.
Ein Hoffnungsschimmer am Horizont? (Alle Bilder: dpa)
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