"Ich habe einen Traum": Vor 40 Jahren starb Martin Luther King
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Er ist weltweit einer der bekanntesten US-Amerikaner: Dr. Martin Luther King Jr., Baptistenpastor, schwarzer Bürgerrechtler, Pazifist, Friedensnobelpreisträger. Am dritten Montag im Januar gedenken die USA eines ihrer bedeutendsten Bürger.Bild 1 von 63 Der "Martin Luther King Day" ist seit 1983 einer der zehn offiziellen Nationalfeiertage der Vereinigten Staaten. Schulen, Büros und öffentliche Institutionen haben geschlossen. Nicht nur Schwarzen bedeutet dieser Tag viel.Bild 2 von 63 Martin Luther Kings gewaltloser Einsatz gegen Rassismus und gegen die Unterdrückung der afroamerikanischen Bürger wird mittlerweile in allen Teilen der USA gewürdigt.Bild 3 von 63 In besonderen Gottesdiensten wird in Predigten an seine Botschaft erinnert, auf zahlreichen Paraden, Märschen und Demonstrationen sprechen Redner über sein Leben.Bild 4 von 63 An manchen Orten gedenken Amerikaner Martin Luther Kings auch noch ein paar Tage früher: Am 15. Januar wäre sein Geburtstag gewesen.Bild 5 von 63 Er wurde 1929 in Atlanta in Georgia geboren. Seine Eltern waren die Lehrerin Alberta Christine Williams King und der Baptistenpfarrer Martin Luther King Senior. Martin Luther King wuchs in der schwarzen Mittelschicht auf.Bild 6 von 63 King Juniors Vater wandte sich Zeit seines Lebens aktiv gegen die Unterdrückung der Schwarzen. Der Sohn lernte viel von ihm und stand ihm bereits im Alter von 17 Jahren als Hilfsprediger zur Seite.Bild 7 von 63 King Junior wuchs, ähnlich wie sein Vater, mit der Verachtung vieler weißer Amerikaner für die Schwarzen auf. Rassistische Diskriminierung und Gewalt waren auch für ihn eine alltägliche Erfahrung.Bild 8 von 63 In den Südstaaten gab es die Segregation: Die Trennung der schwarzen von den weißen Amerikanern, verbunden mit ihrer radikalen Benachteiligung. In Bussen waren die besseren Plätze für die Weißen reserviert.Bild 9 von 63 Restaurants und Cafés verboten den Schwarzen Zutritt, ihre Kinder mussten separate Schulen besuchen, öffentliche Toiletten gab es jeweils für Schwarze und jeweils für Weiße.Bild 10 von 63 Schwarze erhielten die schlechtere Schuldbildung, die schlechteren Jobs, waren stärker von Armut betroffen, erfuhren Gewalt bis hin zur Ermordung, sie erlebten die Willkür der Justiz. Das alles ließ Martin Luther King nicht unberührt.Bild 11 von 63 Mit 17 machte King seinen College-Abschluss in Soziologie an der einzigen Hochschule für Schwarze in den Südstaaten, dem Morehouse College in Atlanta. Zu dieser Zeit fiel er bereits durch sein rhetorisches Talent auf.Bild 12 von 63 Nach anfänglichem Zögern entschied er sich dann für das Studium der Theologie in Pennsylvania. Am Crozer Theological Seminary in Pennsylvania lernte er unter anderem die Ideen Mahatma Ghandis vom gewaltlosen Widerstand kennen und schätzen.Bild 13 von 63 Am 18. Juni 1953 heiratete er Coretta Scott Williams. Das Ehepaar bekam vier Kinder: Yolanda Denise, Martin Luther III, Dexter Scott und Bernice Albertine (letztere fehlt auf dem Foto).Bild 14 von 63 King ist wohl die bedeutendste Persönlichkeit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung. Aber auch wenn er die Führung dieser Bewegung übernahm und mit seiner Autorität und seinem Charisma ihre Dynamik prägte, begann nicht alles mit ihm.Bild 15 von 63 Es begann mit einer einfachen und mutigen Frau: Rosa Parks. Als sie sich eines Tages weigerte, ihren Platz im Bus für einen Weißen freizuräumen, führte das zum Montgomery Bus Boykott.Bild 16 von 63 Mehr als ein Jahr lang weigerten sich schwarze - und einige wenige weiße - Bürgerrechtler, die öffentlichen Busse zu benutzen und dafür Geld zu bezahlen.Sie wollten damit das Ende der Diskriminierung der Schwarzen als Fahrgäste erreichen.Bild 17 von 63 Martin Luther King war an der Organisation dieses Boykotts maßgeblich beteiligt und wurde darüber allmählich bekannt. Er begann, durch das Land zu reisen und für gewaltlosen Widerstand zu werben.Bild 18 von 63 Er war mit dieser Idee nicht allein. Vier schwarze Studenten begannen 1960 in Greensboro in North Carolina mit "Sit-ins": Sie setzten sich in ein Café, das als Gäste nur Weiße erlaubte, und weigerten sich, zu gehen, ehe sie nicht bedient wurden.Bild 19 von 63 Diese Form des Protests wurde von anderen übernommen und in Geschäften, Hotels, an Stränden, Restaurants und Bibliotheken angewendet.Bild 20 von 63 Von der Boston University in Massachusetts erhielt Martin Luther King den Doktor der Philosophie. Er entschied sich, als Pfarrer in die Südstaaten zurückzukehren und leitete ab 1960 mit seinem Vater die Baptist Ebenezer Gemeinde in Atlanta.Bild 21 von 63 Zur Führungsfigur der Bürgerrechtsbewegung wurde Martin Luther King im April 1963. Mit Weggefährten hatte er gezielte und flächendeckende Aktionen des zivilen Ungehorsams in Birmingham geplant.Bild 22 von 63 Zum ersten Mal waren auch Kinder und Jugendliche an den Protesten beteiligt. Sie waren seit jeher täglich dem Hass und der Gefahr des Rassismus ausgesetzt. (Bild: Bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche wurden vier Mädchen getötet.)Bild 23 von 63 Ungewöhnlich viele Menschen nahmen an den Protestmärschen durch die Stadt teil. Die Demonstrationen waren verboten worden, und die Polizei reagierte mit äußerster Brutalität.Bild 24 von 63 Sie zielte mit Wasserwerfern auf die friedlichen Demonstranten und hetzte schließlich Hunde auf sie - auch auf die Kinder. Die Unmenschlichkeit des Rassismus trat so offen zu Tage, dass ihn auch viele Weiße nicht mehr ignorieren konnten.Bild 25 von 63 Genau das war das Ziel der von Martin Luther King geplanten Aktionen. Er selbst wurde festgenommen und landete im Gefängnis. Dort schrieb er seinen berühmten "Brief aus einem Gefängnis in Birmingham".Bild 26 von 63 Darin wies er den Vorwurf vieler weißer Pastoren und Prediger zurück, mit seinem zivilen Ungehorsam setze er sich ins Unrecht, statt dessen solle er lieber versuchen, zu verhandeln. Er verteidigte sein Vorgehen:Bild 27 von 63 "Die gewaltlose direkte Aktion versucht, eine solche Krise hervorzurufen und eine solche Spannung zu fördern, dass eine Gemeinschaft, die sich beständig weigerte, zu verhandeln, nun gezwungen ist, sich mit der Sache auseinander zu setzen."Bild 28 von 63 "Sie sucht die Sache so zu dramatisieren, dass sie nicht länger ignoriert werden kann." Gewaltloser Widerstand war für King keine Form der Passivität, aber auch mehr als eine Taktik, die die Gewalt des anderen offenbart. "Es gibt zwei Arten von Gesetzen: ...Bild 29 von 63 ... rechte und unrechte. Man hat nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine moralische Verantwortung, gerechten Gesetzen zu gehorchen. Umgekehrt hat man die moralische Verantwortung, unrechten Gesetzen den Gehorsam zu verweigern."Bild 30 von 63 Derjenige, der das Gesetz breche, müsse es allerdings öffentlich tun und erst einmal die Strafe dafür akzeptieren, so King.Bild 31 von 63 Er war der Überzeugung, dass die Bereitschaft der Bürgerrechtler, Unrecht und Gewalt zu erleiden, ohne sich mit Hass und Gewalt zu wehren, schließlich die Täter läutern würde.Bild 32 von 63 Martin Luther King war in seinem Leben mehrfach inhaftiert, er wurde beschimpft und angegriffen, seine Familie erhielt Morddrohungen, mindestens ein Bombenattentat auf ihn schlug fehl.Bild 33 von 63 Am 28. August 1963 fand der "Marsch auf Washington" statt, der einen Gesetzentwurf John F. Kennedys gegen Rassendiskriminierung im Kongress unterstützen sollte. Mehr als 250.000 Menschen kamen, es war die größte Demonstration in D.C. in der Geschichte.Bild 34 von 63 Hier sprach Martin Luther King von seinem Traum - eine Rede, die in die Geschichtsbücher eingegangen ist. "I have a dream", rief er. "Ich habe einen Traum, der tief im Amerikanischen Traum verwurzelt ist."Bild 35 von 63 "Ich habe einen Traum, dass diese Nation sich eines Tages erheben wird und die wahre Bedeutung ihres Glaubensbekenntnisses leben wird: 'Wir halten diese Wahrheit für offensichtlich: Dass alle Menschen gleich erschaffen wurden."Bild 36 von 63 "Ich habe einen Traum, dass sich die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenbesitzer eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia an den Tischen der Brüderlichkeit niedersetzen können."Bild 37 von 63 "Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben, wo sie nicht nach der Farbe ihrer Haut, sondern nach ihrem Charakter beurteilt werden."Bild 38 von 63 Der Traum drohte zu zerplatzen. Am 22. November 1963 wurde Präsident Kennedy ermordet, von dem sich viele Bürgerrechtler Gesetzesänderungen erhofft hatten.Bild 39 von 63 1964 erhielt Martin Luther King für sein mutiges Engagement und seinen gewaltlosen Widerstand den Friedensnobelpreis. Die Situation der Schwarzen in den USA änderte sich dadurch nicht.Bild 40 von 63 Weitere Protestmärsche folgten, immer wieder begleitet von massiven Feindseligkeiten weißer Südstaatler. (Hier der Marsch von Selma).Bild 41 von 63 Die Bürgerrechtsbewegung konnte wichtige Erfolge erringen: Der Civil Rights Act wurde 1964 beschlossen, 1965 der Voting Rights Act, der Diskriminierungen beim Wahlrecht beenden sollte.Bild 42 von 63 Vielen gingen die Veränderungen aber nicht weit genug, sie änderten wenig an der aussichtslosen Lage vieler Schwarzer. Vor allem die jüngere Generation begehrte zunehmend gegen die Betonung der Gewaltlosigkeit Martin Luther Kings auf.Bild 43 von 63 Der Widerstand kam überwiegend aus den Großstädten des Nordens und Kaliforniens, wo die schwarze Bevölkerung in Ghettos in entwürdigenden Wohnzuständen lebte. (King in Chicago)Bild 44 von 63 Soziale Gerechtigkeit wurde mehr und mehr zum zentralen Thema Martin Luther Kings. Er begriff Armut als Form von Unterdrückung und Gewalt, die sowohl Schwarze als auch Weiße betraf.Bild 45 von 63 Ab 1966 begann er, sich gegen den Vietnamkrieg auszusprechen. Er kritisierte, dass das Geld viel dringender zur sozialen Absicherung der Menschen gebraucht würde.Bild 46 von 63 Auch traf es ihn, zu sehen, dass viele schwarze Soldaten in den Krieg zogen und dort ihr Leben ließen, ohne in der Heimat als gleichberechtigte Menschen behandelt zu werden.Bild 47 von 63 Martin Luther King begann, einen Marsch der Armen auf Washington zu organisieren, den "Poor People's March on Washington".Bild 48 von 63 Diesen Marsch konnte King nicht mehr durchführen: Am Abend des 4. April 1968 wurde er auf dem Balkon seines Hotels in Memphis, Tennessee, erschossen. Er war 39 Jahre alt.Bild 49 von 63 Als Täter bekannte sich der Rassist James Earl Ray, der sein Geständnis später aber widerrief. Vieles deutet auf Rays Haupttäterschaft hin, aber auch darauf, dass er Helfer hatte.Bild 50 von 63 Bis heute ranken sich um Kings Tod Verschwörungstheorien. Vor allem das FBI und die US-Regierung werden beschuldigt, in seine Ermordung verstrickt gewesen zu sein.Bild 51 von 63 Das FBI hatte King seit 1961 abgehört. Sein Büro und seine Wohnung, sogar seine Hotelräume waren verwanzt. Edgar Hoover, der Chef des FBI, sah ihn in gefährlicher Nähe zu den Kommunisten.Bild 52 von 63 Sie sammelten Beweise für Kings zahlreiche Affären mit anderen Frauen - mehr als eine Privatsache in den prüden Südstaaten der 60er, schlecht für das Image eines Pastors. Mehrfach wollte man ihn damit erpressen und diskreditieren.Bild 53 von 63 Die Ermordung Kings löste im ganzen Land Trauer und Bestürzung aus. In vielen Städten kam es zu schweren Unruhen und Krawallen. Eine Generation verlor mit ihm ihren Hoffnungsträger.Bild 54 von 63 Einen Tag vor seinem Tod hatte King seine berühmte Rede "I've been on the mountaintop" gehalten. Viele sehen in ihr eine Vorahnung seines viel zu frühen Endes. "Wie jeder hätte ich gern ein langes Leben vor mir", hatte er erklärt.Bild 55 von 63 "Ich habe das gelobte Land gesehen. Es mag sein, dass ich nicht mit Euch dorthin gehen werde. Aber ich möchte, dass Ihr heute Abend wisst, dass wir als Volk das gelobte Land erreichen werden."Bild 56 von 63 "Und deshalb bin ich heute Abend glücklich: Ich bin wegen nichts in Sorge, ich fürchte niemanden. Meine Augen haben die Herrlichkeit des Herrn gesehen." Eine Woche nach diesen Worten wurde King in Atlanta zu Grabe getragen.Bild 57 von 63 Seine Frau Coretta sagte später: "Am Beispiel seines Lebens symbolisierte er, was an Amerika richtig, was das Edelste und Beste war, wonach Menschen seit Anbeginn der Geschichte gestrebt haben. Er liebte bedingungslos. Er strebte beständig nach der Wahrheit. ...Bild 58 von 63 ... Seine gewaltlosen Kampagnen brachten Erlösung, Versöhnung und Gerechtigkeit. Er lehrte uns, dass nur mit friedlichen Mitteln friedliche Ziele zu erreichen sind, dass unser Ziel eine liebende Gemeinschaft war."Bild 59 von 63 Es hat lange gedauert, bis die weiße amerikanische Gesellschaft bereit war, die Bedeutung Martin Luther Kings anzuerkennen. Immerhin gab es seit seinem Todesjahr 1968 einen Gesetzesentwurf für einen Gedenktag.Bild 60 von 63 Zwar unterstützten neben den schwarzen Amerikanern durchaus auch Weiße die Initiative, vor allem aus den Gewerkschaften. Die Gegner warfen King aber bis zuletzt seine Gegnerschaft gegen den Vietnamkrieg vor.Bild 61 von 63 Nicht zuletzt unterstellten sie ihm die Unterstützung des Kommunismus. Der bekannteste Gegner eines Gedenktages war Präsident Ronald Reagan. Er musste aber schließlich nachgeben und erklärte 1983 den "Martin Luther King Day" zum nationalen Feiertag.Bild 62 von 63 (Alle Bilder von AP. Text und Übersetzungen: Natascha Gillenberg)Bild 63 von 63
"Ich habe einen Traum"Vor 40 Jahren starb Martin Luther King