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"Sensibler Berserker": Alfred Hrdlicka gestorben

 
"Sensibler Berserker": Alfred Hrdlicka gestorben

Es störte ihn nie, unbequem zu sein. Im Gegenteil.

Alfred Hrdlicka, der am 27. Februar 2009 81 Jahre alt wurde, genoss es, sich etwa als "Paten" der deutschen Linkspartei zu bezeichnen. Und dass er Kommunist war, daraus machte der Bildhauer nie einen Hehl.

Bereits kurz vor seinem 80. Geburtstag musste der Jubilar eingestehen, dass es um seine Gesundheit nicht mehr zum Besten stand. Sein Körper, so verriet er damals, sei "in einem bedenklichen Zustand".

Er habe sich bei seiner Arbeit "zu Tode geschunden", sagte er damals. Es stünde keine Skulptur, die er "nicht selbst gemacht habe". Sein Rücken sei deshalb kaputt.

Doch aufhören wollte der Mann, den die Medien einen "sensiblen Berserker" genannt haben, deshalb nicht. Denn die Leidenschaft an der Arbeit war ihm geblieben.

Es sei Blödsinn, "wenn man nicht am Leben Anteil hat, sondern die Kunst in die Ecke stellt und sagt: das ist hübsch", hat er einmal gesagt. "Leiden, Mitleiden, die Realität kennen - das zeichnet all die großen Künstler aus wie Goya und Shakespeare."

Seine bewusste Hinwendung zu konkretem Realismus hat dem gelernten Zahntechniker, der zwölf Jahre lang Malerei studierte, immer wieder heftige Kritik eingebracht.

Doch Hrdlicka wies sie zurück: "Abstrakte Kunst, das ist eine dumme Definition. Kunst ist immer abstrakt. Ich bin in diese so genannte abstrakte Tendenz eingebrochen wie ein Steinzeitmensch."

Damit wurde Hrdlicka immerhin einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler überhaupt. Sein Holocaust-Mahnmal vor der Wiener Albertina gehörte zu den bedeutendsten Werken der modernen Bildhauerei.

Der gebürtige Wiener begann erst nach der Zahntechnikerlehre seine Ausbildung zum Künstler. Zunächst studierte er an der Akademie der bildenden Künste Malerei, bevor er in die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba eintrat.

Seiner ersten Ausstellung von Skulpturen 1960 folgten weitere im Wiener Künstlerhaus und in Salzburg. 1964 war er Vertreter Österreichs bei der Biennale in Venedig.

Bald erhielt er Professuren im benachbarten Deutschland, in Stuttgart, Hamburg und Berlin. Zahlreiche internationale Auszeichnungen erhielt der Zeichner und Grafiker für seine Darstellung der leidenden und geschundenen Kreatur.

Vor allem seine Skulpturen für den öffentlichen Raum provozierten immer wieder. 1963 erregte sich Salzburg über seinen "Orpheus". 1967 protestierte eine "Liga gegen entartete Kunst" gegen sein "Renner-Denkmal" in Wien.

1970 sorgte sein "Plötzenseer Totentanz" in West-Berlin für Kontroversen, 1984 sein "Gegendenkmal" zu einem nationalistischen Kriegerdenkmal in Hamburg.

Proteste gab es auch gegen sein Monument für Friedrich Engels in Wuppertal. Erst 1989 folgte die Berufung an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien.

1991 stellte er das monumentale Denkmal "Gegen Krieg und Faschismus" am Albertinaplatz im 1. Wiener Bezirk fertig, das Österreichs politische Rechte schäumen ließ. Alfred Hrdlicka, der seine Arbeit selbst "proletarisch" nannte, sah's mit Genugtuung.

Hrdlickas Menschendarstellungen sind martialisch und kraftvoll, aber auch unterdrückt, verletzt, gequält und geschunden - durch Menschenhand. Seine Leitmotive: Krieg und Unterdrückung, Rebellion und Auflehnung.

Dass er sich bei seinem "berserkerhaften" Arbeiten am Stein überarbeitet habe, spüre er jeden Tag, gestand er einst ein. "Es gibt keine dreidimensionale Arbeit von mir, die ich nicht selber gemacht habe".

Doch sein Drang zum Schaffen war unverändert stark. Und so arbeitete Alfred Hrdlicka an Zeichnungen.

Für große bildhauerische Arbeiten fehle ihm die Kraft, gestand er. "Ich glaube, dass es das Vernünftigste ist, wenn ich mich damit abfinde und nicht zu experimentierfreudig bin."

Seine Leidenschaft für Kunst und Skulpturen hat sich der Bildhauer bis zum letzten Tag bewahrt, auch Pläne für ein neues Werk auf dem Wiener Albertinaplatz gab es.

Doch dazu sollte es nicht mehr kommen. Alfred Hrdlicka starb am 5. Dezember 2009 im Alter von 81 Jahren in Wien. (Alle Fotos: AP/dpa, Text: sni/dpa)

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