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Sie wird bejubelt: Ihr Kinofilmdebüt in Fatih Akins "Gegen die Wand" bedeutet für Sibel Kekilli 2004 den Durchbruch als Schauspielerin.
Für die Rolle der jungen Deutschtürkin Sibel, die mit einer Scheinehe den Moralvorstellungen ihrer Familie entkommen will, wird sie in Köln auf der Straße angesprochen.
Sie setzt sich gegen mehrere hundert Konkurrentinnen durch - und das zu Recht. Kekilli spielt die lebenshungrige Sibel so eindringlich, brutal und überzeugend, dass sie die Herzen der Zuschauer erobert.
Die Rolle katapultiert sie nach oben. Kekilli erhält zahlreiche Preise, darunter den Bambi als Shooting-Star des Jahres und den Deutschen Filmpreis als beste Hauptdarstellerin.
Der Erfolg über Nacht ist überwältigend, fordert jedoch auch seinen Tribut.
Sie wird gejagt: Nur zwei Tage nachdem "Gegen die Wand" auf der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen hat, bekommt sie die Folgen des plötzlichen Ruhms mit aller Wucht und Härte zu spüren.
Die "Bild"-Zeitung kramt im Leben der gebürtigen Heilbronnerin und outet sie als ehemalige Erotikfilmdarstellerin. Eine Schlammschlacht um ihre Vergangenheit beginnt, die Kekilli viel Kraft kostet.
Nach dem Abschluss der 10. Klasse arbeit Kekilli zwei Jahre lang als Verwaltungsfachangestellte bei der Heilbronner Stadtverwaltung, zuständig für Müll.
Nachdem sie gekündigt hat, jobbt sie unter anderem als Verkäuferin, Türsteherin, Nachtclub-Geschäftsführerin, Promoterin - und eben als Pornodarstellerin.
"Es war wirklich so, wie es immer heißt: Ich war jung und brauchte Geld", erklärt Kekilli später in einem Zeitungsinterview. Uns sie macht auch klar, dass sie sich für ihr Tun nicht rechtfertigen wird: "Ich werde mich für meine Vergangenheit, für mein Leben bei niemandem entschuldigen."
Die Schlammschlacht um ihre Person löst eine heftige Debatte aus und bringt Kekilli zahlreiche Solidaritätsbekundungen ein.
Bei der Bambi-Verleihung fordert sie ein Ende der Hetzkampagne. Der Deutsche Presserat rügt die "Bild"-Zeitung, die diese Rüge mit einiger Verzögerung abdruckt.
Für die Schauspielerin hat die Angelegenheit jedoch schlimme Folgen: Ihre Eltern distanzieren sich nach der Berichterstattung von ihr.
Nach dem Medienhype wird es ruhiger um die Schauspielerin. Sie wirkt in verschiedenen Kinoproduktionen wie in Joseph Vilsmaiers "Der letzte Zug" und im Fernseh-Zweiteiler "Gier" mit.
Neben ihren Engagements als Darstellerin setzt sich Kekilli auch für die Rechte von Tieren ein ...
... und engagiert sich gegen Gewalt an Frauen und gegen Ehrenmorde: "Mord ist Mord. Er kann niemals ehrenhaft sein."
Doch nun meldet sich Sibel Kekilli auf der Leinwand zurück - mit einer Rolle, die nach "Gegen die Wand" die zweite große ihres Leben sein dürfte.
Der Film "Die Fremde" erzählt erneut die Geschichte einer jungen Türkin, die sich von gesellschaftlichen Zwängen zu befreien versucht.
Die 25-jährige Deutschtürkin Umay bricht aus ihrer unglücklichen Ehe in Istanbul aus und sucht Zuflucht bei ihren Eltern in Berlin-Kreuzberg.
Von diesen wird sie zunächst herzlich aufgenommen. Als sie jedoch von ihrer Flucht aus der Türkei erfahren, kommt es zum Zerwürfnis.
Statt des erhofften Beistandes und familärer Verbundenheit sieht sich Umay traditionellen Konventionen gegenüber, die stärker sind als Familienbande. Sie flieht erneut - nun ganz auf sich gestellt.
Umay glaubt es zu schaffen, sie baut für sich und ihren Sohn Cem eine neue Existenz auf.
Eine neue Liebe und eine neue Freiheit versprechen ein glücklicheres, selbstbestimmtes Leben.
Doch Umay kann die Brücken nicht hinter sich einreißen und will sich nicht damit abfinden, den Kontakt zu ihren geliebten Eltern und Geschwistern abbrechen zu müssen.
Immer wieder sucht sie die Aussprache - und immer wieder scheitert sie.
Denn trotz seiner inneren Zerrissenheit und seiner Liebe zu seiner Tochter kann Umays Vater nicht aus seiner Haut. Er fasst zusammen mit ihren Brüdern einen Ehrenmordplan.
Mit der Rolle der Umay beweist Kekilli erneut: Sie hat das Zeug zu einer großen Schauspielerin.
Auch wenn sie betont, dass die Rolle der Umay mit ihrem Privatleben nichts zu tun hat, ist man doch geneigt zu glauben, dass sie sie deshalb so überzeugend verkörpert, weil sie die Suche nach einer Heimat selbst durchgemacht hat.
Wir wollen mehr sehen von Sibel Kekilli!
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