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Deutschland sucht den Super-M! Mehrzad oder Menowin.
Da ist kein Platz mehr für Mädels, nicht mal für die originelle Kim "Gloss" Debkowski.
Das Halbfinale ...
... war eine reine ...
... Männersache: ...
... Manuel, ...
... Mehrzad ...
... und Menowin stellten sich in einem doch recht spannenden Kampfsingen den Anrufern und gaben alles.
Und auch das Finale am kommenden Samstag wird natürlich eine Testosteron-geladene Veranstaltung: Für Manuel Hoffmann war ja Schluss - zum zweiten Mal. Und wenn keiner der verbliebenen Kandidaten in der letzten Woche Mist baut, dann wird das auch so bleiben.
Manuel war schon einmal rausgeflogen und wieder nachgerückt, ...
... als sein Kollege Harald Orosz wegen Drogendelikten von der Sendung ausgeschlossen wurde.
Manuel gab alles, wurde von Sendung zu Sendung besser, doch es reichte nicht.
Übrig sind nun die ehemaligen Freunde und heutigen Konkurrenten Mehrzad und Menowin. Sie haben eines gemeinsam: Jeder vereint ein riesiges Fanlager hinter sich, man kann nicht sagen, wer der Favorit ist.
Beide Kandidaten haben es bravourös drauf, sich durch private Geschichten in den Vordergrund zu rücken: ...
... Menowin, der Sohn einer Drogendealerin, Ex-Knacki und dreifacher Vater (mit seiner Cousine) spielt gerne (oder ist) die Proll-Diva: Text sitzt nicht, Stimme stimmt aber, taucht gern mal ab, Dieter steht dennoch auf ihn.
Mehrzad dagegen, der treu sorgende Vater, der mit einem DSDS-Gewinn auch für die Zukunft seiner Familie sorgen will, hat im Halbfinale um die Hand seiner Freundin Denise angehalten. Er hat immer richtig gesungen, war vorbereitet, gut drauf. Fazit: Alles richtig gemacht.
Und zum großen Glück hat sie auch noch "Ja!" gesagt. Seine weiblichen Fans scheint das nicht zu stören: Sie finden die Story der beiden einfach nur zuckersüß.
Also was ist es, das die Menschen so fasziniert an DSDS und sie millionenfach an die Fernseher treibt?
In Deutschland gibt es drei Arten von Menschen: Die einen, die "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS), "Germanys Next Topmodel" (GNTM) und ähnliches sehen und es zugeben.
Dann gibt es die, die das nie sehen würden, komischerweise aber trotzdem meinen zu wissen, dass das bei RTL ausgestrahlte Format ein "Migrantenstadl" ("Tagesspiegel") ist ...
... oder dass Heidi Klum beim Ausscheiden einer Kandidatin immer mit amerikanisierter Piepsstimme vermeldet: "Ich habe heute leider kein Foto für dich!".
Das sind auch die, die ihre Sekundärinformationen aus anderen Medien beziehen, wo sich Menschen, die sich der Kultur-Elite zugehörig fühlen, dann das Maul über diese Casting-Shows zerreißen.
Einige von ihnen sehen sich den "TV-Abschaum" natürlich aus beruflichen Gründen an, ...
... andere, weil sie Kinder im zielgruppenrelevanten Alter haben. Also - einen Grund kann man durchaus finden.
Die dritte Gruppe hat gar keinen Fernseher, ist also uninteressant.
Bei denen gibt's übrigens auch keine Schokolade (und deren Kinder sehen bei jeder ihnen sich bietenden Gelegenheit bei anderen Menschen DSDS & Co. und gehen an fremde Kühlschränke, um dort alles, was nach Zucker aussieht, zu plündern).
Aber zurück zum Casting an sich. Warum ist dieses Phänomen so Familien-spaltend?
Warum tobt zu Hause der Kampf "Jung gegen Alt" ...
... oder draußen "Arm gegen Reich", ...
... oder Schlau ...
... gegen Doof? (Is' nich' persönlich gemeint, Menowin!)
Und warum hatte Stefan Raabs Show "Unser Star für Oslo" einen derartigen Welpenschutz, dass alle sich vor Lob schier überschlagen haben?
So intellektuell war die Veranstaltung des Metzgerssohnes nun auch wieder nicht. Zwar ließ er seine Kandidat/innen gewähren und war voll des Lobes nach ihrer Performance, ...
... aber in seiner üblichen Show "TV total" machte er auch seine üblichen Jokes mit den Kandidaten, die es nicht ganz nach vorne geschafft hatten.
Okay, er hielt nicht wie beim DSDS-Casting die Kamera drauf, wenn einer der Kandidaten sich vor Aufregung fast in die Hose machte und noch feuchte Flecken (nicht im Bild!!!) neben dem Reißverschluss zu sehen waren, ...
... aber er sezierte in seiner Sendung auch genüsslich den Ausschuss und quälte "Sänger" und Zuschauer gleichermaßen mit jenen, denen Gott nicht soviel Stimme, Aussehen und Selbstvertrauen gegeben hatte ...
... wie der süßen Lena.
So, dann hätten wir das hier auch mal gesagt, aber nichtsdestotrotz: Das war natürlich keine schlechte Veranstaltung, diese "Oslo"-Suche, und besser als in den letzten Jahren kann es ja nur werden!
Zurück zu DSDS: Was die drei Ms da geboten haben, war jetzt gar nicht so übel. Wie auch die Male davor konnte man sich davon überzeugen, dass man Mehrzad-Fan sein und trotzdem Abi haben kann, ...
... man durfte sich darüber freuen, dass einer, der schon rausgeflogen war, seine Chance nutzte und sang, was das Zeug hielt (Manuel, obwohl es nichts brachte), ...
... und der heimliche - und Bohlens - Favorit (Menowin, immerhin nach dem Geigenvirtuosen und Dirigenten Yehudi Menuhin benannt!!), der in letzter Zeit so enttäuschte wegen Textunsicherheit, ...
... zu großem Proll-Verhalten und Mitleidsgehabe neigte (Tante todkrank, drei Kinder mit der Cousine, Knast, Eltern im Knast), naja, der kam weiter!
Aber - und wie heißt es so schön in Castingjurorendeutsch - er hat letztes Mal "ordentlich abgeliefert"! Heißt: Er hat gut gesungen.
Es ist natürlich richtig, seinen Kindern zu erklären, dass das da im Fernsehen nicht unbedingt der Realität entspricht. Obwohl Kinder ja zum "Casting" neigen: Früher war das eben so, dass die Brillenschlange und der Pummelige immer als Letzte beim Mannschaftswählen zum Völkerball aufgerufen wurden. Hat nur keiner drüber geredet, am wenigsten die Brillenschlange und der Pummelige.
Das ist aber auch so, wenn die Kinder sich Bildungs-TV auf Arte reinziehen, das entspricht auch nicht der Realität. Wobei wir an dieser Stelle auf keinen Fall vom Bildungs-Fernsehen abraten wollen, um Himmels Willen!
Man sollte ruhig mal darüber nachdenken, dass es für einige junge Menschen in unserem Lande so ziemlich der "Last Exit" sein muss, wenn sie zu einer Castingshow à la DSDS oder GNTM gehen und unbedingt siegen wollen, ...
... weil sie keine andere Möglichkeit sehen, sich (und ihre Kinder) zukünftig anders als von 3,76 Euro "vollständig, gesund und wertstoffreich" ernähren zu können (so Thilo Sarrazin vor zwei Jahren) .
Und man darf auch laut sagen, dass die Jungs was drauf haben, ob man sie nun mag oder nicht!
Sie selbst mögen sich nun nicht mehr sooo sehr: Jeder missgönnt dem anderen das Schwarze unter den Nägeln.
Die Fans der beiden ebenso: Ex-Kandidaten wie Manuel, der Checker (Thomas) und Kim machen ihre Fans, die nun nicht mehr für ihre Lieblinge anrufen können, mobil: Sie sollen für Mehrzad anrufen.
Doch Menowins Fanbase kontert: Sie zeigen sich kampfeslustig und sind z.B. bei Facebook am Pöbeln.
Möge doch einfach der Beste gewinnen! Ach ja, und ein Anruf pro Familienmitglied, sonst droht Armut durch Handyrechnung ... Und Sie wissen schon: Ihre Kinder werden dann zum Casting gehen, damit sie ihre Familie ernähren können.
Übrigens: Die Autorin hat sich "Unser Star für Oslo" ab und an gemeinsam mit ihren "wohlhabenden, intellektuellen Freunden" angeschaut und war, wie schon anderer Stelle beschrieben, für Jennifer.
Sie sieht sich mit ihrer Tochter (11) und deren Freundinnen manchmal "Deutschland sucht den Superstar" an und hat noch nicht bemerkt, dass dieses Fernsehverhalten einen nachhaltig schlechten Einfluss auf die gute, Klavier spielende Schülerin hat.
Die Autorin selbst profitiert von den jugendlichen Fachkommentaren, yo, und weiß wenigstens, wovon ihre Tochter redet.
Vielleicht liegt dort ja dann auch der Hund begraben: Interesse für das, was die "jungen Leute" so umtreibt, kann generationsverbindend sein.
Einfach nur abkanzeln von "oben" und ewiges "früher war alles besser"-Gelaber wird Eltern und Kinder nicht näher bringen. Dafür kommt das Kind nächstes Mal eben mit in die Oper. (Text: Sabine Oelmann)
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