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Teuer, erfolgreich, bedeutend: Gerhard Richter wird 75

 
Der britische "Guardian" nannte ihn "den Picasso des 21. Jahrhunderts" ...

Der britische "Guardian" nannte ihn "den Picasso des 21. Jahrhunderts" ...

... und ständig wechseln seine Bilder zu Rekordpreisen die Besitzer. Pünktlich zum Geburtstag verkaufte das Londoner Auktionshaus Sotheby's dieses "Abstrakte Gemälde" für sage und schreibe 2,9 Mio. Pfund. Das sind nicht weniger als vier Mio. Euro.

Kein Wunder, schließlich geht es um Gerhard Richter, Deutschlands bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Er wird am 9. Februar 2007 75 Jahre alt.

Der "Guardian" rühmte Richter unlängst sogar als erfolgreichsten Maler der Gegenwart. 2002 ehrte ihn das MoMA in New York mit der umfassenden Retrospektive "Forty Years of Painting".

Mit ihren 188 Exponaten war die Ausstellung die größte, die dort jemals einem lebenden Künstler gewidmet wurde.

Richters Werk hat sich über den Zeitraum von mehr als vier Jahrzehnten kontinuierlich entwickelt. Einer Vielfalt an malerischen Motiven und Stilen liegt ein gleich bleibendes Konzept zugrunde. Richters Ziel ist es, "sich ein Bild zu machen von dieser Welt".

Das versucht er unter immer neuen Blickpunkten: In den 60er Jahren waren triviale Vorlagen aus den Massenmedien für den Maler bedeutsam.

Richters Werk bewegt sich zu einem großen Teil zwischen Fotografie und Malerei. Der Künstler benutzt Abbildungen aus Zeitungen und Illustrierten als Vorlage für Gemälde.

Er vergrößert die Motive und überträgt sie auf die Leinwand.

Häufig verfremdet er dabei den Realismus der Vorlagen durch eine verschwommene Darstellung. Diese "Unschärfe" ist zu Richters Markenzeichen geworden.

Mit den Gemälden nach Fotos spielt er die Prioritätsansprüche von Malerei und Fotografie gegeneinander aus. Diese Auseinandersetzung schloss Richter mit einer großen Serie von 48 Porträts von Persönlichkeiten ...

... aus Kultur und Wissenschaft vorerst ab.

Fortan widmete er sich dem direkten Stoff der Malerei: der Farbe.

In schneller Folge entstanden umfangreiche Werkgruppen pastoser Stadt- und Gebirgslandschaften, abstrakter Grau-, ...

... Grün- und Rot-Gelb-Blau-Vermalungen (im Bild mit dem stolzen Sammler Frieder Burda) ?

? sowie romantisierende Seestücke ...

... und Wolkenbilder.

Obwohl Richter immer wieder auch Skulpturen geschaffen hat, ist er vor allem als Maler bekannt worden.

Erste Erfahrungen sammelte Richter, 1932 in Dresden geboren, als Propagandamaler für DDR-Spruchbänder. 1952-56 studierte er an der Kunstakademie der sächsischen Landeshauptstadt.

Einige Jahre später, Ende Februar 1961, entschloss sich Richter zur Flucht. Über West-Berlin gelangte er nach Westdeutschland. Seine im Osten geschaffenen Kunstwerke musste er zurücklassen. Nur wenige dieser Bilder blieben erhalten.

Richter provozierte mit satirischen Bildern des "Kapitalistischen Realismus", der sich mit den Konsumgewohnheiten der 60er Jahre auseinandersetzte. 1971 erhielt er eine Professur für Malerei an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Richters reifes Schaffen ist keinem gängigen "-ismus" der Kunstgelehrsamkeit zuzuordnen.

Zwischen fotorealistischen Naturdarstellungen und den unscharfen Gemälden nach Fotografien finden sich Werke höchster Abstraktion bis hin zu Glas- und Spiegelobjekten bzw. Installationen.

Seinen Ruhm versucht Richter, ...

... der mit Sigmar Polke ?

? und Georg Baselitz zu den teuersten Gegenwartskünstlern gehört, ?

? nach Kräften zu ignorieren. Öffentliche Selbstdarstellung, geradezu Markenzeichen einiger seiner Malerkollegen, "die liegt mir nicht so, das wäre für mich schrecklich", so der Künstler.

Dabei ist schon jetzt absehbar, dass Richters jüngstes Werk nach der Fertigstellung im Frühjahr für erheblichen Wirbel sorgen wird. Für das südliche Querhaus des Kölner Doms ?

? schuf der Wahl-Kölner aus rund 11.500 Glas-Quadraten in 80 verschiedenen Farbtönen ein 100-Quadratmeter-Fenster.

Das Problem der Farbe ist es, das der Kölner Ehrenbürger hier in den Mittelpunkt seiner Arbeit stellt. Damit widmet er sich den Möglichkeiten und Grenzen der Malerei schlechthin.

Schon in den späten 70er Jahren schuf Richter große Bildflächen, von jedem inhaltlichen Thema gelöst. In bunten Schlieren widmete er sich einer Malerei, die keinen anderen Inhalt kennt als eben die Malerei selbst.

In riesigen, grau-monochromen Hinterglasbildern, ...

... in denen sich das Ende allen Malens andeutet, spiegeln sich die Betrachter ebenso ?

? wie in sorgsam gestapelten Scheiben, die die Grenze zwischen Skulptur und Leinwand aufheben.

Es sei "eine unstete Lust am Malen", die ihn in seinem asketisch-noblen Atelier in einem Kölner Vorort umtreibt, bekennt Richter: der Künstler als skeptisch Suchender im Medium Malerei.

Abstraktion ist dabei für Richter ein gesellschaftliches Modell, ein Gleichnis gesellschaftlicher Zustände, in dem "das Unterschiedlichste und Widersprüchlichste in möglichster Freiheit lebendig und lebensfähig" zusammengebracht wird.

"Ich rede ungern über Theorien, weil ich ja keine habe", meinte Richter einmal.

In diesem Punkt, und nicht nur in diesem, ist er das genaue Gegenteil des Kunst-Schamanen Joseph Beuys.

Richter wechselt seine Malweise. "Wenn man von einer Sache genug hat - dann muss man was anderes tun, vom Gefühl her".

So überraschte er Anfang 2005 einmal mehr bei einer großen Retrospektive, die in Düsseldorf, München und Japan zu sehen war, mit dem neun mal neun Meter großen, abstrakten Motiv "Strontium", das im Computer generiert worden ist.

Nur "etwa jedes zwanzigste Bild ist ein realistisches", erklärt der Künstler. Dazu gehört seine malerische Auseinandersetzung mit den Fahndungsfotos der Roten Armee Fraktion im Zyklus "18. Oktober 1977".

Mit der Darstellung von RAF-Terroristen äußerte sich Richter 1988 zu einer prekären Phase der deutschen Geschichte, ohne dass er politisch Position bezog.

Während der RAF-Zyklus im New Yorker Museum of Modern Art aufbewahrt wird, verfügt das Albertinum in Dresden über den weltweit größten Bestand an Richter-Werken.

In Richters Heimatstadt entsteht außerdem zurzeit ein wissenschaftliches Archiv, das in allen Details das Werk des Künstlers erforscht und dokumentiert. Bis 2010 soll es den ersten Band des Werkverzeichnisses geben. Vier Bände sind geplant.

Das Archiv umfasst mehrere tausend Objekte Richters, vom Foto bis zum Kunstplakat. Ausgewählte Stücke sollen auch für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine erste kleine Schau ist zu Richters Geburtstag geplant.

Richter selbst äußert sich kaum noch zu seinem Werk. Die Zeit der Interviews, so sagt er, "ist aus und vorbei".

Was seinen Geburtstag anbelangt, so hätte der Maler schon seinen 70. am liebsten ignoriert. "Ich will diesen Geburtstag nicht zelebriert haben!", betont er nun auch fünf Jahre später. Doch eines lassen wir uns nicht nehmen: Wir gratulieren!

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