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Nach 24 Jahren "Wetten, dass..?": Gottschalk sagt "Servus"

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Einer der letzten großen TV-Entertainer tritt ab. (Foto: dapd)

Einer der letzten großen TV-Entertainer tritt ab.

Einer der letzten großen TV-Entertainer tritt ab.

Nach fast einem Vierteljahrhundert "Wetten, dass..?" verabschiedet sich Thomas Gottschalk von der Samstagabendshow.

"Das ist eine Angelegenheit zwischen mir und dem Publikum", hatte der 60-Jährige zuvor auf Fragen nach einem möglichen Abschied geantwortet.

Und so verkündet Gottschalk seine Entscheidung auch auf dem Sofa, "auf dem ich die besten 25 Jahre meines Lebens verbracht habe", wie er zu Beginn der Sendung zum 30. Geburtstag von "Wetten, dass..?" erzählt.

Der TV-Veteran gibt zu, dass er den Schock nach dem Unfall von Samuel Koch im Dezember vergangenen Jahres noch nicht verwunden hat.

Es liege ein "Schatten auf der Sendung". Aus diesem Grund habe er sich entschlossen, nach dem Ende der Staffel im Sommer aufzuhören.

Koch hatte versucht, mit Sprungstelzen über fahrende Autos zu springen. Seit seinem Sturz ist er gelähmt.

Nach dem Unfall wurden Vorwürfe laut, das ZDF habe wegen des Quotendrucks zu sehr auf riskante Wetten gesetzt.

Auch wenn ein unabhängiger Gutachter Gottschalk und das "Wetten, dass..?"-Team entlastete - für den 60-Jährigen war schon während der Sendung klar, dass nun "Schluss mit lustig" ist.

Seine Ankündigung überschattet die Jubiläumssendung von "Wetten, dass..?" - der Show, die Gottschalk zum Star machte.

Als Nachfolger des Erfinders der Show, Frank Elstner, übernimmt der gebürtige Bayreuther im September 1987 die Moderation.

Zuvor hatte er als Moderator der Sendung "Na sowas!" und als Partner von Mike Krüger in der "Supernasen"-Trilogie von sich reden gemacht.

Fortan führt der Bayer in seiner gewohnt flapsigen Art durch die Sendung mit der einfachen Formel: Stars + Wetten + Gottschalk = die erfolgreichste Unterhaltungsshow im deutschen Fernsehen.

Schnell ist Gottschalk berüchtigt - nicht nur für seine extravagante Kleidung.

Bei der Einlösung seiner Wettschulden zeigt der Moderator sich völlig schmerzfrei.

Nicht selten verwirrt er die Gäste (hier Nicolas Cage) mit seinem unkonventionellen Auftreten.

Das Publikum liebt die Mischung aus Smalltalk mit Weltstars, ...

... spannenden ...

... oder einfach nur skurrilen Wetten, ...

... Musik ...

... und purem Klamauk.

"Wetten, dass..?" avanciert zum Straßenfeger. Regelmäßig knackt die Show die 10-Millionen-Grenze.

Seine Prominenz nutzt er für gut bezahlte Werbeverträge. Seit 1991 ist sein Gesicht untrennbar mit Gummibärchen verbunden.

Das bringt ihm 2006 sogar einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde: Er hat das "längste Werbeverhältnis zu einem werbetreibenden Unternehmen."

Obwohl Gottschalk zu den bekanntesten Gesichtern des deutschen Fernsehens gehört - in der Öffentlichkeit macht er sich rar.

Mit seiner Frau Thea - mit der er den Hang zu extrovertierter Kleidung teilt - und seinen Kindern zieht er Anfang der 90er Jahre ins kalifornische Malibu.

Zwar kauft er 2004 das Schloss Marienfels bei Remagen am Rhein, Hauptwohnsitz der Familie bleibt aber der sonnige US-Staat.

Eine internationale Karriere strebt der Entertainer allerdings nicht an - die bleibt seiner Paradeshow "Wetten, dass..?" vorbehalten, die in 8 Länder (darunter China) exportiert wird.

In den 90er Jahren versucht Gottschalk sich auch im Privatfernsehen - unter anderem mit dem Format "Gottschalks Hausparty", das bis Ende 1997 läuft.

Seine "Late Night Show" konnte zuvor keine ganz großen Erfolge feiern - er bereitete damit aber den Weg für Harald Schmidt.

Der Großmeister der deutschen Late Night Comedy ist überzeugt: "Thomas Gottschalk hat das Frechsein im Fernsehen erfunden."

Ausleben konnte er dieses Talent am besten bei "Wetten, dass..?".

So blieb seine Auszeit - Wolfgang Lippert übernahm zwischen September 1992 bis November 1993 für neun Shows - von kurzer Dauer.

Im Umgang mit den ganz großen Stars fühlt er sich wohl, ...

beim Publikum und den Gästen bleibt er beliebt.

Doch bei "Wetten, dass..?" läuft beileibe nicht immer alles rund.

Sein chronischer Hang zum Überziehen lässt den Programmgestaltern graue Haar büschelweise wachsen. Sein Rekord: 73 Minuten (am 8. Dezember 1996).

Eingang in die TV-Geschichte findet die Buntstift-Wette. Ein "Titanic"-Redakteur behauptet, er könne Buntstifte am Geschmack erkennen. Dabei bedient er sich eines einfachen Tricks: Er linst unter der Schutzbrille hindurch.

Gottschalk ist not amused und ätzt in der nächsten Sendung: "Ein Satz hätte genügt. Was macht er stattdessen? Schreibt 14 Seiten in einer Zeitschrift, die keiner liest."

Legendär auch der Ausraster von Götz George, der den Gastgeber genervt anfährt: "Immer wieder kommt der Oberlehrer durch bei dir." George muss sich laute Buh-Rufe gefallen lassen.

Vier Jahre später söhnen sich die Streithähne aus - bei einem erneuten Streit, der sich aber nach Minuten als vorgetäuscht entpuppt.

Seine Souveränität lässt ihn viele unangenehme Situationen überstehen. Bei einem Gespräch mit Alexandra Maria Lara brüllt ein Zuschauer plötzlich: "Thomas, tue Buße." Mehrere Sicherheitskräfte schaffen es nicht, den Mann aus dem Saal zu schaffen.

Gottschalk aber hat die Lacher auf seiner Seite: "Solange du nicht aufhörst zu quatschen, höre ich auch nicht auf. Und im Gegensatz zu dir habe ich ein Mikrofon."

Selbst den Grantler Reich-Ranicki kann Gottschalk beschwichtigen. Als der Literaturkritiker 2008 beim Deutschen Fernsehpreis mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden sollt, setzt er zu einer Brandrede auf das Fernsehen an.

Gottschalk lädt ihn zu einer Aussprache vor Kameras ein.

Gottschalks Fähigkeit, zwischen Trash ...

... und Hochkultur (hier bei der Eröffnung der Bayreuter Festspiele) zu agieren, macht ihn zur Allzweckwaffe.

Bei Jahresrückblicken ...

... und Spendengalas ist er auf den Bildschirmen präsent.

Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreises 2009 unterstreicht noch einmal den Stellenwert von "Wetten, dass..?" und erweitert die Trophäensammlung Gottschalks.

Doch seine Aushänge-Show gerät in Turbulenzen.

Die privaten Sender konkurrieren mit neuen Formaten am Samstagabend, die Quoten verschlechtern sich deutlich.

Je stärker die Quoten sinken, desto lauter wird die Kritik an dem altgedienten Entertainer. Seine oft schlecht vorbereiteten Gespräche mit den Studiogästen, auf deren Antworten er kaum achtet, ...

... sowie sein zotiger Humor bieten Angriffsfläche.

Die ZDF-Macher setzen auf Neuerungen und stellen Gottschalk im September 2009 eine Co-Moderatorin an die Seite.

Die Schweizerin Michelle Hunziker soll die Sendungen auflockern.

Doch anstatt noch einmal durchzustarten, erlebt das Duo im Dezember 2010 die schwarze Stunde, die das Ende von "Wetten, dass..?" in der bisherigen Form bedeuten sollte.

Selbst wenn das ZDF "Wetten, dass..?" mit anderem Personal weiterführen sollte: Die Sendung wird immer mit Thomas Gottschalk verbunden bleiben.

Mit ihm geht ein Stück Fernsehgeschichte.

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