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Die Frau reitet auf einer Welle des Erfolges.
Sie hat es ja auch verdient!
Einen Golden Globe hat sie für "Der Vorleser" bekommen, ...
... einen weiteren für ihre Rolle in "Aufruhr des Herzens" an der Seite ihres "Titanic"-Partners Leonardo DiCaprio.
Vor elf Jahren waren sie zuletzt gemeinsam auf der Leinwand zu sehen, als romantisches Liebespaar an Bord der mit elf Oscars ausgezeichneten "Titanic".
Jetzt spielen die beiden die Hauptrollen in "Zeiten des Aufruhrs" - ...
... ein großes, schmerzensreiches, bis in die Nebenrollen hochkarätig besetztes Ehedrama.
Leos Kommentar: "Kate hat inzwischen wirklich küssen gelernt!"
Sie hatte ja auch ein paar Jahre Zeit.
Und da hat sie viel geküsst!
Doch zurück ins Jetzt: Der britische Regisseur Sam Mendes ("American Beauty", "Road to Perdition"), seit einigen Jahren auch ihr Ehemann, ...
... hat Richard Yates' Roman, der 1961 erschien, stilsicher und nah an der Vorlage adaptiert.
In diesem "Great Gatsby unserer Zeit", wie Autor Kurt Vonnegut dieses Werk einmal ehrfürchtig nannte, ...
... findet sich in der Geschichte einer dramatisch scheiternden Ehe - sogar die Desillusionierung einer ganzen Generation - wieder.
Frank Wheeler (DiCaprio) kämpfte im Zweiten Weltkrieg an der Front, besuchte eine renommierte Universität und muss Mitte der 1950er Jahre erkennen, dass er seinen öden Bürojob in New York hasst und das Leben in der blitzsauberer Vorstadtidylle grässlich findet.
Noch mehr leidet seine Ehefrau April unter der Situation.
Ihr Alltag als Hausfrau und Mutter inmitten bigotter Nachbarn und Spießer hängt ihr zum Hals heraus.
Sie versucht Frank davon zu überzeugen, alles hinzuschmeißen und nach Paris auszuwandern.
Zunächst scheint ihr Ehemann von dem Plan begeistert zu sein, aber als April wieder schwanger wird, zerplatzen die Träume vom selbstbestimmten Leben so schnell wie Seifenblasen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf.
Jedoch - für diese Tragödie scheint es keinen Schuldigen zu geben. Die Dinge passieren einfach, Franks freudloser Seitensprung mit der Sekretärin ebenso wie Aprils alkoholisierter Beischlaf mit dem Nachbarn im Auto.
Fremdgehen gehört zum Leben wie Blumengießen und Kinderkriegen. Letztlich ist es der Konformismus, gegen den beide nicht ankommen.
Frank ist trotz seiner Ambitionen nur einer der namenlosen Pendler, die jeden Tag die Vorortzüge bevölkern.
In New York verschwindet er im Heer der Angestellten, die auf die Bürotürme zusteuern.
Manchmal sind die Bilder vielleicht etwas zu plakativ geraten ...
... aber: Es ist faszinierend, Winslet und DiCaprio dabei zuzuschauen, wie sie ihre Liebe langsam aber zielstrebig zu Grabe tragen.
Schon die ersten Szenen mit Aprils misslungener Theateraufführung und dem anschließenden Streit, unterbrochen von Rückblenden aus glücklichen Zeiten, zeigen das ganze Dilemma dieser Beziehung, ...
... die zwischen Euphorie und Depression dem Abgrund entgegentrudelt.
Nur ein Außenseiter, der als Psychopath abgekanzelte Sohn der bigotten Maklerin Helen, sagt dem Paar die Wahrheit auf drastische Art und Weise.
Es ist "die hoffnungslose Leere", die alles umgibt. So verwelkt alles wie die Gartenblumen, für die April keine Verwendung hat.
Dabei ist ihr Name - April - doch so vielversprechend: Frühling! Neubeginn! Zartes Grün!
Es kann kein gutes Ende geben für die Wheelers, obwohl: Kate hat ihren Golden Globe für die Rolle bekommen!
Endlich! Denn oft schon war sie nominiert, und nie hat sie den Preis mit nach Hause nehmen können.
Leo DiCaprio hat keinen Globe bekommen. Er hat noch die Chance auf einen Oscar.
Kate Winslet auch!
Und seiner Lieblingskollegin Kate, die während ihrer Globes-Dankesrede gestand: "Leo, seit 13 Jahren liebe ich dich!", gönnt er den Preis von ganzem Herzen. (Außerdem hat er schon einen für "Aviator"!)
Die zweite Trophäe erhielt Winslet für ihre Rolle in "Der Vorleser".
Die Filmversion des deutschen Bestseller-Romans "Der Vorleser" von Bernhard Schlink wird in den kommenden Wochen in den USA für Gesprächsstoff sorgen, sollten die US-Kritiker mit ihren Prognosen recht behalten.
"Diese Geschichte von Erotik, Heimlichkeiten und Schuld wird bestimmt zu Diskussionen führen", prophezeit die Zeitung "USA Today" kurz vor dem Kinostart von "The Reader".
Kate Winslets "leidenschaftliches, treffsicheres Porträt wächst über bloße Schauspielerei heraus, zu einer Provokation, die einem den Schlaf raubt", lobt die Zeitschrift "Rolling Stone".
Kinogänger in Deutschland müssen sich bis zum 26. Februar 2009 gedulden.
Der jüngst zum deutschen Shooting Star 2008 ernannte "Krabat"- Darsteller David Kross (18) spielt den 15 Jahre alten Schüler Michael Berg, der sich im Nachkriegsdeutschland ...
... in die deutlich ältere Schaffnerin Hanna Schmitz verliebt.
Als Jurastudent begegnet er ihr Jahre später bei einem Kriegsverbrecherprozess im Gerichtssaal wieder, wo Schmitz als frühere KZ-Aufseherin auf der Anklagebank sitzt.
"The Reader" wird in Hollywood als Oscar-Anwärter gehandelt, als "ernstzunehmender Rivale in allen Top-Kategorien", schreibt der Kritiker der "Los Angeles Times".
Der britische Regisseur Stephen Daldry könnte sich mit seinem dritten Spielfilm nach "Billy Elliot - I Will Dance" (2000) und "The Hours - Von Ewigkeit zu Ewigkeit" (2003) seine dritte Oscar-Nominierung als bester Regisseur holen.
Neben überwiegend lobenden "Vorleser"-Rezensionen gibt es auch kritische Töne. Als "im Wesentlichen durchs Gehirn geprägtes Erlebnis ohne Bauchgefühl", urteilt das renommierte Fachblatt "Variety", ...
... während ein Kritiker der "Los Angeles Times" bemängelt, dass dem Film die "emotionale Lebendigkeit" und Intensität der Buchvorlage fehlen (Foto: Autor Bernhard Schlink).
Neben Winslet und Kross gehören auch Ralph Fiennes, Bruno Ganz und Karoline Herfurth (Foto) zur Besetzung.
Gedreht wurde in Berlin und Köln, im sächsischen Görlitz und in der Sächsischen Schweiz.
Die Darsteller sprechen Englisch mit schwachem deutschen Akzent. Er wollte diese Geschichte über das unerledigte Kapitel der deutschen Nachkriegszeit "zu einem internationalen Film" machen, sagte Autor Bernhard Schlink der "New York Times".
Die Umsetzung verlief nicht reibungslos, schon kurz nach dem Drehstart im Herbst 2007 gab es Probleme. Ursprünglich sollte Nicole Kidman die Hauptrolle übernehmen, sagte das Projekt dann aber wegen ihrer Schwangerschaft ab.
Die Produzenten Sydney Pollack (r) und Anthony Minghella (l) starben im Verlauf der Dreharbeiten, Minghella mit 54 im März nach einer Tumor-Operation, Pollack erlag mit 73 Jahren im Mai einem Krebsleiden.
Beide hat Kate Winslet voller Dankbarkeit in ihrer Rede bei den Golden Globes tränenreich erwähnt.
Im Oktober sprang der Oscar-prämierte Produzent Scott Rudin von dem Projekt ab und ließ seinen Namen aus dem Filmabspann streichen. Aus der Branche verlautete, er habe sich mit den ausführenden Produzenten Harvey (l) und Bob (r) Weinstein überworfen.
Schon Wochen zuvor war ein Streit um den Starttermin hochgekocht. Rudin und Regisseur Stephen Daldry hatten auf mehr Zeit für die Nachbearbeitung des Filmmaterials gepocht - mit einer Premiere im Jahr 2009.
Die Weinsteins verlangten eine frühere Veröffentlichung vor dem Jahresende, somit kann der Film noch ins Oscar-Rennen gehen.
Die Vermarktung des brisanten Dramas mit freizügigen Liebesszenen zwischen einem 15-jährigen Jungen und einer mehr als doppelt so alten Frau mit Nazi-Vergangenheit war kein leichtes Unterfangen.
Das Weinstein-Studio hat jüdische Gruppen und Buch-Clubs zu Filmvorführungen eingeladen. Man hoffe auf eine positive Mundpropaganda, bevor der Film in vielen Kinos anläuft, berichtet die "New York Times".
Bernhard Schlink war schon 1999 bei der Vorstellung seines Buches in der Oprah-Winfrey-Show in die Zwickmühle geraten. Denn Hauptthema war dabei zunächst nicht die Frage über Schuld und Verstrickung im "Dritten Reich", ...
... sondern die Beziehung der 36-jährigen Hanna zu dem jungen Schüler, die viele Fernsehzuschauer aufregte.
"Aufruf zum Kindesmissbrauch" nannten es einige. Doch Winfreys Begeisterung und die Aufnahme des Romans als "Buch des Monats" in ihren Buch-Club - der erste ausländische Roman - war der Startschuss für Schlinks großen Erfolg in den USA.
15 Wochen hielt er sich auf der Bestseller-Liste der "New York Times".
Auch auf der Berlinale 2009 wird Kate Winslet erwartet: "Der Vorleser" läuft in Berlin außer Konkurrenz.
Diese beiden Filme könnten also ihre wichtigsten werden.
Winslets Können ...
... und ihre Natürlichkeit haben sie weit gebracht.
Es war nicht immer leicht, ...
... oft haderte sie mit sich selbst, ...
... denn sie war z.B. noch nie Hollywood-Norm ...
... und trug auch keine Kleider in Size Zero.
Dabei sind einige Kolleginnen sogar offen neidisch.
Halle Berry zum Beispiel, letztes Jahr erst wieder zur "Sexiest Frau der Welt" ernannt, ist es: ...
"Kate hat überhaupt kein Problem sich vor der Kamera auszuziehen", findet die Kollegin. "Das könnte ich nicht".
Vielleicht kommt es ja immer auf die Rolle an, aber Kate Winslet selbst kann sich auch Schöneres vorstellen.
Sie dreht nur sehr ungern Sex-Szenen.
Solche Szenen raubten ihr den letzten Nerv, sagte sie bereits vor Jahren.
Sie ziehe sich "höchst ungern" vor der Kamera aus - schließlich sei sie Mutter zweier Kinder (nicht im Bild).
Mit Problemen wie Schwangerschaftsstreifen habe aber nicht nur sie zu kämpfen: In Hollywood sehe kein Star in Wirklichkeit so aus wie auf Titelblättern.
Danke, Kate. Danke für dieses Ehrlichkeit und diesen Mut zum auch mal "Nicht-so-schön-Sein" ...
... und danke für diese Filme, die wir uns bestimmt angucken werden! (Fotos: dpa/ AP/ rts)
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