Das Ruhrgebiet entdeckt die 90er Jahre.Bild 1 von 100 Die Loveparade, das Musik-Spektakel des vergangenen Jahrzehnts, wird am Berliner Platz in Essen gefeiert, und ganz Berlin atmet auf.Bild 2 von 100 Nur die wenigsten Bewohner vermissen die Preußenparade in der Hauptstadt.Bild 3 von 100 Techno gilt unter den Mainstream-Bewegungen seit spätestens 2001 ...Bild 4 von 100 ... als akuter Pflegefall.Bild 5 von 100 Die Feiergemeinde, ...Bild 6 von 100 ... ein gigantisches Team Telekom mit etwa einer Million Mitgliedern, bekam ein Drogen- und Imageproblem, genau wie der ehemalige Hauptsponsor der Parade.Bild 7 von 100 Irgendwann wollte keiner mehr etwas mit der Sache zu tun haben.Bild 8 von 100 Der Generation Praktikum und dem abgehängten Prekariat ist der Ernst des Lebens ...Bild 9 von 100 ... längst näher als die Freuden-Appelle der hedonistischen Bürgerkinder, die inzwischen oftmals selbst welche haben.Bild 10 von 100 Das gilt besonders für Berlin und den Osten Deutschlands.Bild 11 von 100 Die Spaß-Dekade ...Bild 12 von 100 ... ist lange vorbei, das Angestelltenzeitalter selbst bei der Telekom zu Ende und die Rave-Bewegung eigentlich auch, ...Bild 13 von 100 ... trotzdem wird im Ruhrgebiet (Bild) weiter gefeiert, weil dem 80er-Jahre-Revival schließlich irgendwann die 90er-Jahre-Party folgen muss:Bild 14 von 100 Mitte der 90er streckten alle Mitglieder der urbanen Party-Avantgarde auf dem Straßen-Rave die Zungen heraus.Bild 15 von 100 Dieses Ritual sorgte für ein nie zuvor erlebtes Gemeinschaftsgefühl.Bild 16 von 100 Manchmal hielten sich die selbsternannten Spaß-Pioniere die heraushängenden Zungen gegenseitig in die offenen Hälse.Bild 17 von 100 Auch dieses Ritual sorgte für ein nie zuvor erlebtes Gemeinschaftsgefühl.Bild 18 von 100 Es sah dann aus wie bei einer Pelikan-Mutter, die ihr Junges mit einem hochgewürgten Fischgewölle füttert ?Bild 19 von 100 ? und fühlte sich bestimmt auch genauso an.Bild 20 von 100 Aber das Gelecke und Gezeige war aus einem anderen Grund wichtig.Bild 21 von 100 Es war nicht der Hunger, der die Raver antrieb, ...Bild 22 von 100 ... es war der gleiche Grund, aus dem junge Mädchen öffentlich ihre Beckenfettwülste zur Schau stellten.Bild 23 von 100 Denn in den 90ern gab es für ein unförmig gestochenes Arschgeweih oder ein eitriges Piercing noch bewundernde Blicke statt bestürztem Mitleid.Bild 24 von 100 Alles in allem wirkte das ganze Gekörper, Geschlecke und Gegrapsche auf alle abstoßend, die den ...Bild 25 von 100 ... guten Geschmack gepachtet hatten oder ....Bild 26 von 100 .... nicht mitmachen ....Bild 27 von 100 ... durften.Bild 28 von 100 Es war ein gigantischer Ecstasy-berauschter Hauptstraßen-Porno mit Koma-Saufen.Bild 29 von 100 Das Tollste aber war: Die Veranstaltung stand auch der Zahnspangenfraktion der ...Bild 30 von 100 ... unter 18-Jährigen offen, denen heutzutage die beliebten Flatrate-Partys systematisch von der Politik vermiest werden.Bild 31 von 100 Die Parade lebte aber auch immer von den Technovoyeuren (rechts).Bild 32 von 100 Die Frauen sahen aus wie ein Prinzessin-Lilifee-Entwurf aus dem Beate-Uhse-Katalog, ...Bild 33 von 100 ... die Männer wie der böse tätowierte Bruder von Barbies Ken.Bild 34 von 100 Wenn die silikonsteifen Brüste der ...Bild 35 von 100 ... Boxen-Luder unter dem Gewummer der Techno-Bässe wie Götterspeise über die chromblitzenden Tieflader waberten, fühlten sich die Spanner in ihrem Element.Bild 36 von 100 Sie hatten ihre Freude an kopulierenden Pärchen im Park, die sich beim Liebesakt auch gern filmen ließen.Bild 37 von 100 Einigen Ravern gab die exhibitionistische Mischung ....Bild 38 von 100 ... aus Sex, Varieté und Erregung öffentlichen Ärgernisses einen ungeheuren Kick. Das war natürlich vor der massenhaften digitalen Verbreitung dieser Peinlichkeiten.Bild 39 von 100 Die Parade diente mehrfach als Filmkulisse für improvisierte B-Produktionen des Doku-Sex-Genres, das inzwischen vermutlich längst ausgestorben ist.Bild 40 von 100 Die Hauptdarsteller hielten ihre künstlerischen Ergüsse mindestens für einen Akt der Selbstverwirklichung, oftmals wurden die Digitalfilme aber auch als Performance oder Videokunst angepriesen.Bild 41 von 100 Damit das nicht wieder passiert, muss die Loveparade im Pott ...Bild 42 von 100 ... natürlich politisch korrekter verlaufen und ...Bild 43 von 100 ... ein bisschen anders werden als das Berliner Vorbild.Bild 44 von 100 Guter, sauberer, geregelter Spaß ....Bild 45 von 100 | Foto: dpa... mit Feldbetten ...Bild 46 von 100 ... und Isomatten - ein bisschen wie im Ferienlager der Kolpingjugend.Bild 47 von 100 Das Ruhrgebiet ist aber trotz aller Bedenken ein gutes Pflaster ...Bild 48 von 100 .... für die Exhibitionisten-Parade.Bild 49 von 100 | Foto: dpaUnd deshalb kamen dann auch 1,2 Millionen Raver nach Essen, um im Pott die Sau raus- ...Bild 50 von 100 | Foto: dpa... und die Hosen runterzulassen.Bild 51 von 100 Die Mega-Party ist eine proletarische Veranstaltung geworden, und darum gehört Sie auch zwingend in den proletarischen Großraum.Bild 52 von 100 In Berlin war sie perfekt aufgehoben, ...Bild 53 von 100 ... und wenn sie eine neue Heimat braucht, weil man sie in der Hauptstadt einfach nicht mehr ertragen kann, ...Bild 54 von 100 ... dann ist das Ruhrgebiet natürlich der Ort der Wahl.Bild 55 von 100 | Foto: dpaAber auch dort ging die Party-Premiere einer kleinen unbedeutenden Minderheit auf die Nerven.Bild 56 von 100 | Foto: dpaBerlin - und besonders die grüne Lunge der Stadt - hat jahrelang unter der Drogen-Party gelitten:Bild 57 von 100 Es war die Vereinigung aller Körpersäfte der Welt in den Rinnsteinen des Tiergartens. Jeder, der mal da war, kann das bestätigen.Bild 58 von 100 In einem Zeitraum von mehr als 10 Jahren starben jeden Sommer die frühjahrs eingepflanzten Setzlinge in den amphetaminschwangeren Urinfluten der Raver-Gemeinde.Bild 59 von 100 Besonders die ganz Kleinen und die Schwachen waren der Überdosis nicht gewachsen ...Bild 60 von 100 ... und wurden in einer gigantischen Welle aus Ecstasy und Harnstoff zermalmt - ....Bild 61 von 100 ... und das, obwohl der wild urinierende Mob ...Bild 62 von 100 ... angeblich im Namen der Liebe und ...Bild 63 von 100 ... des Friedens unterwegs war.Bild 64 von 100 Aber die toten Pflanzen und der viele Müll ...Bild 65 von 100 .... waren tatsächlich nur ein plumper Vorwand:Bild 66 von 100 Das eigentliche Problem war, dass sich die Loveparade-Hasser vom Bürgerverein Hansaviertel ein ganzes Wochenende lang ....Bild 67 von 100 .... nicht vor die Tür trauten, weil Sie in ihren grauen Parkas und Trenchcoats im eigenen Kiez wie die letzten Hinterwäldler verlacht worden wären.Bild 68 von 100 Doch das brettlaute Drogen-Fest wurde auch anderen Berlinern zunehmend lästig.Bild 69 von 100 Die Maschinenmusik konnte keiner mehr hören, und das Comeback der albernen Mode ....Bild 70 von 100 .... erwarteten die steif gewordenen Ex-Tänzer frühestens für das Jahr 2020.Bild 71 von 100 Die emeritierten Raver waren zu alt geworden für überlange Plastikröcke, ...Bild 72 von 100 ... magentafarbene Plateauschuhe, Sonnenblumenunterwäsche und Kuhfellhüte.Bild 73 von 100 Inzwischen benutzten die eigenen Kinder die Puscheln, die Wasserpistole und den Kirmeshaarreif mit Glitzerkugeln.Bild 74 von 100 Die infantilen Accessoires ...Bild 75 von 100 ... wie Tiger-Stulpen, Regenbogen-Klamotten aus Plastik, ...Bild 76 von 100 .... immer wieder diese Teletubby-Puscheln, ...Bild 77 von 100 ... Smileys, Blumenketten ...Bild 78 von 100 ... oder Neon- und Metallic-Kleider passten nicht mehr zur eigenen Lebenswirklichkeit.Bild 79 von 100 Die vielen Techno-Nachzügler aus der Provinz, ...Bild 80 von 100 ... die im neuen Jahrtausend noch immer mit gefärbten Augenbrauen wegen Bum-Bum-Beats, ...Bild 81 von 100 ... Party-Drogen und Berlin-Feeling an die Spree kamen, erregten nicht nur bei älteren Szenegängern Mitleid.Bild 82 von 100 Der Umzug hatte seinen Zweck für Berlin schließlich längst erfüllt.Bild 83 von 100 Die Hauptstadt ist der Clubbing- und Party-Standort in Europa, und zwar an jedem Wochenende im Jahr.Bild 84 von 100 Der Parade ist es zu verdanken, ...Bild 85 von 100 ... dass Klaus Wowereit über Berlin sagen konnte: "Arm, aber sexy", obwohl er eigentlich sich selbst meinte.Bild 86 von 100 Mehr kann eine Massenveranstaltung für eine Stadt nicht tun.Bild 87 von 100 Es ist eine klassische Win-Win-Lösung für Berlin und ...Bild 88 von 100 ... das Ruhrgebiet:Bild 89 von 100 Die Parade wird bis 2011 im Pott gefeiert - jedes Jahr in einer anderen Stadt.Bild 90 von 100 "Dadurch wird sie eine zusätzliche Dynamik entwickeln und ...Bild 91 von 100 ... noch abwechslungsreicher werden", versprechen die Veranstalter.Bild 92 von 100 | Foto: dpaDabei ist es schwierig, einen Unterschied ...Bild 93 von 100 | Foto: dpa... zu den Umzügen in Berlin festzustellen, denn das Ergebnis der Feier ...Bild 94 von 100 | Foto: dpa... ist traditionell immer und überall das gleiche.Bild 95 von 100 Die Ruhrmetropole ist fast genauso arm wie Berlin, und wenn Oberbürgermeister Frank Baranowski erklärt: "Wir werden zeigen, dass wir mindestens genauso sexy sind wie Berlin", dann sorgt das natürlich für gespannte Vorfreude bei den Partygästen.Bild 96 von 100 Gelsenkirchen lockt die Raver im Abschlussjahr des Ruhrgastspiels mit dem sexuellen Paraden-Höhepunkt.Bild 97 von 100 Berlin wird im Jahr 2011 neidisch auf den kochenden Pott blicken, ...Bild 98 von 100 | Foto: dpa... wenn die geballte Erotik von Baranowski die Party zum Kulminieren bringt.Bild 99 von 100 Bis dahin wird noch der eine oder andere Rave durch den Pott wummern, vielleicht kommt Klaus Wowereit mal zu Besuch, wenn er sich noch fit und sexy genug für eine Reise an die Ruhr fühlt.Bild 100 von 100