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"It"-Girl im freien Fall: Vom Kinderstar zum Knacki: Lindsay Lohan

 
"It"-Girl im freien Fall: Vom Kinderstar zum Knacki: Lindsay Lohan

Der Auftritt war wirklich filmreif.

Viel dramatischer hätte Hollywood das wohl auch nicht inszenieren können.

Als Lindsay Lohan erfährt, dass sie tatsächlich ins Gefängnis muss, bricht sie in Tränen aus.

Ja, beinahe wirkt es so, ...

... als sei die 24-Jährige dem Zusammenbruch nahe.

Doch alles Schluchzen hilft nichts.

Richterin Marsha Revel lässt sich nicht erweichen: 90 Tage Haft und eine anschließende Entziehungskur, lautet ihr Urteil. Strafe dafür, dass Lohan die ihr in einem früheren Verfahren aufgebrummten Kurse für Süchtige immer wieder geschwänzt hat.

Und auch die Anklage zeigt sich knallhart. Lohan glaube, über dem Gesetz zu stehen, wirft Staatsanwältin Danette Meyers (r) der Schauspielerin an den Kopf. Das Gericht indes sei ihr völlig egal.

Tatsächlich wirkt die 24-Jährige noch zu Beginn der Verhandlung eher gelangweilt ...

... und teilnahmslos. Möglicherweise glaubte sie ja wirklich, ...

... mit ihren Erklärungsversuchen beim Gericht punkten zu können.

"Ich muss allein für meinen Unterhalt sorgen. Ich muss arbeiten. Ich habe alles versucht, meine Jobs zu machen und gleichzeitig die Kurse zu besuchen", beteuerte Lohan.

Vergebens. Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht - schließlich hatte sie schon in der Vergangenheit das Gericht mehrfach durch die Missachtung ihrer Bewährungsauflagen und das Fernbleiben von Prozessterminen düpiert.

Und auch diesmal scheint sie die Richterin nicht für voll zu nehmen. Schauen Sie ...

... doch noch einmal genau hin.

Immerhin: Lohan kann das Gericht als freie Person verlassen. Ihre Haftstrafe muss sie erst am 20. Juli antreten. Das jedoch wird dann wohl der bisherige Tiefpunkt ...

... in ihrer kurzen, von Skandalen und Skandälchen geprägten Karriere im Rampenlicht der Öffentlichkeit sein. Dabei ...

... hatte alles eigentlich gut begonnen. Schon als Kleinkind vor der Kamera, ist sie 1998 mit gerade einmal zwölf Jahren in ihrem ersten Kinofilm zu sehen. Bei "The Parent Trap", der im Deutschen "Ein Zwilling kommt selten allein" heißt, handelt es sich um eine Disney-Adaption von Erich Kästners Roman "Das doppelte Lottchen".

Darin spielt Lohan gleich eine doppelte Hauptrolle: Als die beiden Zwillinge Annie und Hallie gelingt es ihr im Film, die getrennt lebenden Eltern der beiden Mädchen wieder zusammenzubringen. Im wahren Leben ...

... hat Lindsay Lohan mit ihrem Elternhaus weniger Glück. Mutter Dina ...

... und Vater Michael, die sich 2005 scheiden ließen, liefern sich seit Jahren einen Rosenkrieg.

In aller Öffentlichkeit stritten und streiten sie sich um das Sorgerecht für ihre insgesamt vier Kinder, ums Geld und um den richtigen Umgang als Eltern mit Lindsay. Der Ehrgeiz ihrer Eltern, die sie schon als Kleinkind zu Castingshows schleppten, ...

... ist die Kehrseite des Erfolgs von Lindsay Lohan.

Dass man es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen muss, lebte der Vater ihr zudem vor. Wegen Insidergeschäften saß der frühere Börsenmakler jahrelang im Gefängnis. Und auch wegen versuchter Körperverletzung ...

... und Trunkenheit am Steuer ...

... muss er die Karriere seiner Tochter zeitweise durch Gitterstäbe hindurch verfolgen. Lindsay Lohan schafft 2003 endgültig den Durchbruch als Schauspielerin - in "Freaky Friday" ...

... an der Seite von Jamie Lee Curtis. Von da an geht es für das Nachwuchstalent ...

... Schlag auf Schlag. Es folgen weitere Kino-Rollen, etwa in "Confessions Of A Teenage Drama Queen" ("Bekenntnisse einer Highschool-Diva"), ...

... "Mean Girls" ("Girls Club - Vorsicht bissig!") ...

... oder "Herbie: Fully Reloaded".

Lindsay Lohan wird zum Teenie-Star. Sie räumt ...

... diverse Preise ab, ...

... ziert schon bald die Titelseiten ...

... diverser Zeitschriften und reift unter den Augen der Öffentlichkeit ...

... vom Mädchen zur Frau, die sich ganz große Fans ...

... auch als Plastik-Nachbildung nach Hause holen können.

Nebenher schiebt Lohan zudem ihre Musik-Karriere an und landet sogar diverse Chart-Hits.

Und als wäre das nicht genug, macht sie auch noch in Mode. Sie stolziert über den Laufsteg ...

... und bringt eine eigene Kollektion heraus, an deren Anfang Leggins stehen.

Jawohl, Leggins.

2007 wird Lindsay Lohan von der Zeitschrift "Maxim" zur heißesten Frau des Jahres gewählt. Und, nun ja, liebe Herren, ...

... ob blond ...

... oder dunkelhaarig, ...

... wer ...

... würde ...

... Lindsay ...

... schon ...

... von der Bettkante schubsen?

Dabei ist spätestens seit 2005 klar, dass die scheinbar glückliche Fassade des Ruhms ...

... ordentliche Risse aufweist. Lohan verfällt dem Mager-Wahn. Ihr dramatischer Gewichtsverlust bewegt die US-Amerikaner so sehr, dass sich im Netz sogar vorübergehend eine Initiative "Feed Lindsay" gründet. Bulimie-Gerüchte machen die Runde, ...

... und die Schauspielerin fällt in der Öffentlichkeit immer häufiger aus der Rolle. Lohan wird vom hoffnungsvollen Talent ...

... immer mehr zum It-Girl und Partyluder. Paparazzi-Fotos, die sie ohne Unterwäsche zeigen und tiefe Einblicke gewähren, machen die Runde. Ganz so ...

... wie bei Britney-Spears, mit der sich Lohan gerne lange Partynächte um die Ohren schlägt.

Lohan hat diverse Affären mit Männlein (hier Harry Morton)...

... und Weiblein wie der DJane Samantha Ronson. Keine davon ist von Dauer.

Beim Shopping haut sie gerne schon mal an einem Tag 100.000 Dollar auf den Kopf, und das, ...

... obwohl es mit ihrer Karriere bergab geht. Schon 2006 kündigt ihre Plattenfirma den Vertrag, ...

... und auch ihre Filmkarriere geht den Bach runter. Für ihre Rolle in dem Horrorstreifen "I Know Who Killed Me" erhält sie 2008 die wenig schmeichelhafte "Goldene Himbeere". Auch an den Kinokassen gerät das Werk zum Flop.

Wenngleich Lohan (r) hier mit Jane Fonda (l) und Felicity Huffman um die Wette strahlt - das Bild täuscht. Am Set zum Streifen "Georgia Rule" ("Georgias Gesetz") kracht es gewaltig. Lohan lässt sich während der Dreharbeiten derart gehen, dass die Studiobosse sie in einem Brandbrief zu mehr Professionalität auffordern.

Das war dringend nötig, sagt später Jane Fonda.

Wohl aus ganz anderen Gründen liefert sich Lohan auch mit Paris Hilton einen öffentlichen Zickenkrieg. Womöglich fürchtet die Hotelerbin, dass ihre Rivalin ihr den Rang als Skandalnudel Nummer 1 ablaufen könnte. Dabei haben beide eigentlich Einiges gemeinsam. Wie Hilton ...

... hat Lohan so ihre Probleme mit dem Autofahren (im Bild ein Gebäude, dass sie 2005 rammte). Nach diversen anderen Unfällen, für die die Polizei jedoch den Star verfolgende Paparazzi verantwortlich machte, ...

... rauscht Lohan im Mai 2007 im Nobelort Beverly Hills mit ihrem Mercedes gegen einen Bordstein ...

... und ins Gebüsch. Sie wird wegen Trunkenheit am Steuer und des Besitzes von Kokain verhaftet und angeklagt. Nur zwei Monate später ...

... gerät sie abermals betrunken und unter Drogeneinfluss in eine Polizeikontrolle. Spätestens jetzt ist klar, dass Lohan ihr Suchtproblem, das sie zuvor schon mit dem Besuch einer Entzugsklinik und Treffen bei den Anonymen Alkoholikern zu bekämpfen versucht hatte, nicht im Griff hat.

Der damals 21-Jährigen wird eine dreijährige Bewährungsstrafe auferlegt. Zudem wird sie zu Sozialarbeit und zu einem eintägigen Gefängnisaufenthalt verdonnert. Wegen der Überbelegung der zugewiesenen Haftanstalt ist sie jedoch nach exakt 84 Minuten wieder frei. Vielleicht deshalb ist der Schauspielerin der Ernst der Lage noch immer nicht so richtig bewusst.

Als sie im Mai 2010 lieber bei den Filmfestspielen in Cannes abhängt, als zu einem Gerichtstermin zu erscheinen, platzt der Richterin bereits der Kragen. Von da an muss Lohan eine Fußfessel tragen, die im Falle von Alkoholkonsum Alarm schlägt.

Das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht haben aber die von Lohan verpassten Therapiestunden. Auch ...

... wenn es die Fans der Schauspielerin nicht wahr haben wollen - diesmal könnte es wirklich sein, dass sie auf den Anblick ihres Schwarms ...

... für eine Weile verzichten müssen. Auch wenn die 90-tägige Haftstrafe für Lohan wegen der Überfüllung der Gefängnisse abermals verkürzt werden könnte - länger als 84 Minuten dürfte ihr Gefängnisaufenthalt diesmal in jedem Fall dauern. (Text: Volker Probst)

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