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Und tschüss: Arbeitsplätze in Deutschland verschwinden

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Nokia dreht im Bochumer Werk das Licht aus. Der Standort wird nach Rumänien verlagert.

Nokia dreht im Bochumer Werk das Licht aus. Der Standort wird nach Rumänien verlagert.

Nokia dreht im Bochumer Werk das Licht aus. Der Standort wird nach Rumänien verlagert.

Die Empörung bei den Arbeitnehmern ist groß, verständlicherweise. Hatten sie doch bis zuletzt um ihre Arbeitsplätze mit Zugeständnissen und Überstunden gekämpft.

Angesichts eines Gewinnsprungs auf 7,2 Mrd. Euro Netto ist die Entscheidung schwer nachzuvollziehen. Aber leider sind die Finnen mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland nicht alleine.

Im Winter 2006 gab der Mutterkonzern von AEG, die schwedische Electrolux, das Nürnberger Werk schließen zu wollen. Die Arbeitsplätze von 1700 Beschäftigten waren in Gefahr.

Die Arbeitnehmer kämpften für den traditionsreichen Standort. 46 Tage lang streiken sie für den Erhalt ihres Werks. Die Produktion sollte nach Italien und Polen verlagert werden.

Am Ende stimmen die Beschäftigten einem Sozialtarifplan zu. Die Schließung war nicht zu verhindern. Am 31. März 2007 wurde das Werk dicht gemacht.

Im Sommer 2005 gab der Reifenhersteller Continental bekannt, die Reifenproduktion im Stammwerk Hannover-Stöcken schließen zu wollen. 320 Arbeitsplätze waren davon betroffen.

Conti-Vorstand Manfred Wennemer argumentierte, es werde zu wenig und zu teuer produziert. Außerdem ginge der Absatz zurück.

Die Betriebsvereinbarung über längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich wurde von der Konzernleitung aufgehoben.

Der Sanitärarmaturenhersteller Hans Grohe gab im Mai 2005 bekannt sein Werk im brandenburgischen Herzberg Ende des Jahres schließen zu wollen. Deutschlandweit seien weitere 1200 Stellen akut in Gefahr.

Gerüchte hielten sich, wonach insgesamt sogar 3000 der 4500 Stellen in Deutschland verlagert werden sollten. Eine Unternehmensberatung hatte dem Konzern mitgeteilt, dass die Werke nicht wirtschaftlich zu führen seien.

In Herzberg wurde den Beschäftigten zum 31. Dezember gekündigt. Kurz zuvor wurde ein neues Werk in Thailand eingeweiht.

Der Elektronikkonzern Samsung produzierte in Berlin Oberschöneweide seit 1993 Bildröhren. Fördergelder von 30 Millionen Euro flossen über die Jahre. Im Herbst 2005 gab der Konzern bekannt, das Werk in Berlin schließen zu wollen.

750 der ehemals 800 Arbeitsplätze fielen dem Rotstift zum Opfer. Samsung erklärte den Schritt mit Überkapazitäten und dem Wechsel zu Flachbildschirmen.

Trotz Protesten und zahlreichen Aktionen der Gewerkschaft IG Metall ließen sich die Koreaner nicht umstimmen.

Der Aluminiumproduzent Norsk Hydro ASA gab 2005 bekannt, seine Standorte in Hamburg und Stade schließen zu wollen. 870 Arbeitsplätze standen auf der Kippe.

Im Kanzleramt gab es einen Krisengipfel mit der Führung des Konzerns - ergebnislos. Die Rettungsversuche der Politik kamen, nach Angaben des Konzerns, zu spät.

Immerhin bauten die Norweger eine Werk zum Recycling von Aluminium in Uedesheim (Nordrhein-Westfalen). Dort fanden 800 Menschen einen Arbeitsplatz. Das Werk gehört technologisch zu den besten Standorten weltweit.

Der Bauelementeghersteller Epcos gibt 2004 bekannt, dass er Tausende seiner Arbeitsplätze von Deutschland ins Ausland verlagern will. Die Belegschaft soll von 3700 Mitarbeiter hierzulande auf unter 2000 reduziert werden.

Zuvor hatte die ehemalige Siemens-Tochter allerdings schwere Jahre hinter sich. Das Unternehmen begründete den Schritt auch mit betriebswirtschaftlichen Gründen. Die Arbeitskosten machten bei Epcos mehr als 40 Prozent an den Gesamtkosten aus.

Der Autozulieferer Siemens VDO verlagerte Anfang 2005 1600 Arbeitsplätze über die Grenze ins tschechische Ostrava. Bis Ende 2007 sollte das Werk in Würzburg komplett geschlossen werden.

Doch die Beschäftigten kämpften erfolgreich für ihr Werk. Es wurde eine Beschäftigungsicherung bis 2010 ausgehandelt.

Nach der Übernahme von Siemens VDO durch Continental ist die Zukunft des Werkes weiter ungewiss. Continental hatte vor dem Kauf des Unternehmens mit Standortargumenten geworben. Man will für den Erhalt des Werks kämpfen, so die Geschäftsleitung.

Im Sommer 2007 gibt Motorola bekannt, die Logistik-Abteilung in Flensburg mit 700 Beschäftigten auslagern zu wollen. Die Sparte soll bis Sommer 2008 zu dem kanadischen Logistiker Cinram nach Aachen verlegt werden.

Immerhin bleiben die Arbeitsplätze in Deutschland. Die Mitarbeiter bekamen alle ein Angebot mit nach Aachen zu gehen.

Giesecke & Devrient stellt Chipkarten her und druckt fälschungssichere Geldscheine. Teile der Produktion wurden 2006 vom Standort Tegernsee in die Slowakei verlagert.

Da das Unternehmen Geldscheine für Indien druckt wurden dort zehn Millionen Euro in den letzten Jahren investiert. Auch in Mexiko weihte der damalige Ministerpräsident Stoiber ein Werk ein. Der bayerische Standort Luisenthal wurde bis Ende 2006 geschlossen.

Schon lange produzieren deutsche Autobauer im Ausland, wie BMW hier in Spartanburg in den USA. Die Industrie will sich durch die Werke unabhängiger von Wechselkursen machen und natürlich vor Ort Autos verkaufen.

Dabei werden mittlerweile ganze Modellreihen im Ausland gefertigt. Aus Spartanburg (South Carolina) kommt der Z3 und der Nachfolger Z4. Außerdem wird der X5 produziert. Auch der neue BMW X6 wird in dem Werk gebaut werden.

Volkswagen ist schon lange in Mexiko aktiv. Die Produktion begann bereits 1966 mit dem VW Käfer. Erst 2003 lief der weltweit letzte Käfer vom Band.

Seitdem wird im Werk Puebla der Nachfolger Beetle, Jetta und der Golf Variant gebaut. In Mittel- und Südamerika ist VW an acht Standorten vertreten. Außerdem gibt es zwei Werke in China, eines in Südafrika und acht Werke in Europa außerhalb von Deutschland.

Aber ganz ohne Ärger lief das Werk in Mexiko nicht. 2004 gingen die 10.000 Beschäftigten zum wiederholten Male in den Ausstand und forderten 8,5 Prozent mehr Gehalt. Bereits in den Jahren 2000, 2001 und auch 2006 gab es langwierige Arbeitskämpfe.

Der Daimler-Konzern feierte gerade das zehnjährige Bestehen seiner Fertigung in Tuscaloosa (Alabama). Die deutschen Autokonzerne haben sich mehrheitlich im Südosten der USA niedergelassen.

Dort sind im Gegensatz zu der Autostadt Detroit die Gewerkschaften nicht ganz so stark und es ist deutlich wärmer. Mercedes produziert in Alabama die M-, R- und GK-Klasse. Demnächst wird hier auch der neue GLK vom Band laufen.

Der Sportartikelhersteller Adidas hat in Europa noch einen Standort in Scheinfeld bei Herzogenaurach.

Ansonsten wird vornehmlich in Asien produziert. 2005 verlagerte Adidas einen Teil seiner Produktion von China nach Indonesien, weil die EU im Streit mit China Einfuhrquoten für Textilien etablierte.

Ein Gegenbeispiel ist Trigema, die viel Wert darauf legen und Werbung damit machen, ausschließlich in Deutschland zu produzieren. Auch andere hochwertige Fasern konnte sich mit der Produktion teilweise wieder etablieren. Doch insgesamt ist der Trend eher gegenläufig.

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