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Gazprom gilt als der mächtigste Konzern der Welt.
Von Nikita Chruschtschow ...
... über Leonid Breschnew ...
... bis Wladimir Putin haben Russlands Präsidenten Gas als Element der Machtpolitik eingesetzt.
Der ehemalige Gazprom-Aufsichtsratschef Dmitri Medwedew ist der gegenwärtige Präsident Russlands. Er setzt diese Politik konsequent fort.
"Gas ist eine Waffe", schreibt der Journalist Waleri Panjuschkin. "Es brennt, es explodiert und kann Menschen ersticken", ist ein geflügeltes Wort unter den Gazprom-Mitarbeitern.
Gazprom ist der der weltgrößte Erdgasproduzent und das größte Energieunternehmen Russlands. Der Konzern kommt für etwa ein Fünftel der russischen Haushaltseinnahmen auf und beschäftigt rund 430.000 Menschen.
Er förderte im vergangenen Jahr 549,6 Milliarden Kubikmeter. Das sind 84,5 Prozent der russischen Gasgewinnung und fast ein Fünftel der weltweiten Gasproduktion.
Im Jahr 2007 lag der Nettogewinn bei umgerechnet rund 9,8 Mrd. Euro.
Der russische Staat hält die Kontrollmehrheit von knapp über 50 Prozent der Anteile. Größter ausländischer Aktionär ist die Eon-Tochter Ruhrgas mit rund 6,4 Prozent. 13,2 Prozent der Gazprom-Papiere werden im Westen gehandelt.
Deutschland ist zu 45 Prozent von russischem Gas abhängig, Österreich zu 75 Prozent und Finnland zu 100 Prozent. Die EU bezieht etwa 25 Prozent ihres Gases von Gazprom.
Die Wirren der wilden Privatisierung in den 90er Jahren überstand Gazprom verhältnismäßig gut.
Im Gegensatz zu anderen Staatskonzernen wurde das Unternehmen nicht zerschlagen. Das verhinderte der damalige Chef Viktor Tschernomyrdin, der später unter Boris Jelzin Premierminister Russlands wurde.
Gazprom wurde ein wichtiges Instrument des Kremls, die Kontrolle über die immensen Bodenschätze des Landes zurückzugewinnen.
Mittlerweile ist Gazprom ein wesentlicher Bestandteil der russischen Außenpolitik. Regierungen ehemaliger Sowjetrepubliken, die sich vom Kreml emanzipieren wollen, wird die Gasrechnung kräftig erhöht. Andere zahlen Vorzugspreise.
So stoppte der Konzern 2006, 2008 und Anfang 2009 die Gaslieferungen an die Ukraine. Das Land begleiche seine Rechnungen nicht, hieß es zur Begründung.
Im Westen unterstellten viele Analysten allerdings auch politische Motive. Ein Grund für den Schritt sei die pro-westliche Regierung, hieß es.
Sogar Weißrussland sah sich mit einem Stopp der Lieferungen konfrontiert, mit dem Gazprom Preiserhöhungen durchsetzen wollte.
Damit sollte Präsident Aleksandr Lukaschenko bestraft werden, da er sich einer stärkeren Anlehnung an Russland widersetzt hatte, vermuten westliche Analysten.
Aber nicht nur ausländische Regierungen bekommen die Macht Gazproms zu spüren, auch Geschäftspartner müssen sich an einen rauen Umgangston gewöhnen.
So musste der britische Energiekonzern Shell die Mehrheit an Russlands größtem Gasprojekt Sachalin 2 an Gazprom abtreten. Offizielle Begründung waren Verstöße gegen Umweltauflagen.
Auch der russisch-britische Konzern TNK-BP sieht sich gezwungen, Anteile an dem Kowykta-Projekt zu verkaufen. Das südsibirische Feld zählt zu den größten Gasvorkommen Russlands.
Gazprom erweitert Stück für Stück seinen Einflussbereich. Zu den wichtigsten strategischen Zielen gehören Westeuropa und vor allem Deutschland. Dabei will Gazprom auch an die Verteilernetze, um direkten Zugang zu den Endkunden zu bekommen.
Zur Imagepflege sponsort Gazprom deshalb Schalke 04.
Mit Altkanzler Gerhard Schröder bekam der staatlich kontrollierte Konzern prominente Unterstützung.
Der ehemalige Bundeskanzler ist Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft der Ostseepipeline, mit der Gas direkt von Russland nach Deutschland geliefert werden soll.
Gazprom ist auch im Banken- und Versicherungsgeschäft aktiv. Außerdem besitzt der Konzern zahlreiche Medien. So kaufte er 2001 den bis dahin regierungskritischen Fernsehsender NTW des Oligarchen Gussinski.
Gazprom löst wegen der Nähe zum Kreml häufig Unbehagen aus. Doch der Konzern sei weder gut noch schlecht, schreibt der russische Journalist Panjuschkin.
Mit einer Waffe könne man töten oder einschüchtern, aber auch verteidigen und schützen.
Der moralische Wert einer Waffe werde nicht davon bestimmt, wie sie gebaut ist, sondern wer sie in der Hand hält und welche Absichten er damit verfolgt.
Eine Waffe sei ein seelenloses Ding, so Panjuschkin. Sie kenne keine Angst, keine Liebe und kein Erbarmen.
Sie halte ihrem Besitzer nicht die Treue, wenn sich die Zeiten ändern.
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