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Wirtschaft

2008: Wer macht wie viel locker?: Die Waffen der Geldpolitik

 
Keine Maßnahmen haben die Finanz- und Wirtschaftskrise bisher bremsen können. Dabei werden KONJUNKTURPAKETE am laufenden Meter geschnürt. Auch ZINSSENKUNGEN haben Hochkonjunktur.

Keine Maßnahmen haben die Finanz- und Wirtschaftskrise bisher bremsen können. Dabei werden KONJUNKTURPAKETE am laufenden Meter geschnürt. Auch ZINSSENKUNGEN haben Hochkonjunktur.

Manch Notenbanker ist angesichts der Tatsache, dass seine Leitzinsen bereits nahe Null Prozent angelangt sind, am Ende seiner Weisheit angekommen. Gäbe es da nicht noch andere - zugegebenermaßen umstrittene - geldpolitische Maßnahmen.

Und siehe da, Geldpolitik geht auch noch anders. Immer mehr Zentralbanken geben ihre klassische Geldpolitik auf. Die jüngsten Maßnahmen zielen auf eine AUSWEITUNG DER GELDMENGE ab.

Im Fachjargon auch "quantitative easing" (quantitative Lockerung) genannt. Dazu kaufen die Notenbanken im großen Ziel Staatspapiere, Unternehmensanleihen oder Aktien.

Dadurch pumpen sie zusätzlich frisch gedrucktes Geld in ihre Volkswirtschaften. Wir versuchen den Überblick zu behalten, wer inzwischen wo wie viel locker gemacht hat.

Nach Großbritannien und Japan haben auch die USA Ernst gemacht: Fed-Chef Ben Bernanke verkündet am 18. März 2008 den lang erwarteten Ankauf von Staatsanleihen (bis zu 300 Mrd. Dollar in den kommenden sechs Monaten) durch die Fed.

Zusätzlich sollen bereits laufende Programme zur Entlastung der Kredit- und Immobilienmärkte in etwa verdoppelt werden.

Summa summarum werden diese Maßnahmen mehr als eine Billion Dollar in den Wirtschaftskreislauf pumpen.

Bereits seit dem vergangenen Herbst kauft die Fed Commercial Papers auf und stützt damit den Markt für die kurzfristige Refinanzierung vieler US-Unternehmen. Das Programm läuft bis Ende Oktober.

Seit Januar kauft die Fed Schuldtitel der drei wichtigsten Immobilienfinanzierer an. Zusätzlich erwirbt die Notenbank zur Stützung des Immobilienmarktes, an dem die Finanzkrise 2007 ihren Anfang genommen hat, weitere hypothekenunterlegte Papiere ...

... von bis zu 500 Mrd. Dollar. Darüber hinaus will sie direkt Kredite an Haushalte und kleine Firmen vergeben. Zusätzlich stehen eine Billion Dollar für den Ankauf von weiteren Kreditpapieren zur Verfügung, ...

... um Darlehen an Studenten zu ermöglichen und Kreditkartenfirmen zu stützen. Diese Programme sind befristet bis Ende Dezember. Mit ihren Maßnahmen lehnen sich die USA im Kampf gegen die Finanzkrise so weit aus dem Fenster hinaus wie keine andere Nation.

Bereits im November hatte der Kongress in Washington sich auf das größte Konjunkturprogramm seit dem Zweiten Weltkrieg geeinigt. Mit 789 Mrd. Dollar (614 Mrd. Euro) will Präsident Barack Obama ...

... die Wirtschaft ankurbeln und mehr als drei Millionen Arbeitsplätze schaffen oder erhalten. Davon sind 507 Mrd. Dollar für staatliche Investitionen vorgesehen, 282 Mrd. für Steuererleichterungen.

Mit dem Kauf von Staatspapieren folgen die USA nun doch dem Beispiel der Notenbanken Japans und Großbritanniens, die Geldpolitik bereits aggressiv gelockert haben.

Die BRITISCHE Notenbank (BoE) hat Mitte Februar begonnen, Unternehmensanleihen, Commercial Papers und weitere Papiere in einem Volumen von bis zu 50 Mrd. Pfund anzukaufen.

Sie kauft zudem den Banken mittel- und langlaufende Statsanleihen im Volumen von bis zu 75 Mrd. Pfund ab. Finanzminister Alistair Darling hat der BoE einen Verfügungsrahmen ...

... von 150 Mrd. Pfund für diese Geschäfte eingeräumt. Der Leitzins in Großbritannien, das besonders stark unter der Krise leidet, liegt bei nur noch einem halben Prozent.

Wie der Notenbankchef Mervyn King sagt, bestimmt der Inflationsausblick, wann die Währungshüter das Gelddrucken beenden und eventuell die Zinsen wieder anheben werden.

Die britische Wirtschaft wird bereits mit einem Konjunkturprogramm von 20 Mrd. Pfund (22,2 Mrd. Euro) angekurbelt. Als erstes großes EU-Land hat Großbritannien dabei die Mehrwertsteuer ...

... von 17,5 auf 15 Prozent gesenkt. Zudem sind "Steuergeschenke" für ärmere Bürger sowie die Einführung einer "Reichensteuer" vorgesehen.

Die Zentralbank von JAPAN will den Geschäftsbanken Aktien aus ihren Beständen im GEsamtwert von bis zu einer Billion Yen abkaufen. Dadurch soll die Kapitalbasis der Institute verbessert werden.

Verkaufen will die Notenbank die übernommenen Aktien nach derzeitigen Planungen zwischen 2012 und 2018. Die Notenbank kauft auch Bonds an.

Jüngst wurde das Volumen diser Käufe auf umgerechnet 220 Mrd. Euro erhöht. Der Leitzins liegt seit Jahren nahe null Prozent. Japan gilt als wichtiges Vorbild einer Geldpolitik der "quantitativen Lockerung".

Tokio kurbelt die Konjunktur zusätzlich mit einem Paket in Höhe von umgerechnet rund 90 Mrd. Euro erneut an. Dafür sind Ausgaben von 40 Mrd. Euro geplant. Wichtiges Element sind ...

... Auszahlungen an Privathaushalte im Umfang von 17 Mrd. Euro, um den Konsum zu stärken. Zu dem Paket gehören Steuersenkungen und ein Rettungsschirm besonders für mittelständische Firmen.

Die EU hat noch keine Schritte in Richtung "quantitative easing" angekündigt. Da der Leitzins in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent im Vergleich zu den USA relativ weit von der Null-Linie entfernt ist, ist die EZB noch nicht unter so hohem Druck wie andere Notenbanken.

Nach dem Coup der Fed steigt dieser jedoch: Analysten erwarten in den kommenden Monaten einen Schwenk in Richtung einer alternativen Geldpolitik. (Bild: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet)

Die Notenbankchefs Deutschlands und Frankreichs, Axel Weber (Bild) und Christian Noyer, haben erklärt, ?

? die EZB prüfe den Ankauf von Commercial Papers. Ungleich schwerer tut sich die EZB beim Ankauf von Staatsanleihen: Die direkte Staatsfinanzierung ist ihr verboten.

Die EU-Mitgliedsländer hatten auf ihrem letzten EU-Gipfel im Dezember 2008 bereits Maßnahmen in Höhe von insgesamt 200 Mrd. Euro auf den Weg gebracht, um der Wirtschaftskrise Herr zu werden.

30 Mrd. soll die EU tragen, 170 Mrd. Euro die Mitgliedsstaaten, wobei diesen überlassen bleibt, welche nationalen Akzente sie bei ihren Konjunkturpaketen setzen.

DEUTSCHLAND hat mit Maßnahmen im Umfang von 50 Mrd. Euro das größte Konjunkturprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik aufgelegt.

In FRANKREICH sind die Autoindustrie und die Bauwirtschaft Hauptnutznießer eines Programms von 26 Mrd. Euro. Etwa 6,5 Mrd. Euro pumpt Paris in die ...

... angeschlagene Autoindustrie, rund 1,8 Mrd. Euro sollen 2009/10 für den Wohnungsbau zusätzlich ausgegeben werden. (Foto: Wirtschaftsministerin Christine Lagarde)

Der Staat organisiert zudem 22 Mrd. Euro Kredite für den Mittelstand. Präsident Nicolas Sarkozy kündigte an, 2010 die Gewerbesteuer abzuschaffen, um Produktionsverlagerungen ins Ausland vorzubeugen.

Auch in der SCHWEIZ hat eine neue geldpolitische Zeitrechnung begonnen. Die Nationalbank (SNB) senkte ihren Leitzins auf praktisch null Prozent und will nun Frankenanleihen privater Schuldner aufkaufen - darunter auch Bankanleihen und Pfandbriefe.

Zusätzlich will die SNB am Devisenmarkt intervenieren und die Aufwertung des Frankens gegen den Euro stoppen. Damit soll die stark von Exporten abhängige Wirtschaft vor Schlimmerem bewahrt werden.

CHINA bringt im November ein Konjunkturprogramm im Umfang von umgerechnet mehr als 400 Mrd. Euro auf den Weg. Damit soll in den kommenden zwei ...

... Jahren neben dem Ausbau der Infrastruktur auch die heimische Nachfrage gefördert werden. Mit neuen Konjunkturspritzen kommt China seiner schwächelnden Auto- und Stahlindustrie zu Hilfe. (Text: Diana Dittmer; Bilder: AP, Reuters, dpa)

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