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Wirtschaft

Am Ende der Röhre: Preisbindung bei Gas

 
Je teurer das Öl wird, desto teurer wird für die Deutschen auch das Erdgas. Aber warum ist das so?

Je teurer das Öl wird, desto teurer wird für die Deutschen auch das Erdgas. Aber warum ist das so?

Der Gaspreis ist in den Lieferverträgen (zeitverzögert) an den Ölpreis gekoppelt. Deshalb lassen sich auch bereits jetzt Musterrechnungen aufstellen, wonach die Gasrechnungen im Herbst erneut explodieren werden.

Die Preisbindung ist eine Vereinbarung zwischen den großen deutschen Gasimporteuren wie Eon Ruhrgas und den Lieferanten wie Gazprom oder die norwegische Statoil.

Eingeführt wurde die Preisbindung von Öl und Gas in den 60er Jahren.

Die Gasproduzenten wollten ihre hohen Investitionen zum Bau von Förderanlagen und Pipelines absichern.

Die Verbraucher fürchteten ihrerseits ohne die Preiskoppelung überzogene Preiserhöhungen, sobald sie sich einmal für Erdgas entschieden hätten.

Anders als beim Erdöl gibt es beim Erdgas keinen echten Weltmarkt, auf dem Anbieter und Nachfrager miteinander handeln.

Das meiste Gas wird über teure Pipelineverbindungen von A nach B transportiert.

Deutschland und Russland etwa - an den Enden einer Röhre - sind dadurch eng aneinander gebunden.

Ein aktueller Marktpreis ist kaum zu ermitteln. Die Orientierung am Ölpreis verhindert gegenseitige Erpressungsversuche. Außerdem haben die Länder an den Röhrenenden Investitionssicherheit.

Das Kartellamt hat die Koppelung bereits unter die Lupe genommen, allerdings keinen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht festgestellt.

Ob eine Entkoppelung der Preise Abhilfe bei den explodierenden Gaspreisen schaffen würde, darüber sind die Experten geteilter Auffassung.

Nach Einschätzung von Verbraucherschützern, Ökonomen und Wirtschaftspolitikern würde sie eher zu höheren als zu niedrigeren Gaspreisen führen.

Dem widerspricht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin.

Gegenüber n-tv sagte die DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert: "Das ist keine Garantie für sinkende Preise, aber immerhin, denke ich, wäre der Gaspreis deutlich niedriger als im Moment."

Fakt ist, die Entkoppelung wäre nur schwer realisierbar, denn die Lieferverträge sind langfristig.

Die Vereinbarungen von Eon Ruhrgas mit den Hauptlieferländern Russland und Norwegen laufen erst 2029 und 2030, teilweise sogar erst 2036 aus.

Experten folgern, wer mehr Markt und Preiswettbewerb beim Gas will, der muss die Bezugsquellen breiter streuen.

Dazu könnte vor allem die Verflüssigung von Erdgas beitragen. Verflüssigtes Erdgas (LNG) kann per Schiff transportiert werden und wird daher ähnlich wie auf einem Weltmarkt gehandelt. Diese Form des Gas-Transports ist allerdings sehr teuer. (Alle Bilder: AP / dpa)

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