Suche
hier klicken, um den Ort für die Startseite festzulegen
Berlin
17
SA 9° / 23°
SO 10° / 22°
Wissen

Wenn das Packeis schmilzt: Der Eisbär in höchster Gefahr

 
Wenn das Packeis schmilzt: Der Eisbär in höchster Gefahr

Der Eisbär braucht das Packeis. Denn nur auf den mobilen Eisschollen kann er genug Beute machen, um in den wenigen Sommermonaten am nördlichen Polarkreis genug Kalorien für den Winterschlaf zu sammeln.

Schmilzt das Eis zu schnell, ist er außerstande, genügend Robben zu jagen. Er braucht die Deckung, die das treibende Eis ihm gewährt.

Eisbären leben am Treibeis des Nordpolarmeeres und den umgebenden arktischen Landstrichen. Hier finden sie eigentlich ausreichend Nahrung und die Möglichkeit, ihre Schneehöhlen zu bauen.

Weltweit gibt es 20.000 bis 25.000 Eisbären. Die Weltnaturschutzunion IUCN befürchtet, dass dieser Bestand um mindestens 30 Prozent in den nächsten 45 Jahren schrumpfen wird - als Folge der verstärkten Packeisschmelze, die durch die globale Erderwärmung verursacht wird.

Auch Meeresverschmutzung, die zunehmende Schifffahrt, mehr Touristen sowie die Erforschung und Förderung von Öl- und Gasvorkommen in der Arktis gefährden die bestehenden Eisbärpopulationen.

Seit dem Jahr 2006 wird der Eisbär deshalb in der Kategorie "gefährdet" auf der Roten Liste der IUCN geführt.

Der Eisbär ist - nach dem Kodiakbär - das zweitgrößte lebende Landraubtier. Erwachsene Männchen können über zwei Meter groß werden und wiegen durchschnittlich 400 bis 600 Kilogramm.

Eisbärweibchen sind etwas kleiner und deutlich leichter: Bei einer Körpergröße von etwa zwei Metern wiegen sie ca. 200 bis 350 Kilogramm.

Das Fell der Eisbären erscheint durch die Reflexion des Sonnenlichtes weiß, besitzt aber selbst keine Farbpigmente. Es ist durchsichtig und hat hohle Haare, welche die Wärme der Sonnenstrahlen direkt auf die darunter liegende schwarze Haut leiten.

Eisbären haben kleine Ohren und Schwimmhäute zwischen den Zehen. Sie können ohne Pause 170 km weit schwimmen und über 6 m breite Eisspalten springen.

Bis auf die Nasenspitze und die Fußballen bedeckt das Eisbärenfell den gesamten Körper. Mit dieser raffinierten Körperbehaarung, dem stämmigen Körperbau und einer bis zu zehn Zentimeter dicken Speckschicht ist der Eisbär gut geschützt gegen die extreme Kälte in der Arktis.

Eisbären sind fast reine Fleischfresser. Ihre bevorzugte Beute sind Eismeer-Ringelrobben oder Sattel- und Bartrobben. Gelegentlich machen Eisbären auch Jagd auf Walrosse, Belugas, Narwale, Fische und Seevögel sowie deren Eier. Auch Kadaver gestrandeter Wale und anderer Tiere verschmähen sie nicht.

Eisbären verbringen die langen Winter und das Frühjahr auf dem Packeis. In dieser Zeit jagen sie Robben und fressen sich große Fettreserven an. Mit dem Tauwetter im Frühling und im Sommer beginnt das Packeis im Süden zu schmelzen.

So wie die Robben ihrer Nahrungsquelle mit dem Rückzug des Eises nach Norden folgen, so wandern Eisbären ihnen kilometerweit hinterher. Die Eisbären können dem raschen Rückzug des Eises oft nicht folgen und "stranden" schließlich auf dem Festland, ...

... wo sie lange Fastenperioden überstehen müssen. In dieser Zeit leben Eisbären von ihren Fettreserven und ernähren sich gelegentlich neben kleinen Säugetieren und Vögeln auch von Gras, Moos und Beeren.

Eisbären sind typisch ruppige Einzelgänger. Nur zur Paarungszeit suchen sie andere Bären auf. In größeren Gruppen treten sie nur bei einem üppigen Nahrungsangebot auf, ohne dass es zu Konflikten kommt.

Nach Ende des Winters suchen die Bären ein Weibchen, um sich zu paaren. Die Tragzeit liegt bei ca. 8 Monaten und die jungen Eisbären kommen im Winter in der Schneehöhle zur Welt. Meist sind es zwei Neugeborene in einem Wurf.

Bei der Geburt ist das Junge gerade 450 g schwer und passt in eine Menschenhand. Es kann weder sehen noch hören und ist nur dünn mit weißem Flaum bedeckt. Drei Monate bleiben die Jungen mit der Mutter in der Schneehöhle, dann begleiten sie sie bei der Jagd. Insgesamt bleiben sie etwa zwei Jahre bei der Mutter.

Eisbären ohne gute Kinderstube (Ausbildung) wären verloren und würden keine Nahrung finden. Erst mit 5 bis 6 Jahren bringen die Weibchen erstmals Junge zur Welt. Zwischen den Würfen liegen meist 3 bis 4 Jahre.

Von Menschen hält sich der Eisbär meist fern, jedoch treibt ihn seine Neugierde immer wieder in die Nähe menschlicher Siedlungen. Plünderungen an Vorratslagern finden fast ausschließlich nachts statt.

Mitte letzten Jahrhunderts waren die Eisbären durch den Menschen fast ausgerottet, vor allem das Fleisch und das Fell waren begehrt.

Nach Abschluss etlicher Schutzabkommen erholen sich die Bestände wieder etwas. Die Eisbärenjagd ist nur noch den Eskimos (Inuit) ohne motorisierte Hilfe gestattet.

Der globale Klimawandel ist nun die größte Bedrohung für den Fortbestand der Eisbären. In den letzten 100 Jahren ist die Lufttemperatur um rund fünf Grad Celsius gestiegen.

Die Ausdehnung des arktischen Packeises hat in den letzten 20 Jahren um etwa 6 Prozent abgenommen, dabei ist die Dicke des Eises im Sommer in den letzten 30 Jahren um 40 Prozent geschrumpft.

Laut IUCN-Schätzungen wird sich der Lebensraum innerhalb der nächsten Jahrzehnte dramatisch verkleinern. Der Eisbärenbestand wird in den nächsten drei Generationen um mindestens 30 Prozent zurückgehen, weil sie ihre Nahrungsgrundlage verlieren.

Das Eis schmilzt im Frühjahr früher und friert im Herbst später. Die Zeitspanne, in der sich die Bären auf dem Eis aufhalten und Energiereserven anfressen können, wird immer kürzer. Und je länger sie fasten müssen, um so schlechter wird die körperliche Verfassung der Bären.

Der Klimawandel bringt zudem heftigere Niederschläge, die die Schneehöhlen der Ringelrobben zerstören, was wiederum deren Population verringert.

Verschwindet das wichtigste Beutetier des Eisbären, ist auch sein Überleben massiv gefährdet. Wegen des langen Fortpflanzungszyklus ist eine Anpassung von Ursus maritimus an sich sehr schnell ändernde Umweltbedingungen nach Ansicht von Experten eher unwahrscheinlich.

Der World Wide Fund for Nature fordert deshalb eine erhebliche Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen.

Nur so werden auch noch unsere Urenkel den Eisbären und seinen einzigartigen Lebensraum kennenlernen.

Bilderserie versenden
Empfänger
Ihre Informationen
Persönliche Mitteilung

Die Daten werden nur zum Versenden der Nachricht benutzt und nicht gespeichert.

Bitte überprüfen Sie Ihre Angaben.