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Hochleistungstiere und Methanrülpser: Kühe, Kälber, Ochsen

 
Hochleistungstiere und Methanrülpser: Kühe, Kälber, Ochsen

Das ist "Petale", 2011 die schönste und beste Kuh Niedersachsens. Sie ist elf Jahre alt, hat bereits sieben Kälber geboren und über 100.000 Kilogramm Milch gegeben. Das überzeugte die Jury.

Für den tierischen Wettbewerb werden die Kühe von ihren Besitzern mit viel Aufwand hergerichtet. Der Einsatz von Haar- und Farbspray ist eine gängige und erlaubte Praxis.

Diese Aufmerksamkeit und Fürsorge bekommt jedoch nur ein kleiner Teil der auf der Welt lebenden rund 1,3 Milliarden Rinder.

Das Rind ist ein Haustier, das vor allem wegen seines Fleisches und seiner Milch gehalten wird.

Die Häute der Tiere sind das wirtschaftlich wichtigste Nebenprodukt der Intensivtierhaltung. Sowohl Rinderfelle als auch Rindsleder können gut abgesetzt werden.

Außerdem liefern Rinder Gülle (Jauche) und Mist. Beides kommt als Düngemittel in der Landwirtschaft zum Einsatz.

Aber auch zur Gewinnung von Strom und Wärme können die Exkremente der Tiere in Biogasanlagen vergoren werden.

Sogar die Hörner der Tiere werden zu Hornspäne oder Hornmehl verarbeitet. Hobbygärtner schwören darauf.

Bis heute lösen Kämme und Knöpfe aus Rinderhorn bei Liebhabern Begeisterung aus. Die Kämme sind antistatisch und sollen bei Gebrauch das Haar besonders schön und glänzend machen.

Rinder begleiten die Menschen bereits seit dem 9. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung.

Der Mensch domestizierte das Hausrind aus dem Wildrind und züchtete zahlreiche Rassen für verschiedene Ansprüche. (Kalb der gefährdeten Englischen Parkrinder - White Park)

War das Haustier in früheren Zeiten vor allem Arbeits- und Fleischvieh, ...

... hat sich mit zunehmender Mobilität und der Entwicklung technischer Verfahren zur Haltbarmachung der Milch der Schwerpunkt der Züchtungen mehr auf Milch- und Fleischvieh verlagert.

Mit der Industriealisierung gab es immer weniger so genannte Dreinutzungsrassen. Das sind Tiere, die als Arbeits-, Fleisch- und Milchvieh gehalten wurden. Einige von ihnen verschwanden ganz. (Gelbes Frankenvieh)

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wurde bei den Züchtungen immer mehr die Milchproduktion betont.

Die bedeutendste Milchviehrasse, die so entstand, nennt sich Holstein-Rind.

Diese Rasse ist genetisch auf Höchstleistungen in der Milchproduktion ausgerichtet.

Durch die gute Melkbarkeit, den hohen Fettanteil in der Milch und die gute Milchleistung selbst wird die Holstein-Kuh weltweit gern und oft gehalten.

Eine Holstein-Kuh kann jährlich 8.000 Kilogramm Milch produzieren. Spitzentiere schaffen sogar 10.000 bis 13.000 Kilogramm.

Solche Leistungen sind nur möglich durch gezielte Züchtung und spezielles Futter. Hochleistungsmilchkühe leben meistens in großen Zuchtbetrieben ...

... in Hightech-Ställen, in denen alles automatisch läuft.

Diese Tiere stehen ihr Leben lang im Stall und kennen weder grüne saftige Weiden noch das Sonnenlicht.

Sie werden nicht mal mehr mit Gras oder Silage gefüttert, sondern bekommen Kraftfuttermischungen, die aus Weizen, Soja und Mais bestehen.

Die Aufgabe der Tiere ist es, Kälber zu gebären und Milch zu geben. Nur eine Kuh, die schon einmal gekalbt hat, gibt auch Milch.

Kurz nach der Geburt, wird das Kalb von der Mutterkuh getrennt, ...

... bekommt zwei Ohrmarken (falls eine verloren geht) ...

... und wird mit angerührtem Milchpulver als Ersatzmilch aus dem Nuckeleimer versorgt.

Damit der Milchfluss nicht versiegt, werden die Kühe in regelmäßigen Abständen mit tiefgefrorenem Sperma aus dem Katalog besamt.

Lässt die Milchleistung der Kühe nach, werden sie geschlachtet und landen schließlich als Fleisch auf unseren Tellern.

Etwas anders verläuft ein Kuhleben auf den Bio-Höfen.

Diese Kühe stehen, schon als Kälbchen, die meiste Zeit auf grünen Weiden.

Bio-Kühe fressen naturgemäß Gras, Klee und Heu.

Die Kälber dürfen bei ihren Müttern bleiben und werden von ihnen gesäugt. Da die Milch der Kuh kurz nach der Geburt besonders gehaltvoll ist, entsteht ein natürlicher Immunschutz beim Kalb.

Außerdem wird die Kuh bis zum 300. Tag nach der Geburt ihres Kalbes gemolken. Danach wird die Kuh "trockengestellt", also nicht mehr gemolken.

Die Kuh, die übrigens in vielen Bio-Betrieben ihre Hörner behalten darf, kann sich in dieser Zeit regenerieren, bis sie das nächste Kalb bekommt.

Eine Bio-Milch-Kuh wird zwei Mal am Tag gemolken. Dafür wird sie von der Weide zum Melkstand getrieben.

Im Durchschnitt gibt sie 20 Liter Milch pro Tag. Bis zu 30 Liter sind es, kurz nachdem eine Milchkuh gekalbt hat.

Die männlichen Kälber werden meist bereits vor dem dritten Lebensmonat kastriert. Dieser Eingriff wird mit Betäubung vom Tierarzt durchgeführt.

Kastrierte Bullen werden Ochsen genannt. Die Jungtiere werden auf Bio-Höfen nach ungefähr sechs Monaten von der Milch der Mutter entwöhnt und als Herden im Sommerhalbjahr auf die Weiden getrieben.

Strenge EU-Richtlinien für Bio-Fleisch verbieten die Haltung von Bio-Rindern auf so genannten Spaltenböden.

Spaltenböden können bei Rindern zu Klauen- oder Gelenkverletzungen führen. Zudem ist der Boden zu hart, so dass chronische Lahmheiten entstehen können.

Allerdings werden auch die für die Fleischproduktion ausgesuchten Tiere auf Bio-Höfen oftmals nicht älter als zwei Jahre, ...

... denn Verbraucher bevorzugen Rindfleisch von jungen Tieren. Der Geschmack ist besser und das Fleisch zarter.

Doch egal ob Bio-Rind oder Kuh aus Massentierhaltung: Die Tiere stoßen beim Verdauen klimaschädliches Methan aus.

Rinder sind Wiederkäuer. Sie verdauen die pflanzliche Nahrung in ihren vier Mägen (Pansen, Netzmagen, Blättermagen, Lab- oder Käsemagen).

Doch vor der endgültigen Verdauung ...

... wird die Nahrung mehrfach aufgestoßen und genüsslich wiedergekäut. Nur so kann die pflanzliche Nahrung optimal ausgenutzt und umgesetzt werden.

Problematisch an dieser effizienten Verdauung ist die Freisetzung von Methan durch Rülpsen und Pupsen der Tiere.

Methan ist ein farb- und geruchloses Gas, das für das Klima zehnmal gefährlicher ist als Kohlendioxid.

In wissenschaftlichen Studien wurde errechnet, dass ein einziges Rind für das Klima genauso schädlich ist wie ein Kleinwagen.

40 Prozent des Methanausstoßes weltweit wird der Rinderzucht zugeschrieben.

Trotz dieser Ergebnisse steigt der weltweite Bedarf an Rindfleisch seit der BSE-Krise zur Jahrtausendwende wieder stetig an.

Spitzenreiter sind die Argentinier, die fast 70 Kilogramm Rindfleisch pro Kopf und Jahr verzehren.

Um ein Kilogramm Rindfleisch zu produzieren, werden zehn Kilogramm Futter gebraucht.

Die Verfütterung in Rinder-Mastanlagen von Getreide, Soja und anderen Nahrungsmitteln, ...

... die auf der anderen Seite der Erde fehlen, sollte zumindest beim nächsten Sonntagsbraten ...

... nachdenklich stimmen. (Alle nicht gekennzeichneten Bilder: AP, dpa)

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