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Ohne geht es nicht: Schlaf - ein lebenswichtiger Trieb

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"Was ist das? Der Mensch wünscht es sich herbei, und wenn er es endlich hat, lernt er es nicht kennen." Als Leonardo da Vinci diese Frage stellte, ging es ihm um den Teil unseres Lebens, den wir nie bewusst wahrnehmen werden: ... (Foto: Wikipedia)

"Was ist das? Der Mensch wünscht es sich herbei, und wenn er es endlich hat, lernt er es nicht kennen." Als Leonardo da Vinci diese Frage stellte, ging es ihm um den Teil unseres Lebens, den wir nie bewusst wahrnehmen werden: ...

"Was ist das? Der Mensch wünscht es sich herbei, und wenn er es endlich hat, lernt er es nicht kennen." Als Leonardo da Vinci diese Frage stellte, ging es ihm um den Teil unseres Lebens, den wir nie bewusst wahrnehmen werden: ...

... um den menschlichen Schlaf.

Warum wir schlafen, und zwar durchschnittlich ein Drittel unseres Lebens, ist noch nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass die Energiereserven des Körpers begrenzt sind. Im Schlaf erholt sich der Organismus und regeneriert.

Außerdem ist unser Immunsystem im Tiefschlaf überaus aktiv. Krankheitserreger werden zerstört und entfernt. Wie Oma immer sagte: Schlaf ist einfach die beste Medizin.

Hinzu kommt, dass wir im Schlaf die Erlebnisse des Tages verarbeiten. Unbewältigte Konflikte drängen in Schlaf und Traum an die Oberfläche.

Erlerntes wird im Schlaf unbewusst vertieft. Unser Gehirn braucht dringend Schlaf, um neues Wissen im Gedächtnis zu verankern. Am besten funktioniert der Kopf, wenn er neu erworbene Informationen nach spätestens vier Stunden bei einem Nickerchen reifen lassen kann.

Im Schlaf ordnen und regulieren sich auch die Körpersysteme wieder, wenn sie im Tagesverlauf durch die verschiedensten Erlebnisse und Ereignisse aus dem Takt geraten sind.

Wer über einen längeren Zeitraum hinweg zu wenig schläft, droht nicht nur psychisch zu erkranken.

Ratten unter Schlafentzug sterben nach sieben Tagen – wahrscheinlich an Infektionen, gegen die ihr geschwächtes Immunsystem nichts mehr auszurichten vermag. Vor ihrem Tod nehmen die Tiere ab und haben Schwierigkeiten, ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten.

Schlafen zu wollen ist ein Trieb, ebenso wie Hunger, Durst und Sex.

Wenn unser Tag-Nacht-Rhythmus nicht gestört ist, schlafen wir allabendlich schnell ein und wachen, mit kurzen Schlafunterbrechungen, nach durchschnittlich sechs bis acht Stunden ausgeruht wieder auf.

Bis dahin haben wir unterschiedliche Schlafphasen durchlebt: Leichtschlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf wechseln mehrmals in der Nacht miteinander ab.

Mit einer Elektroenzephalographie, die die Gehirnströme misst, können die unterschiedlichen Schlafphasen sichtbar gemacht werden.

Kurz nach dem Einschlafen ist der Schlaf noch leicht, die Muskelspannung lässt allmählich nach, die Aufmerksamkeit sinkt.

Im Tiefschlaf zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Wer jetzt geweckt wird, ist desorientiert und "verschlafen". Im späteren Verlauf der Nacht gibt es keinen so tiefen Schlaf mehr. Ältere Menschen müssen oft ganz auf diesen Tiefschlaf verzichten.

In der Tiefschlafphase machen sich Schlafwandler auf den Weg. Andere beginnen jetzt, im Schlaf zu sprechen.

Die Traumphase ist ein besonderes Schlafstadium. Alle Muskeln sind entspannt, nur die Augenmuskulatur ist aktiviert. Unter den geschlossenen Lidern bewegen sich die Augen schnell hin und her (daher die Abkürzung REM für diese Phase: Rapid Eye Movement).

In der Traumphase atmen wir schneller und der Puls geht in die Höhe. Der Körper ist in einem Zustand, der dem des Wachseins recht ähnlich ist. Doch er ist gelähmt. Auf diese Weise wird verhindert, dass er den Traum in die Tat umsetzt.

Wer in dieser Phase geweckt wird, kann sich an seinen Traum noch erinnern.

Ob wir morgens gern lang schlafen oder lieber mit dem Sandmännchen zu Bett gehen, bestimmen übrigens nicht zuletzt unsere Gene. Doch grundsätzlich verschiebt sich der Schlaf-Rhythmus innerhalb eines Lebens.

Kinder sind meist früh wach, ...

... Jugendliche dagegen machen die Nacht zum Tag.

Senioren stehen oft schon mit den Hühnern auf.

Sie schlafen nachts nur noch wenige Stunden, was gern als "senile Bettflucht" bezeichnet wird.

Ein Nickerchen um die Mittagszeit gleicht den nächtlichen Schlafmangel dann wieder aus.

Wie viel Schlaf ein Mensch braucht, ist individuell unterschiedlich.

Wer regelmäßig nach weniger als sechs Stunden aufwacht, gehört zu den Kurzschläfern.

Vielschläfer dagegen kehren ohne Wecker frühestens nach neun Stunden aus dem Land der Träume zurück.

Für die Beurteilung, ob wir gesund schlafen, spielt daher weniger die Schlafdauer eine Rolle als vielmehr das Ein- und Durchschlafen.

Wer einen Monat lang drei- oder viermal in der Woche mehr als eine halbe Stunde braucht, um einzuschlafen oder um nach nächtlichem Aufwachen wieder in den Schlaf zu finden, hat - medizinisch betrachtet - eine Schlafstörung.

In Deutschland leidet fast jeder zweite Arbeitnehmer unter Schlafproblemen. Das sind rund 20 Millionen Menschen.

In den meisten Fällen sind Stress und Belastungen in Job und Familie der Grund für die Schlaflosigkeit.

Auch Schicht- und Nachtarbeit hinterlassen ihre Spuren. Jeder vierte Schlafgestörte leistet Schichtarbeit.

Immer flexiblere Arbeitszeiten, die globale Vernetzung und die ständige Verfügbarkeit von Informationen und Kommunikationsmöglichkeiten fordern ihren Tribut.

In einer Forsa-Umfrage von 2008 gaben 54 Prozent der befragten Männer an, sie würden ihre Probleme aus dem Job mit ins Bett nehmen.

Die meisten Frauen dagegen (43 Prozent) liegen nachts wegen familiärer Sorgen wach.

Im einen wie im anderen Fall sind es Überforderung, Ängste und Traurigkeit, die den Menschen den Schlaf rauben. Wenig Schlaf wiederum verstärkt genau diese Gefühle. Eine Spirale setzt sich in Gang.

Für Mediziner ist Schlaflosigkeit ein Hinweis auf eine seelische Störung. Das kann sowohl ein Problem bei der Stressbewältigung sein als auch eine tiefgreifende Depression.

Wer durchschlafen will, muss das Übel also an der Wurzel packen und die Lebenskrise in den Griff bekommen. Die passende Strategie fällt einem womöglich gerade in einer durchwachten Nacht ein.

Na, müde geworden? Da könnte ein "Powernap" helfen. Das kleine Nickerchen am Arbeitsplatz wirkt kraftspendend und leistungssteigernd. Um ein Absinken in tiefere Schlafphasen zu vermeiden, sollte es nicht länger als eine halbe Stunde dauern. Noch praktischer wäre es natürlich, wenn wir gleichzeitig schlafen und wachen könnten.

Delfine machen das. Sie schlafen mit nur einem Auge und der dazugehörigen Gehirnhälfte. Die andere Seite bleibt wach. So können die Meeressäuger weiterhin ihre Schwimmbewegungen und ihren Atem steuern.

Auch Zugvögel ruhen in diesem so genannten Halbseitenschlaf. So können sie sich beim Fliegen erholen.

Und Robben schlafen im Wasser ebenfalls halbseitig. An Land jedoch schließen sie beide Augen und lassen das gesamte Gehirn ruhen. Der Halbseitenschlaf ist der Tierwelt vorbehalten und auch da nur einzelnen Arten.

Einer hätte das sicherlich bedauert, hätte er davon gewusst: Leonardo da Vinci.

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