Freitag, 26. Mai 2006
Großer Bahnhof: Eröffnung in Berlin
Pünktlich um 18.03 Uhr rollt der blank geputzte ICE in den neuen Hauptbahnhof ein. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel aussteigt, ist ihr ein Staunen anzusehen über diesen Bahnhof. Sie wirft einen kurzen Blick in mehr als 40 Meter Höhe, ehe Bahnchef Hartmut Mehdorn sie Richtung Rolltreppe geleitet. Alles soll nach Fahrplan gehen.
Leicht verkrampft sitzt Mehdorn später mit eng verschränkten Armen auf der Tribüne. "Wir sind gerüstet und freuen uns heute auf den wichtigsten Tag; auf den Tag, auf den wir in den letzten acht Jahren hingearbeitet haben", hatte er zuvor bei n-tv gesagt.
Seine Ehrengäste wirken ganz entspannt. Sie lassen die Augen auf dem filigranen Bauwerk aus Glas, Stahl und Beton ruhen. Sie genießen die Schwindel erregenden Durchblicke auf einen Bahnhof, der von Sonntag an die neue Verkehrsdrehscheibe im Nordosten Deutschlands sein wird.
Es ist ein großer Bahnhof für diese neue Zentralstation, über die Reisende die Hauptstadt erstmals in der Berliner Geschichte aus allen vier Himmelsrichtungen erreichen können. Merkel nennt den Bahnhof einen Brückenschlag, etwas, das fast 17 Jahre nach dem Fall der Mauer Berlin neu verbindet.
Merkel sieht den Bahnhof aber auch als einen Baustein, der die Bahn fit machen kann für eine weitere Privatisierung - Richtung Börsengang. Mit der Inbetriebnahme des Bahnhofs werden die Züge auf ihren neuen Wegen schneller. Es ist eine Aufholjagd, in Konkurrenz zur Straße und zum Flieger.
Die Misstöne des Abends bleiben unausgesprochen. Den Architekten Meinhard von Gerkan, der gegen Änderungen seines Entwurfs klagt, erwähnt Mehdorn in seiner Eröffnungsrede mit keinem Wort. Stattdessen rattert er Zahlenkolonnen herunter und lobt den Bahnhof als "Quantensprung für Mobilität". Erst Berlins Regierender Bürgermeister Kaus Wowereit gratuliert ausdrücklich auch dem Architekten zu seinem Bauwerk.
Schließlich läuft bei der Eröffnung doch nicht alles nach Fahrplan. In der Sekunde des symbolischen Knopfdrucks, als sich die Berliner draußen schon die Nasen am Glas platt drücken, fällt im Bahnhof der Strom aus. Die Stimmen der Redner ersterben für drei lange Minuten. Berlins Landesbischof Wolfgang Huber, der den Bahnhof mit weihte, sieht darin kein böses Omen. "Das war bei der Frauenkirche in Dresden genauso", sagte er.
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