Archiv

Mord-Anklage nach "Katrina"Vier Patienten getötet

19.07.2006, 17:21 Uhr

Fast elf Monate nach Hurrikan "Katrina" sind in New Orleans eine Ärztin und zwei Krankenpflegerinnen wegen Mordes an Patienten angeklagt worden.

Fast elf Monate nach Hurrikan "Katrina" sind in New Orleans eine Ärztin und zwei Krankenpflegerinnen wegen Mordes an Patienten angeklagt worden. Ihnen wird vorgeworfen, in den chaotischen ersten Septembertagen vergangenen Jahres in einem Klinik-Zentrum in New Orleans mindestens vier Menschen getötet zu haben. Nach Einschätzung der Angeklagten waren sie für eine Evakuierung zu krank oder zu behindert. Die Patienten waren zwischen 61 und 90 Jahre alt.

Der Justizminister des US-Staates Louisiana, Charles Foti, sagte auf einer Pressekonferenz in Baton Rouge, er wolle nicht über die Motive für die Verbrechen spekulieren. Aber eines sei klar: "Wir sprechen hier von Menschen, die taten, als seien sie Gott. Dies ist nicht Sterbehilfe. Dies ist schlicht und einfach Mord." Foti deutete außerdem an, dass es weitere Anklagen geben werde. In dem Krankenhaus, dem Memorial Medical Center, waren nach "Katrina" mehr als 30 Patienten tot gefunden worden.

Medienberichten zufolge wurde im Zuge der Ermittlungen in mindestens 14 Leichen Spuren von Morphium und anderen Substanzen gefunden, die in hohen Dosen zum Tod führen. Aber nur in vier Fällen sei bisher die Beweislage in den Augen der Staatsanwaltschaft stark genug für die Eröffnung eines Strafprozesses.

Der Anwalt der Ärztin wies die Anklage vehement zurück. Seine Mandantin, Anna Pou, sei völlig unschuldig, teilte Rick Simmons mit. Auch frühere Patienten und Freunde der Medizinerin zeigten sich überrascht. Sie beschrieben Pou als eine liebevolle und umsichtige Ärztin, der sie jederzeit ihr Leben anvertrauen würden.

Die drei Frauen waren im siebten Stockwerk des Zentrums im Einsatz, als "Katrina" die Dämme der Stadt brechen ließ und am 1. September 2005 eine verheerende Flutkatastrophe auslöste. In der Stadt strandeten zehntausende Menschen ohne Fluchtmöglichkeit. In den Krankenhäusern brach die Stromversorgung zusammen. Generatoren für Geräte und Klimaanlagen fielen auch aus, Nahrungs- und Arzneimittel gingen zur Neige. Ärzte berichteten später von katastrophalen Zuständen, weil todkranke Patienten nicht versorgt werden konnten. Sie trugen die Kranken nach mehreren Tagen teilweise auf ihren Schultern mehrere Stockwerke nach oben auf das Dach, wo sie schließlich mit Helikoptern gerettet wurden.

Auch das Memorial Medical Center war weitgehend evakuiert worden. Die im siebten Stockwerk untergebrachten Patienten waren nach Medienberichten besonders schwer krank oder gebrechlich. Gerichtsunterlagen zufolge sagte Pou gegenüber einem Krankenhausangestellten drei Tage nach "Katrina", die bisher noch nicht in Sicherheit gebrachten Patienten würden eine Evakuierung wahrscheinlich nicht überleben. Daher sei die Entscheidung gefällt worden, ihnen tödliche Medikamenten-Dosen zu verabreichen.