Herbststurm im NordenWellen bis zu 17 Meter
Beim Untergang des schwedischen Frachters "Finnbirch" in der Ostsee sind offenbar zwei Besatzungsmitglieder ums Leben gekommen.
Das Sturmtief "Britta", das am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag über Norddeutschland tobte, hat Rekordwellen in der Nordsee aufgetürmt. Experten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hatten 40 Kilometer nördlich der ostfriesischen Insel Borkum Wellen mit einer durchschnittlichen Höhe von zehn Metern gemessen, einzelne Wellen erreichten sogar bis zu 17 Meter.
"Das ist der höchste Seegang, den das BSH in seiner Geschichte bisher beobachtet hat", sagte am Donnerstag eine Sprecherin. Das Bundesamt registriert die Wellenhöhen seit 1981.
Das Orkantief, das am Mittwoch zunächst über der Nordsee getobt hatte, sorgte in der Nacht zum Donnerstag für ein schweres Hochwasser an der Ostseeküste. "Wir hatten eine Hochwasserwarnung. Aber dass es 1,90 Meter über Normal wurden, hat uns überrascht", sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei in Heiligenhafen. In der Kleinstadt im Kreis Ostholstein gab es erhebliche Überschwemmungen. In tiefer gelegenen Teilen des 9.000-Einwohner-Ortes fiel der Strom aus. Auch Kiel, Flensburg und Lübeck-Travemünde waren vom Ostsee-Hochwasser betroffen. Ufernahe Straßen entlang der Ostsee mussten gesperrt werden.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern richtete "Britta" nur geringe Schäden an. Wie die Polizei in Schwerin am Donnerstag berichtete, seien zwar einige Bäume entwurzelt worden und umgestürzt. In Wackerow bei Greifswald brach auf rund 20 Meter Länge ein Damm. Das Wasser sei aber lediglich auf Wiesen geflossen. Am Damm sei ein Schaden von 10.000 bis 15.000 Euro entstanden.
Am Vortag war "Britta" mit Windgeschwindigkeiten bis 156 Kilometern pro Stunde über Norddeutschland hinweggefegt. In Hamburg hatte es Überflutungen in Teilen des Hafens und auf ufernahen Straßen gegeben.
Bei der Jahrhundertsturmflut in Ostfriesland hat der Küstenschutz nach Einschätzung der niedersächsischen Behörden hervorragend funktioniert. Die Investitionen in ein Verstärken der Deiche nach der Sturmflut von 1962 habe sich bezahlt gemacht, sagte eine Sprecherin des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz am Donnerstag. Auch das Emssperrwerk habe gute Dienste geleistet. Die ungewöhnlich kräftige Sturmflut vom Mittwoch führte zu Dünenabbrüchen auf den Inseln, aber kaum zu Schäden auf dem Festland.