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Reaktion nach 15 JahrenWeniger Qualen für Pelztiere

03.11.2006, 16:29 Uhr

15 Jahre hat es gedauert, ehe sich die Bundesregierung zu einer Schutzverordnung für Pelztiere durchringen konnte. Deren Umsetzung wird aber wieder Jahre brauchen. Tierschützer verlangen ein Pelztierhaltungsverbot.

Nerze, Füchse, Biber und Iltisse sollen künftig unter besseren Tierschutz-Bedingungen gehalten werden, bevor ihre Pelze in der Mode-und Textilbranche vermarktet werden. Statt qualvoll in engen Drahtverschlägen sollen sich Pelztiere künftig artgerecht in größeren Käfigen mit Auslaufmöglichkeiten bewegen können. Der Bundesrat billigte am Freitag eine Schutzverordnung der Bundesregierung, die so mit 15-jähriger Verzögerung auf Forderungen der Länder reagiert hatte. In einer Entschließung forderte die Länderkammer zudem ein Importverbot von Hunde- und Katzenfellen in die Europäische Union. Tierschutzverbände sprachen von einem ersten Schritt. Grundsätzlich verlangen sie ein Pelztierhaltungsverbot.

Besondere Vorgaben werden für die Haltung bestimmter Tiere wie Nerze, Iltisse und Chinchillas gemacht. Bei Verstößen drohen Bußgelder. "Es ist damit zu rechnen, dass die Preise für "Pelze aus tiergerechter Haltung deutlich über den Preisen für Pelze aus Intensivtierhaltung liegen", heißt es in der Verordnung. Die Bundesregierung spielt damit darauf an, dass nötige Umbaumaßnahmen erhebliche Kosten bewirken dürften. Den betroffenen Farmen wird daher eine Übergangszeit eingeräumt, die zu Tierschutzverbesserungen hinsichtlich Futter- und Ruhemöglichkeiten der Tiere sowie Größe und Beschaffenheit der Einrichtungen in Stufen führen soll.

So sollen Rückzugs- und Beschäftigungs-Möglichkeiten für die - im Vergleich zu anderen Nutztieren - wenig domestizierten Pelztiere binnen sechs Monaten zu schaffen. Erst in fünf Jahren müssen allgemein große Grundflächen entstanden sein und in 10 Jahren die Innenhöhen heraufgesetzt sein. Bis dahin sollen auch Plattformen, Klettervorrichtungen, Schwimmbecken oder Areale zum Graben geschaffen werden. Der hessische Bundesratsminister Volker Hoff (CDU) beklagte, "dass es 15 Jahre gedauert hat, bis die Bundesregierung auf die Hilferufe der Tierschützer reagierte".

"Drahtgitterkäfige so groß wie Apfelsinenkisten dürfen nicht länger toleriert werden", erklärte der Deutsche Tierschutzbund, der gerade sein 125-jähriges Bestehen feiert. Dem Deutschen Pelzinstitut zufolge gebe es hier zu Lande 28 Pelztierfarmen, in denen meist Nerze gezüchtet werden. Die Haltung der Tiere finde unter grausamsten Bedingungen statt. "Massive Verhaltensstörungen und auch Selbstverstümmelungen der Tiere sind die Folge," sagen Tierschützer. Dem tristen Leben werde meist durch Vergasen oder Elektroschock ein qualvolles Ende bereitet. Auch der Schutzbund "Vier Pfoten" verlangte ein konsequentes Verbot der Pelztierhaltung. "Mit der jüngst erfolgten Auslistung von Pelzmode durch Branchengrößen wie Kaufhof und Peek & Cloppenburg hat die Wirtschaft vorgelegt."