Dienstag, 19. Dezember 2006
Flüchtlingsschiff gekentert: 102 Afrikaner ertrunken
Mehr als 100 afrikanische Flüchtlinge haben ihren Versuch mit dem Leben bezahlt, von Senegal aus mit einem Boot auf die kanarischen Inseln zu gelangen. Nach einem Schiffbruch wurden "25 Menschen gerettet, 102 gelten als vermisst und damit als tot", sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes in Dakar.
Das hölzerne Boot, das bereits seit Anfang des Monats unterwegs war, sei vor der Küste Marokkos in einen Sturm geraten. Die Tragödie ereignete sich bereits am vergangenen Wochenende.
In diesem Jahr sind bereits knapp 30.000 illegale Migranten auf den zu Spanien gehörenden kanarischen Inseln angekommen, etwa die Hälfte von ihnen aus Senegal. Schätzungen zufolge reisen jährlich zwischen 65.000 und 80.000 Menschen aus Staaten südlich der Sahara nach Nordafrika (Maghreb), um von dort aus nach Europa zu gelangen. Wie viele Flüchtlinge bei der gefährlichen Überfahrt im Mittelmeer oder im Atlantik ums Leben kommen, ist völlig unklar. Schätzungen gehen von mehreren tausend Toten jährlich aus.
Die 25 Überlebenden des aktuellen Falles wurden nach einem Bericht der Berliner "tageszeitung" nahe der nordsenegalesischen Stadt Saint-Louis von Fischern aufgegriffen und in ein Krankenhaus dieser Stadt gebracht.
Abwehr und Einwanderung
Erst in der vergangenen Woche hatte die EU beschlossen, dem Zusammenhang von Migration und Entwicklung mehr Augenmerk zu geben. Bis Juni 2007 soll die EU-Kommission Vorschläge machen, wie die legale Migration zwischen der EU und Drittländern besser organisiert werden kann. Dabei sollen "bestimmte Arbeitsmarktbedürfnisse von EU-Mitgliedstaaten" berücksichtigt werden. Wie viele Arbeitskräfte einwandern dürfen, wird weiter auf nationaler Ebene entschieden.
Dennoch steht Abwehr weiterhin im Zentrum der europäischen Migrationspolitik. Der EU-Gipfel beschloss, die Außengrenzen der Union besser zu schützen und ein "ständiges Küstenpatrouillen-Netz an den südlichen Seegrenzen" einzurichten. Die Zusammenarbeit mit den nordafrikanischen Transitländern soll ausgebaut werden.
648 Flüchtlinge auf einem Boot
Unterdessen wurde vor der Küste Siziliens ein Flüchtlingsboot mit der Rekordzahl von 648 Migranten entdeckt. Die illegalen Einwanderer, darunter 21 Frauen und sieben Kinder, stammen eigenen Angaben zufolge aus Ägypten. Die Küstenwache habe das 30 Meter lange Boot in den Hafen der Stadt Licata bei Agrigento begleitet. Ein Fischerboot hatte es in der Nacht zum Dienstag entdeckt. Die Flüchtlinge wurden in ein Aufnahmezentrum gebracht und sollen später in andere süditalienische Zentren geflogen werden.
Normalerweise befinden sich auf Booten dieser Größe selten mehr als 200 Migranten. Die meisten landen auf der süditalienischen Insel Lampedusa.
Algerische Küstenwache greift Flüchtlinge auf
Die algerische Küstenwache griff einem Zeitungsbericht zufolge 49 Flüchtlinge im Mittelmeer auf. Die Menschen seien in nicht See tauglichen Booten auf dem Weg nach Spanien gewesen, berichtete die regierungsnahe Zeitung "El Moudjahid" am Dienstag.
Die zwischen 20 und 55 Jahre alten Algerier seien bei ihrem Fluchtversuch westlich der Hauptstadt Algier in Küstennähe festgenommen und inhaftiert worden. Die Öl und Gas abhängige Wirtschaft Algeriens bietet nicht genug Arbeitsmöglichkeiten für die 33 Millionen Einwohner des Landes. Drei Viertel der unter 30-Jährigen sind arbeitslos.
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