Neue EskalationsstufeAngriff auf Beirut
Die israelische Luftwaffe hat am Montagabend ein bisher noch verschontes Wohngebiet der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardiert. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurde ein Wohnhaus in dem südlichen Stadtteil Schijeh durch mehrere Bomben zerstört. In dem Haus hatten sieben Familien gewohnt. Fünf Bewohner wurden tot geborgen.
Die israelische Luftwaffe hat am Montagabend ein bisher noch verschontes Wohngebiet der libanesischen Hauptstadt Beirut bombardiert. Nach Angaben des örtlichen Roten Kreuzes wurde ein Wohnhaus in dem südlichen Stadtteil Schijeh durch mehrere Bomben zerstört. In dem Haus hatten sieben Familien gewohnt.
Laut dem Roten Kreuz wurden fünf Bewohner tot aus den Trümmern geborgen. 24 Menschen hätten Verletzungen erlitten. In den Trümmern suchten Rettungskräfte nach weiteren Verschütteten. Der schiitische Schijeh-Bezirk ist damit erstmals ins Visier der israelischen Armee geraten. Die Luftwaffe hatte den Süden der Hauptstadt in der Vergangenheit mehrfach bombardiert und sich dabei auf Stadtteile konzentriert, die als Hochburg der Hisbollah gelten.
Zuvor hatte der libanesische Ministerpräsident Fuad Siniora die Totenzahl nach dem israelischen Luftangriff auf das Grenzdorf Hula drastisch nach unten korrigiert. Es seien nicht 40 Menschen, sondern eine Person bei dem Angriff vom Montag getötet worden, so Siniora. "Die Information, die mir zugetragen wurde, war nicht zutreffend", sagte der Ministerpräsident auf einer Pressekonferenz in Beirut. Nach libanesischen Polizeiangaben wurden 65 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen.
Siniora hatte anfangs von einem Massaker gesprochen. Israelische Kampfflugzeuge hatten Sicherheitskreisen zufolge am Morgen sechs Mal Hula beschossen, nachdem Kämpfer der libanesischen Hisbollah-Miliz israelische Streitkräfte in der Nähe des Dorfes angegriffen hatten. Der Ort liegt im Grenzgebiet.
Libanon will Truppen in Süden verlegen
Die libanesische Armee hat am Montag Reservisten einberufen. In einer Mitteilung des Militärs hieß es lediglich, die Männer seien zur Verteidigung des Landes aufgerufen. In Sicherheitskreisen hieß es, die Maßnahme könnte ein erster Schritt zur Verlegung von Armee-Einheiten nach Südlibanon sein. Dafür würden schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Soldaten benötigt.
Nach Angaben aus politischen Kreisen will die Regierung noch am Montag die Verlegung von Truppen in den Süden des Landes beschließen. Die Regierung hoffe, dass dieser von der internationalen Gemeinschaft geforderte Schritt den Weg für Änderungen an einem Resolutionsentwurf der Vereinten Nationen ebnen werde, verlautete weiter.
Der Weltsicherheitsrat hatte bereits im vergangenen September in seiner Resolution 1559 die libanesische Regierung aufgefordert, Truppen in der Grenzregion zu Israel zu stationieren und die radikal-islamische Hisbollah-Miliz und andere militante Gruppen zu entwaffnen.
Schwere Kämpfe in Bint Dschbeil
In der südlibanesischen Ortschaft Bint Dschbeil kam es erneut zu schweren Kämpfen. Dabei wurden ein israelischer Soldat getötet und vier weitere verletzt, wie ein israelischer Armeesprecher mitteilte. Mindestens fünf Kämpfer der Hisbollah seien getötet worden. Die Hisbollah setzte ihre Raketenangriffe auf Nordisrael fort.
Israelische Medien berichteten, in mehreren Ortschaften entlang der Grenze seien Raketensalven eingeschlagen. In zahlreichen Gebieten Galiläas heulten die Warnsirenen.
Angriffe auf Beirut, Tyrus und Sidon
Bei israelischen Luftangriffen starben schon am frühen Morgen mindestens 14 Zivilisten. Nach Behördenangaben bombardierte die Luftwaffe vor allem Ziele nahe der südlichen Hafenstädte Tyrus und Sidon. Rund 30 israelische Fallschirmjäger landeten am Montagnachmittag auf einer Anhöhe in der Nähe von Tyrus.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) äußerte tiefe Besorgnis über die Lage der Bevölkerung im Südlibanon. Seit drei Tagen hätten Hilfsorganisationen keinen Zugang mehr zu der Region, sagte eine IKRK-Sprecherin am Montag in Genf.
Israelische Armee: Neue Eskalationsstufe
Die israelische Armee plant einem Zeitungsbericht zufolge weitere Angriffe auf die libanesische Infrastruktur sowie auf Symbole der libanesischen Regierung. "Wir sind in einem Prozess der weiteren Eskalation", zitierte die Zeitung "Haaretz" am Montag einen Offizier im Generalstab. Neben der Hisbollah würden auch strategische Ziele der zivilen Infrastruktur angegriffen. Welche konkreten Ziele er meine, sagte der Offizier nicht.
Schon die bisherigen israelischen Angriffe haben zu schweren Schäden an Straßen und Brücken geführt. Damit soll nach offizieller Darstellung die Bewegungsmöglichkeit der Hisbollah eingeschränkt werden.
Nach israelischen Angaben sind bislang 89 Menschen, darunter mindestens 46 Soldaten, ums Leben gekommen, 499 Zivilisten und 167 Soldaten wurden verletzt. Im Libanon sind rund 700 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Armee sind mehr als 400 Hisbollah-Milizionäre getötet worden.