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Eigentor in TeheranAraber sauer über Präsident

10.12.2005, 09:57 Uhr

Der iranische Präsident Ahmadinedschad hat mit seinen provokativen Äußerungen auch in der arabischen Welt Empörung ausgelöst.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad löst mit seinen provokativen Äußerungen auch in der arabischen Welt sowie im eigenen Lande zunehmende Empörung aus. Saudiarabische Kommentatoren zeigten sich am Freitag geradezu wütend darüber, dass Ahmadinedschad mit seinem Vorschlag zur Verlegung Israels nach Europa vom friedlichen Charakter des muslimischen Gipfels in Mekka abgelenkt habe. Iranische Politiker appellierten derweil an die geistliche Führung in Teheran, das weltliche Staatsoberhaupt in die Schranken zu weisen.

Wenig schmeichelhafte Beurteilung

"Der Präsident muss seine Worte mit Bedacht wählen. Er könnte der Welt seine Botschaft auf eine bessere Art mitteilen", erklärte Hamid Resa, Vorsitzender der Islamischen Koalitionsgesellschaft. Dabei handelt es sich um eine Partei von iranischen Hardlinern, was in der gegenwärtigen Situation praktisch für sich selbst spricht. Reaktionen aus aller Welt fielen bekanntlich noch weitaus kritischer aus. Auch Verbündete Teherans wie Russland distanzierten sich von den jüngsten Äußerungen Ahmadinedschads.

Strich durch die Rechnung gemacht

Besondere Verärgerung herrschte jedoch in Saudi-Arabien, nach dessen Plänen vom Gipfel in Mekka eine Botschaft der Toleranz ausgehen sollte. Die Gastgeber wollten erklärtermaßen die gemäßigte Seite des Islams unter Beweis stellen und eine einige Front der Muslime gegen den Terrorismus demonstrieren. Hier hat ihnen Ahmadinedschad einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Die Logik fehlt

"Der iranische Präsident scheint seine Orientierung verloren zu haben", schrieb der prominente saudiarabische Kommentator Gilan al Ghamidi. "Der Iran sollte logisch handeln, wenn er sich die Unterstützung der Welt sichern will. Der Präsident hat hier nichts gewonnen, sondern viel verloren."

Selbst ranghohe saudiarabische Regierungsbeamte machten ihrem Unmut Luft. Einer von ihnen verglich den iranischen Präsidenten mit dem gestürzten irakischen Staatschef Saddam Hussein und dem libyschen Revolutionsführer Muammar al Gaddafi. Beide hätten in der Vergangenheit wiederholt provokative Bemerkungen von sich gegeben, die dann der gesamten islamischen Welt angelastet worden seien.

Selbst Reformer appellieren an Geistlichkeit

Viele iranische Politiker sehen auf Grund des Auftretens von Ahmadinedschad die Gefahr einer weiteren internationalen Isolierung ihres Landes. Selbst Hardliner wenden sich deshalb zunehmend von dem Ultrakonservativen ab. Auch werfen sie ihm einsame Beschlüsse vor. Aus diesem Grund hat das von Konservativen dominierte Parlament bereits drei Personalvorschläge des Präsidenten für das wichtige Amt des Ölministers abgelehnt.

Beobachter werteten es als Ironie des Schicksals, dass sich am Freitag sogar gemäßigte Kräfte an die geistliche Führung um Ayatollah Ali Chamenei wandten. "Das herrschende Establishment muss etwas gegen diesen Mann unternehmen", erklärte der als Reformer bekannte Analyst Davud Hermidas Bawand. "Ahmadinedschad redet wie der Sprecher einer ultrakonservativen Splittergruppe. Seine Worte passen nicht zu einem verantwortungsbewussten Präsidenten."