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Rache an Irak-Kritiker?CIA-Agentin enttarnt

30.09.2003, 07:06 Uhr

Der US-Regierung wird vorgeworfen, eine CIA-Agentin enttarnt zu haben, um sich an ihrem Ehemann zu rächen. Ehemann der Agentin ist der frühere US-Botschafter in Gabun, Joseph Wilson. Der Afrikaexperte hatte die Irak-Politik von US-Präsident Bush scharf kritisiert. Das Weiße Haus weist die Vorwürfe zurück. Wilson selbst deutete an, dass Bushs Chefstratege Karl Rove die Aktion zumindest stillschweigend geduldet haben müsse.

Der US-Regierung wird vorgeworfen, eine CIA-Agentin enttarnt und damit gefährdet zu haben, um sich an ihrem Ehemann zu rächen. Ehemann der Agentin ist der frühere US-Botschafter in Gabun, Joseph Wilson. Der Afrikaexperte hatte die Irak-Politik von US-Präsident George W. Bush scharf kritisiert.

Das Weiße Haus wies die Vorwürfe zurück und lehnte die Einsetzung eines Sonderermittlers ab. Die "Washington Post" hatte am Montag berichtet, zwei Regierungsmitarbeiter hätten den Namen der Agentin an ausgewählte Journalisten durchsickern lassen. Kritiker der Regierung nannten die Veröffentlichung des Namens einen "Racheakt" am Ehemann der Agentin.

Racheakt des Chefstrategen?

Wilson selbst deutete an, dass es sich bei der gezielten Indiskretion um einen Racheakt handeln könnte und dass Bushs Chefstratege Karl Rove die Aktion zumindest stillschweigend geduldet haben müsse. Wilsons Frau Valerie Plame, soll als Spezialistin für Massenvernichtungswaffen für den US-Geheimdienst CIA gearbeitet haben.

Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, Rove habe nichts mit der Veröffentlichung des Namens zu tun. Das Weiße Haus versprach volle Kooperation mit Ermittlern des Justizministeriums, die Licht in die Angelegenheit bringen wollen. Wer mit der Enttarnung der Agentin zu tun gehabt habe, werde entlassen.

Unabhängige Untersuchung

Kritiker der Demokratischen Partei erklärten, eine interne Untersuchung des Weißen Hauses durch das Justizministerium sei nicht sehr glaubwürdig. Sie forderten eine unabhängige Untersuchung. Ein von der Opposition geforderter Sonderermittler würde über weit reichende Vollmachten verfügen.

Wilson hatte im Juli in der "New York Times" geschrieben, er habe Anfang 2002 den Niger besucht, um Berichte über einen angeblichen Uran-Kauf des Irak in dem afrikanischen Staat zu prüfen. Danach bezeichnete er die Behauptung der US-Regierung als ungerechtfertigt. Bush hatte den angeblichen Uran-Kauf in seiner Rede vor dem Kongress als eines der Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Irak vorgebracht.

Später stellte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA fest, dass die vorgebrachte These auf gefälschten Dokumenten basierte. Erst nachdem Wilson mit seiner Version an die Öffentlichkeit gegangen war, hatte das Präsidialamt eingeräumt, dass Bush die Passage über Niger in seiner Rede besser weggelassen hätte.

Indiskretion mit großen Folgen

Sollte bewiesen werden, dass Regierungsmitarbeiter die Identität der Agentin weiter gaben, wäre dies ein Vergehen, das nach den Bundesgesetzen bestraft werden kann.

Sollten die Vorgänge dem Verantwortungsbereich des Präsidialamtes zuzuordnen sein, würde dies zudem im heraufziehenden Präsidentschaftswahlkampf der demokratischen Opposition in die Hände spielen. Ex-General Wesley Clark, einer der aussichtsreichsten demokratischen Präsidentschaftskandidaten, sagte, es sei auf jeden Fall eine unabhängige Untersuchung nötig: "Diese Regierung hat mit der nationalen Sicherheit seit langer Zeit politisch gespielt, aber das geht entschieden zu weit."