Dienstag, 29. August 2006
"Die Arbeitslosen von morgen": Kinderarmut nimmt zu
Angesichts wachsender Kinderarmut in Deutschland haben Kinderschutzorganisationen von der Bundesregierung einen konkreten Aktionsplan zur Unterstützung sozial schwacher Familien gefordert.
Nach jüngsten Berechnungen des Kinderschutzbundes leben heute in Deutschland rund 2,5 Millionen Kinder in Familien, deren Einkommen auf Sozialhilfeniveau liegt. Von der Bundesregierung forderten UNICEF, der Kinderschutzbund und das Bündnis für Kinder unter anderem ein gesichertes Existenzminimum für Kinder, kostenlose Kindergartenbetreuung und Ganztagsschulen.
Immer mehr Kinder in Deutschland müssten auf Taschengeld, Freizeit- oder Sportangebote verzichten, teilten die Organisationen mit. Besonders Kinder von Alleinerziehenden und aus Zuwandererfamilien erlebten relative Armut und Ausgrenzung.
Als arm gelten in Deutschland Familien, die über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügen. Häufig fänden Väter oder Mütter seit Jahren keine Arbeit und hätten resigniert. Kinder aus diesen Elternhäusern ernährten sich oft ungesund und blieben in isolierten Wohnvierteln unter sich, so die Kinderschützer. Ihnen fehlten gute Schulen, Ausbildungsmöglichkeiten und soziale Unterstützung. Als Folge davon verließen viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Viele litten unter Minderwertigkeitsgefühlen.
"Kinder ohne Chancen sind die Arbeitslosen von morgen. Die Überwindung der Kinderarmut ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben", sagte Alt-Bundespräsident Roman Herzog als Vorstandschef des Bündnisses für Kinder. Kein Land könne es sich leisten, so vielen Kindern einen guten Start ins Leben vorzuenthalten, ergänzte die UNICEF-Vorsitzende Heide Simonis.
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