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Politik

Dienstag, 13. November 2001

Urteil im La-Belle-Prozess

Lange Haftstrafen verhängt

Mehr als fünfzehn Jahre nach dem Bombenattentat auf die Discothek La Belle hat das Berliner Landgericht vier der Angeklagten schuldig gesprochen. Die Bombenlegerin erhielt 14 Jahre Haft wegen Mordes, weitere drei Angeklagte wurden wegen Beihilfe zu Haftstrafen zwischen 12 und 14 Jahren verurteilt. Die fünfte Angeklagte wurde freigesprochen. Die Anklage hatte vier Mal lebenslange Haft und ein Mal Freispruch gefordert.

Der Anschlag wurde am 5. April 1986 in der Discothek La Belle im West-Berliner Stadtteil Friedenau verübt. Das Lokal war damals vor allem bei US-Soldaten beliebt. Bei dem Attentat starben drei Menschen, mehr als 200 wurden schwer verletzt. Die in einer Tasche versteckte Bombe explodierte in der Nähe der vollbesetzten Tanzfläche.

Das Mammutverfahren gegen den Libyer Musbah Abulgasem Eter (44), die Palästinenser Yasser Chraidi (42) und Ali Chanaa (42) sowie Chanaas frühere deutsche Frau Verena und deren Schwester, Andrea Häusler, dauerte fast auf den Tag genau vier Jahre. Hunderten von Zeugenaussagen, eine verworrene Faktenlage sowie widerrufene und teils abgeänderte Geständnisse hatten das Verfahren in die Länge gezogen. Für Aufsehen sorgte zuletzt der Streit um ein Protokoll der Bundesregierung, demzufolge der libysche Staatschef Muammar El Gaddafi die Verantwortung für das Attentat übernommen haben soll.

Der Vorsitzende Richter Peter Marhofer sagte in der Urteilsverkündung, das La-Belle-Attentat sei von Mitarbeitern des libyschen Geheimdienstes federführend geplant worden. Die Angeklagten seien auf skrupellose Weise für eine politische Machtdemonstration missbraucht worden. Es spreche außerdem einiges dafür, das der libysche Revolutionsführer Muammar el Gaddafi das Attentat angeordnet habe. Dies habe sich aber im Prozess nicht sicher klären lassen. Chefankläger Detlev Mehlis hatte Libyen in seinem Plädoyer Staatsterrorismus vorgeworfen. Bis heute wird nach den Hintermännern gefahndet.

Die USA hatten Libyen für den Anschlag verantwortlich gemacht und die Städte Tripolis und Bengasi bombardiert. Das Attentat galt als Racheakt gegen die USA, die zuvor zwei libysche Schiffe versenkt hatte.

Wegen umfangreicher Sicherheitsmaßnahmen hatte sich die Urteilsverkündung verzögert. Zahlreiche US-Bürger, die das Attentat überlebt hatten, waren zum Prozess nach Berlin gekommen.

Unterdessen hat die Berliner Staatsanwaltschaft angekündigt, Revision einzulegen. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft für die vier Verurteilten gefordert.

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