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Sie verwaltete das Geld der NSU, sagen Zeugen: Beate Zschäpe.
Sie verwaltete das Geld der NSU, sagen Zeugen: Beate Zschäpe.(Foto: dpa)

Die netten Nachbarn der Rechts-Terroristen: NSU-Campingnachbarn sagen aus

Karin und Christian lernen bei einem Camping-Urlaub drei Leute kennen, Gerry, Max und Lise. Sie freunden sich an, unternehmen viel gemeinsam. Wenige Jahre später folgt der Schock: Hinter den netten Nachbarn verbirgt sich das NSU-Trio.

Immer wieder trafen sie die drei mutmaßlichen NSU-Terroristen im Sommerurlaub 2007 auf einem Campingplatz auf der Insel Fehmarn, fast jeden Tag unternahmen sie etwas gemeinsam - ohne zu ahnen, mit wem sie es in Wirklichkeit zu tun hatten: Jetzt hörte das Oberlandesgericht München Urlaubsbekannte der Neonazis aus Zwickau als Zeugen. Sie beschrieben Beate Zschäpe als die "Hauswirtschafterin" der drei. Für die Bundesanwaltschaft ist dies ein Indiz für die wichtige Rolle der Hauptangeklagten innerhalb der Gruppe.

Es fing damit an, dass die drei vorbeikamen, weil sie Partner beim Doppelkopf suchten. "Wir haben nebeneinander gewohnt, Wohnwagen an Wohnwagen", berichtete Zeugin Karin M. vor Gericht. Es entwickelte sich eine rege Bekanntschaft. "Wir hatten jeden Tag Kontakt", sagte M.s Ehemann Christian. "Irgendetwas hat man schon zusammen gemacht."

In den folgenden Jahren trafen sie die drei jeden Sommer, immer auf demselben Campingplatz: "Gerry", "Max" und "Lise", wie sich Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe nannten. "Sehr freundschaftlich" sei der Kontakt gewesen, sagt Karin M., auch ihre Kinder hätten sich gut mit den dreien verstanden. "Mit Kindern konnten die unheimlich gut umgehen, egal welcher Altersklasse, weil die immer mal 'nen Joke gemacht, oder sie mit den Boot mitgenommen haben."

Mehrere Hundert Euro in bar bezahlt

Aufgefallen war ihnen nur, dass die drei immer in bar zahlten. Einmal habe "Max" - Uwe Mundlos - mehrere hundert Euro für ein Surfbrett und Segel hingelegt. "Das ist mir aufgefallen, weil ich das mit Karte bezahlt hätte", sagte Christian M. Zschäpe habe das Geld verwaltet, sagte seine Frau. "Frau Zschäpe war immer die Hauswirtschafterin, hat Essen bereitet, Salat geschnibbelt, Schaschlik aufgespießt." Kurz: "Sie hat die beiden bemuttert."

Für die Bundesanwaltschaft ist dies ein Indiz für die wichtige Rolle der Hauptangeklagten innerhalb der Gruppe. Die Bundesanwaltschaft wirft ihr Mittäterschaft an sämtlichen Attentaten des NSU vor, darunter zehn Morde. Ob es jemanden gab, der in der Gruppe den Ton angab, wollte der psychiatrische Sachverständige Henning Saß wissen. "Es war ausgeglichen", meinte Karin M. "Max" habe den Ton angegeben, wenn es um Sport ging, "Gerry", wenn es um Handwerkliches ging, "Lise" beim Essen und Kochen. "Jeder hat das eingebracht, was er am besten konnte."

"Ich glaube es immer noch nicht"

Umso größer sei der Schock gewesen, als im November 2011 der "Nationalsozialistische Untergrund" aufflog und die Bilder der drei in den Medien waren. "Ich war platt, ich hätte es im Leben nicht geglaubt, und ich glaube es noch immer nicht", sagte Karin M. "Ich hätte mir nicht vorstellen können, wie man sich so täuschen kann."

Zu Verhandlungsbeginn hatte Zschäpes Verteidiger Wolfgang Heer beantragt, der psychiatrische Sachverständige Saß solle sich im Gerichtssaal weiter von der Angeklagten weg setzen. Er äußerte die Befürchtung, Saß könne ansonsten vertrauliche Gespräche zwischen Zschäpe und ihren Anwälten mithören. "Durch die Sitzordnung darf eine effektive Verteidigung nicht beschränkt werden."

Saß soll unter anderem begutachten, ob Zschäpe möglicherweise in Sicherungsverwahrung muss. Der emeritierte Psychiatrieprofessor saß im Gerichtssaal etwa zwei Meter von der Hauptangeklagten entfernt. Er rückte nach dem Antrag einen Platz weiter. Zschäpe hatte es vor Prozessbeginn abgelehnt, mit dem Psychiater zu sprechen. Auch im Prozess schweigt sie bislang.

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Quelle: n-tv.de

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